100 Jahre Schwarz-Rot-Gold

Die Hallertau bekennt Farbe. Was im Wolnzacher Anzeiger von 1919 in nur einem Satz bekannt gegeben wurde, füllte am heutigen Tag die Titelblätter vieler Zeitungen: die Definition der deutschen Nationalfarben. Was bedeutet Schwarz-Rot-Gold für uns? Wir haben uns einige Gedanken gemacht.

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Kommentar von Hallertau.Info, Februar 18, 2019

„Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland …“ Na, beim Weitersingen ertappt? Gar nicht schlimm, schließlich ist sie auch der Ausdruck von Stolz und Verbundenheit gegenüber unserer Heimat. Und die befindet sich einem Spannungsfeld. Die Grenzen zwischen Patriotismus und braunem Gedankengut verschwimmen. Springerstiefel sind wieder Mode gekommen und treten die Nation.

Zur Geschichte unserer Nationalfarben

Es waren die Sehnsuchtsfarben der ersten deutschen Demokratinnen und Demokraten. Johann Georg Abresch aus Neustadt/Weinstraße trug diese Fahne am 01.08.1832 aufs Hambacher Schloss, an der Spitze der ersten deutschen Großdemonstration; er platzierte sie direkt auf dem Turm. Für diese Farben haben dann die deutschen Demokraten immer wieder gekämpft – 1848, 1918, 1989. Die Nazis haben diese Farben verhöhnt als „Schwarz-Rot-Senf“. Das Beschimpfen der „Mostrich-Fahne“ war Kennzeichen der Rechtsextremisten während der Weimarer Republik. Gegner der Weimarer Republik führten ihren Kampf vordergründig als Kampf gegen diese Farben und ließen nur das Schwarz-Weiß-Rot des Kaiserreichs gelten. Die Verteidiger von Republik und Demokratie, Gewerkschaften, SPD und Zentrumspartei, sammelten sich unter dem „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“. Es war damals vergeblich. Zeit, sich auch im Jahr 2019 die Bedeutung dieser Farben wieder ins Gedächtnis zu rufen.

Zwischen Fangesang und Parole

Es ist ein schmaler Grat zwischen „Auf geht´s Deutschland, schieß ein Tor!“ und „Wir sind das Volk!“. Die Seiten sind klar getrennt – Schwarz-Rot-Gold haben sie trotzdem beide in der Hand. Voller Angst betrachten wir in Tagesschau, Zeitung und CO. die Bilder, in denen Menschenmassen mit Deutschlandfahnen offen gegen unsere deutsche Verfassung protestieren. Und voller Freude sehen wir Tausende vor dem Brandenburger Tor, die mit Deutschlandfahnen unsere Nationalmannschaften bejubeln.

Vor 100 Jahren und jetzt

Die Zeiten waren 1919 nicht leicht. Das Land war gebeutelt vom Ersten Weltkrieg. Man musste wieder lernen, in Frieden zu leben. Und trotzdem folgten nur 20 Jahre später wieder Greueltaten. Heute haben wir genügend Wissen, Bildung und die Erfahrung im Umgang mit unserer Vergangenheit und sollten alles dafür tun, ein Wiederkehren radikalisierter Umstände zu vermeiden. Einigkeit und Recht und Freiheit – in vielen Ländern wünschen sich die Bürger das, was für uns selbstverständlich ist, zum Beispiel ein ungehinderter Zugang zu Bildung, gute medizinische Versorgung, sauberes Wasser und freie Meinung. Das bittere Erbe unserer Vorfahren, die in Verdun kämpften und in Dachau patrouillierten, tragen wir trotzdem in uns.  Genau deswegen sollten wir das  auch 100 Jahre nach der Etablierung unserer Nationalfarben nicht vergessen.