3 Fragen an Ben Willikens, Künstler und Meister der „menschenleeren Räume“

Ben Willikens gilt als Meister der menschenleeren Räume. Er zählt zu den renommiertesten Künstlern der Gegenwart. Alle bedeutenden Sammlungen Deutschlands führen seine Werke. Er ist Träger des Bundesverdienstkreuzes und des Bayerischen Verdienstordens. Wir begehen geistig mit ihm Räume, in denen keine Menschen zu finden sind.

Simone Huber
Interview von Simone Huber, Juli 13, 2020

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1 | Hallertau.de: Herr Willikens, Sie haben einen mustergültigen Lebenslauf und dürften schon auf der ganzen Welt umherreisen. Nun sind Sie hier. Was verbindet Sie mit Wolnzach?

In erster Linie natürlich Ted Kastner. Wir haben uns kennengelernt in den 90er Jahren. Wolnzach ist ja eine Außenstelle für die Akademie der Bildenden Künste in München, an der ich selbst lange Professor war. Erst war der Kontakt beiläufig, dann gab in den 90er Jahren ein Jubiläum, zu dem Ted Kastner auf einer Vernissage Bilder von meinen Studenten ausstellte. Unsere Beziehung blieb bis heute bestehen.

2 | Soll sich der Betrachter in seiner Fantasie die Menschen, die auf Ihren Gemälden nicht zu finden sind, selbst imaginieren?

Nein. Als Meister der menschenleeren Räume bebildere ich meine Werke nicht mit Menschen, da ich schlichtweg nicht weiß, wie dieser wirklich aussieht. Welches Gesicht hat er? Oder ist er nur eine Fratze? Ist er gut oder schlecht? Auf all diese Fragen konnte ich bisher keine Antwort finden. So möchte ich dem Mensch keine konkrete Form verleihen. Meine Gemälde mögen daher auf manche nackt oder kahl wirken. Wenn man wie ich den 2. Weltkrieg miterlebt hat, dann hat das jedoch seine Gründe, weshalb der Mensch darin nicht vorkommt.

3 | In Zeiten von Corona mag sich mancher zurecht fragen, ob Kunst überhaupt systemrelevant ist. Wie stehen Sie dazu?

Viele meiner Kollegen kratzen jetzt am Existenzminimum. Oder schlimmer noch – Corona zwingt sie dazu, ihr Künstlerdasein aufzugeben. Ich werde überleben, doch ich denke an viele andere, die dies wahrscheinlich nicht tun. Für Künstler sind Messen von großer Bedeutung, diese sind alle abgeblasen. Trotzdem stellt Kunst in der Zeit wie wir sie gerade erleben eine Möglichkeit dar, sich aus tristen Gedankenkarussellen zu befreien. Die Fantasie wird quasi beflügelt. Kunst erlaubt es einem, sich in in andere Sphären zu denken, wenn einen der Alltag scheinbar erdrückt.

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