3 Fragen an Julia Leeb, Fotojournalistin aus Kriegsgebieten

Krieg, Revolution, Diktatur - Fotokünstlerin Julia Leeb visualisiert Politik und dokumentiert das Leben in den Krisengebieten dieser Welt. Ein nicht alltäglicher Beruf.

Simone Huber
Interview von Simone Huber, August 10, 2020

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1 | Hallertau.de: Guten Tag Frau Leeb. Für Ihre Arbeit begeben Sie sich oft bewusst in Lebensgefahr. Was ist Ihr Hauptantrieb, das zu tun?

Ich will die Welt, in der ich lebe, kennen und wissen, was ich wissen kann. Mit allen guten und weniger guten Seiten. Es ist ein stetiger Lernprozess. Mein Antrieb, nach der Wahrheit zu suchen, ist tief verankert. Für mich ist es nur schwer  vorstellbar, dass nicht alle Menschen den gleichen Drang verspüren.

Herauszufinden, ob das was wir sehen, stimmt oder nicht. Über die blinden Flecken unserer Welt zu berichten. Dafür geht man manchmal Risiken ein vor Ort, die einen durchaus in ernste Gefahr bringen. Dabei handelt es sich oft um Spontanentscheidungen. Manchmal liegt die Wahrheit hinter der Angst, wobei  die Angst immer real ist, auch wenn die Gefahr nicht echt ist. Warum man das macht? Ich will und muss dokumentieren, was auf der Welt geschieht. Geschichtliche Ereignisse in Bildern festhalten. Den Menschen hinter der Statistik zeigen. Durch meine Bilder ist die Kommunikation viel schneller. Mit meiner Arbeit  kann ich  Politik visualisieren und komplexe Zusammenhänge sichtbar machen.

2 | Sehr viele Menschen drehen sich weg von dem Leid an Orten, die außerhalb Ihrer Reichweite liegen. Sollte man sich dennoch damit beschäftigen?

Nur weil wir das Leid nicht sehen , ist es trotzdem da. In erster Linie suche ich aber nicht das Leid. Es liegt mir fern, dass die Menschen sich schlecht fühlen, wenn sie meine Bilder ansehen. Gerade da, wo das Leid am größten zu sein scheint, gibt es auch Licht im Dunkel. Ich bin zwar in den schlimmsten Gegenden der Welt, im Sudan, im Kongo, in Syrien, Afghanistan, suche dort allerdings nicht nur die Bilder von Verletzten und Toten, obwohl ich sie natürlich sehe.  In den Gegenden in denen ich arbeite gibt es trotz allem einen Alltag. Während an der Front gekämpft wird, gibt es jemanden, der zu Hause das Leben aufrecht erhält. Oft sind das Frauen und Ärzte. Menschen, die verzeihen und heilen. Menschen die an das Allgemeinwohl denken. Diese Leistung kommt fast nie in den Geschichtsbüchern vor. Ihnen möchte ich ein Podest bauen.

3 | Sind die Bilder, die man uns aus den Kriegsgebieten in den Nachrichten präsentiert, verzerrt oder gar „fake“?

Mit dem Begriff „Fake“ sollte man meiner Meinung nach sehr vorsichtig umgehen. Natürlich sind Nachrichten verdichtet. Sie sind so konzipiert, dass man in einer gewissen Zeitspanne die Extrembeispiele zeigt. Für die positiven Alltagsgeschichten gibt es oft nicht genug Zeit. Sie gehören jedoch zum Gesamtbild dazu. Die Berichterstattung war in der Vergangenheit immer sehr männlich geprägt. Kollateralschäden, Truppenbewegungen, Waffenspezifizierungen, Feldherren. Das ist aber nur die eine Seite. Die andere Seite ist unsichtbar geblieben. Die Geschichten der heimlichen Helden wurde nicht aufgeschrieben. Das möchte ich ändern.

Anmerkung der Redaktion: Ihre Bilder sind bis einschließlich 19. September im Deutschen Hopfenmuseum in Wolnzach zu sehen.

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