3 Fragen an Gertrud Enzinger, Leiterin Tafel Mainburg

Wie viele andere lokale Einrichtungen hat auch die Tafel in Mainburg kurzzeitig um ihr Überleben gefürchtet. Denn seit den Hamsterkäufen in der Corona-Krise werden nicht nur weniger Lebensmittel gespendet, auch die Zahl der Tafelkunden ging zurück.

Simone Huber
Interview von Simone Huber, Juni 22, 2020

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1 | Hallertau.de: Frau Enzinger, während der „heißen“ Corona-Phase musste die Mainburger Tafel kurzerzeitig ihre Türen für die Bedürftigen schließen. Hat sich seit der Wiedereröffnung der Ansturm auf die Lebensmittel verändert?

Die Tafel gibt jeden Freitagnachmittag an bis zu 80 bedürftige Menschen und ihren Angehörigen regelmäßig Lebensmittel aus. Eine Institution, die dringend gebraucht wird. Seit unserer Wiedereröffnung am 29. April kamen aber nur gut die Hälte aller berechtigten Tafelkunden. Singles, Ehepaare oder auch Großfamilien nehmen unsere Hilfe in Anspruch. Unser Team hat seit den Lockerungen mit einem weitaus massiveren Andrang gerchnet, vor allem weil durch Corona die Zahl der Arbeitslosen und Einkommensschwachen gestiegen ist. Dass die Resonanz bisher  bescheiden ausfiel, wundert mit persönlich. Vielleicht ist aber die Hemmschwelle nach wie vor groß.

2 | Sie meinen, die Betroffenen trauen sich nicht, von ihrem Recht auf kostenlose Lebensmittel und Essensgutscheine Gebrauch zu machen?

Wir haben in Mainburg wohl eine hohe Dunkelziffer. Es gibt genügend, die eine Berechtigung auf Tafelservice haben oder durch Corona in Armut geraten sind, sich aber nicht trauen zu kommen.Wenn die Leute nicht kommen, können wir auch nicht helfen. Während der Phase der Kontaktsperre habe ich die Bedürftigen weiterhin mit Lebensmittelkisten versorgt, gepackt und ausgeliefert. Wir haben immer einen  Bestand im Dauerwarenlager sowie Essensgutscheine von örtlichen Supermärkte. Bei uns muss niemand Hunger leiden

3 | A propos örtliche Supermärkte: Woher beziehen Sie ihre kostenlosen Lebensmittel? Werden Sie vom Einzelhandel unterstützt?

Leider muss ich feststellen, dass die Großzügigkeit bezüglich der Spenden nachlässt. Vor allem die Supermärkte stellen weniger Lebensmittel zur Verfügung als in der Vergangenheit. Ich darf natürlich keine Namen nennen. Ware wie Mehl oder Zucker selbst zuzukaufen, ist schlussendlich aber nicht der Sinn und Zweck einer Tafel. Das Warenlager ist daher in den letzten Wochen schon geschrumpft. Natürlich nehmen wir auch zweckgebundene Geldspenden an, mit denen Essensgutscheine an die Tafelkunden ausgegeben werden.

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