3 Fragen an Gabi Röhrl, Filmemacherin

Michael Urban
Interview von Michael Urban, November 20, 2019

900 Kilometer mit 14 Kilogramm Marschgepäck auf dem Buckel, darunter Kamera und Stativ – das ist die Kurzfassung zu Gabi Röhrls filmischer Wanderung auf dem spanischen Jakobsweg. Dass die „waschechte Holledauerin“ und Amateurfilmemacherin dabei einen ganzen Kinodokumentarfilm aus dem Boden stampfte, ist im besten Sinne ihrem „Holledauer Sturschädel“ zu verdanken, aber auch ihrem Auge für tolle Bilder, ihrer großen Lernfähigkeit sowie ihrer offenen, positiven Art. Wir haben die 58-Jährige gestern bei der Kino-Tour zu ihrem Film „Nur die Füße tun mir leid“ (weitere Termine hier) in den Wolnzacher Amper Lichtspielen getroffen, wo der Film die nächsten Tage auch noch läuft. Dort lobte sie nicht nur das cinematographische und kulturelle Engagement der Familie Amper in der Region, sondern nahm sich auch Zeit, um uns ein paar Fragen zu beantworten.

1 | Hallertau.de: Liebe Gabi, 2019 war ein ereignisreiches Jahr für dich. In welchen verschiedenen Rollen warst du arbeitstechnisch unterwegs und welche hast du am meisten genossen?

Gabi Röhrl: (lacht…) Oh, das ist schwierig. Gefühlt war ich ein Tausendfüßler, der als einfache Hausfrau, als Filmemacherin, Fotografin und Regisseurin unterwegs war. Emotional war ich Glückliche, Verzweifelte, Ruhesuchende, alles mögliche. Am meisten genossen habe ich, dass ich es geschafft habe, einen Film ins Kino zu bringen.

2 | Wenn du eine Sache bei der Jakobswegwanderung anders hättest machen können, welche wäre das gewesen?

Nichts. Weil der Weg einen erzieht. Du musst nur losgehen und schauen, was der Weg mit dir macht.

3 | Ein Kinofilm ist schon ein Meilenstein. Was für ein Gefühl ist es, die fertigen Bilder über die Leinwand ziehen zu sehen, und was kann nach so einem Meilenstein kommen?

(Lacht) Die Bilder so zu sehen, ist für mich nicht nachvollziehbar. Ich zwicke mich manchmal, weil ich denke, wenn ich gleich aufwache, merke ich, dass ich es doch nicht geschafft habe. Ist wirklich so. Seit meinem ersten Jakobsweg 2011 war mir aber klar: es reicht nicht über etwas nachzudenken, sondern man muss es auch einfach tun. Das habe ich mir für dieses Projekt sehr zu Herzen genommen. Der Film ist der beste Beweis, denn ich bin ja nicht aus der Branche, bin ein absoluter No-Name, und wollte es trotz aller Aussagen, dass es nicht machbar wäre, einfach durchziehen. Der Holledauer Sturschädel hat mir da geholfen. Für die Zukunft habe ich so viele Ideen, dass ich mich gar nicht entscheiden kann… (lacht) Aber den Camino mit einer Fotokamera zu gehen, das wäre noch ein Traum von mir. Daraus kann dann ein schönes Buch entstehen, in dem Bilder über den Camino erzählen.

„Nach zwei Wochen Wandern am Camino hatte ich vier Kilo abgenommen – da lief es sich dann leichter. (lacht)“

Gabi Röhrl