3 Fragen an die Ilios gGmbh: Trotz Corona-Krise nah am Menschen

Man vergisst sie in der derzeitigen Lage schnell: Auch Menschen mit Suchterkankungen oder psychischen Problemen trifft die Corona-Krise. Wir haben bei der Ilios gGmbh nachgefragt, wie ihre Klienten mit der außergewöhnlichen Herausforderung "Covid19" umgehen.

Lisa Schwarzmüller
Interview von Lisa Schwarzmüller, Mai 18, 2020

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Ihre Arbeit ist vielfältig und anspruchsvoll – die Ilios gGmbh in Pfaffenhofen kümmert sich um die Menschen, die manchmal nicht mehr in das Raster dessen passen, was in einer optimierten Leistungsgesellschaft als normal angesehen wird. Durch betreutes Wohnen, Unterstützung im täglichen Leben und der Gestaltung von Freizeitangeboten wollen die Pädagogen und Sozialrbeiter ein Unterstützungssystem schaffen. Die Herausforderungen, vor denen ihre Klienten stehen sind dabei vielfältig: Psychische Erkrankungen, Suchterkrankungen wie Alkohol- oder Medikamentenabhängigkeit oder Behinderungen führen dazu, dass das Aufrechterhalten einer Beschäftigung oder eines sozialen Umfeldes alleine fast nicht mehr zu bewältigen ist. Hilfe zur Selbsthilfe, eine Produktionshalle, die 40 Langzeitarbeitslosen, Menschen mit Behinderung und Flüchtlingen eine Beschäftigungsmöglichkeit bietet, eine Teakwondo-Gruppe und vieles mehr sorgt dabei für Struktur und ein menschliches Miteinander.

Wir durften die Mitarbeiter fragen, wie ihre Klienten die derzeitige Corona-Krise erleben und bewältigen.

1 | Die Corona-Krise hat uns alle hart getroffen, auch psychisch mussten wir lernen mit Isolation und Social Distancing zu leben. Eure Klienten hatten vorher schon mit psychischen und Suchterkrankungen gelebt. Wie hat wirkt sich diese außergewöhnliche Situation auf sie aus? Was waren in diesem Zusammenhang die Herausforderungen, denen ihr begegnet seid?

Für viele unserer Klienten war und ist es schwer keinerlei Besuch zu empfangen. V.a. für Neuankömmlinge, die kurz vor der Krise ankamen, ist dies eine Herausforderung. Sie kennen niemanden in der WG. Zudem soll man Abstand halten, das bedeutet kennen lernen gestaltet sich auch etwas schwierig. Die Folge ist völlige Isolation, was viele auch psychisch belastet und einige hatten zuvor schon mit Depressionen zu kämpfen. Damit sie nicht vereinsamen, wurde unsererseits immer versucht Kontakt aufzunehmen. Für uns gestaltete sich die Situation der Kontaktsperre als besondere Herausforderung. Klienten können nicht angefahren werden und Klienten ans Telefon zu bekommen ist sehr schwierig. Bekommt man sie doch ans Telefon, fehlt den Pädagogen und Heilerziehungspflegern die Beobachtung des Klienten. Die Beobachtung bei einem persönlichen Gespräch ist das A und O, da sich viele Klienten nicht richtig ausdrücken können. Dabei geht leider die ganze nonverbale Kommunikation verloren, die oftmals mehr „sagt“, als Worte.

2 | In der öffentlichen Debatte geht es gerade viel um die Rettung von Unternehmen und die Herausforderungen, die diese Krise wirtschaftlich an uns stellt. Könnt ihr trotz allem normal weiter arbeiten? Und wie steht es um eure Fertigungshalle?

Anfangs hat sich, in Bezug auf das Wirtschaftliche, nichts geändert. Mittlerweile sind jedoch einige Mitarbeiter in Kurzarbeit, um auch den Abstand im Büro zu wahren. Zudem ist die Intensität der Betreuung etwas abgeflacht, da keine persönlichen Treffen stattfinden. Und viele Klienten sind wie gesagt schwer zu erreichen. Mittlerweile ist die Fertigungshalle, unter besonderen Hygienebedingungen mit speziellem Hygienekonzept, geöffnet. Alle müssen Mundschatz tragen. Zwischen den einzelnen Arbeitsplätzen wird der Abstand eingehalten, zudem gibt es Trennwände aus Plexiglasscheiben. Es wurde ein spezieller Ablauf konzipiert, den alle einhalten müssen. Aktuell sind aber nicht alle Klienten wieder an ihrem Arbeitsplatz.

3 | Ein wichtiger Teil eurer Arbeit umfasst die Freizeitgestaltung mit Ausflügen, eurer Teakwondo-Gruppe und vielem mehr. Durch die Social Distancing Maßnahmen wurde das mit Sicherheit erschwert. Wie ging es euch damit?

Aufgrund der Regierungsvorgaben und -auflagen fanden keine Gruppenaktionen statt. Gerade für unsere älteren Klienten, deren Sozialkontakte darin bestanden, an unseren Maßnahmen teilzunehmen, war es problematisch. Man musste sie vor der Vereinsamung schützen. Auch hier haben wir besonders viel Wert darauf gelegt, sie stets zu erreichen und den Kontakt, auf verschiedenste Art, aufrecht zu erhalten. Aber auch für andere Klienten ist damit eine gewisse Tagesstruktur verloren gegangen, was nun mal sehr wichtig wäre. Wir hoffen, dass wir bald wieder alle unsere Maßnahmen anbieten können und somit wieder zurück zu einem geregelten Tagesablauf für unsere Klienten kehren können.

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