3 Fragen an Hermann Thalmeier, Theatermann und Bauunternehmer

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Interview von Alfred Raths, Januar 20, 2020

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Mit ihrem Freilichttheater „Der Holledauer Fidel“ machte die Theaterbühne Langenbruck 2016 beim Publikum und den Bühnenkollegen selbst aus der weiteren Umgebung Furore. Doch nicht nur damit. Praktisch alle Aufführungen der Laienspieler sind ausverkauft, immer. Hinter dem Erfolg des Ensembles steckt nicht zuletzt der gebürtige Fahlenbacher Hermann Thalmeier. Der 73-jährige Bauunternehmer zieht häufig als Regisseur ansonsten aber als Gesamtleiter des Theaters im Hintergrund die Fäden.

1 | hallertau.de: Grüß Gott Herr Thalmeier, wie kommt es, dass Sie so gut wie immer ein mit Publikum volles Theater haben, wenn Sie ein Stück zur Aufführung bringen?

Hermann Thalmeier: Wir verwenden zunächst viel Mühe darauf, gute Stücke herauszusuchen. Stücke, von denen wir glauben und letztlich auch hoffen, dass sie den Publikumsgeschmack treffen. Das ist uns meist gut gelungen. Wir haben unser Publikum über die Jahre hinweg kennengelernt und dürfen uns heute über einen kräftig gewachsenen Stamm freuen. Ein weiterer wichtiger Faktor ist ein ambitioniertes Ensemble. Das hat die Langenbrucker Theaterbühne Gott sei Dank. Für den Regisseur ist es ein unschätzbarer Vorteil, wenn er, wie wir hier, bei der Rollenverteilung über eine große Auswahl an Naturtalenten verfügen kann.

2 | Wurde Ihnen das alles in den Schoß gelegt und wie konnten Sie Kunst und das doch eher raue Baugewerbe miteinander verbinden?

Die Saat für die Langenbrucker Thaterbühne habe ich 1977 als Vizevorsitzender des Sportvereins Spielvereinigung Langenbruck ausgebracht, nachdem zuvor viele Einakter zu Weihnachten gespielt worden waren. Weil mich das Theater schon damals so faszinierte und mir die Zusammenarbeit mit jungen Menschen immer viel Freude bereitete, beteiligte ich mich seinerzeit als Regieassistent und Bühnenbauer. 1986 setzte ich mich für die Gründung eines eigenen Theatervereins ein. Damals war ich noch abhängig beschäftigter Bauleiter. Erst 1989 habe ich ein eigenes Bauunternehmen in Agelsberg gegründet. Von den Tätigkeiten her sehe ich keine so große Diskrepanz, hat doch alles auch mit Aufbau, Koordinierung und Gestaltung zu tun. Die großen Bauvorhaben der Langenbrucker Theaterbühne, das Bühnenhaus und das Theaterlager, konnten aufgrund vieler freiwilliger Helfer und Spendern sowie meinem Bauunternehmen problemlos gemeistert werden. Auf die Bühne in einer Rolle zog es mich dagegen eigentlich nie besonders. Wenn ich einen Part übernehme, dann nur, weil der aus welchen Gründen auch immer sonst nicht hätte besetzt werden können.

3 | Am 4. Januar ist Premiere für das aktuelle Stück „Die Geierwally“ und die Aufführungen sind bereits alle ausverkauft. Das Laientheater hat also eine rosige Zukunft, oder etwa nicht?

Die Globalisierung hat das Volks-Theater nicht erreicht. Und die Netzgesellschaft möchte auch mal „richtiges“ Theater sehen und nicht immer nur ins Smartphone schauen. So lange es so etwas wie eine Heimatverbundenheit gibt, hat das Laienspiel mit seinen überwiegend komödiantischen Inhalten tatsächlich seine Berechtigung und damit sein Publikum. Was allerdings in zehn, zwanzig Jahren sein wird, wer kann das bei den Turbulenzen, die wir gerade erleben, schon vorhersagen.

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