3 Fragen an Magdalena und Stefan Amberger über die Vielfalt in der Landwirtschaft

Seit Jahrzehnten ist der Trend in landwirtschaftlichen Beitrieben klar: Immer größere Flächen, immer stärkere Spezialisierung auf ein Produkt. Ungefähr 30 Hektar Fläche bewirtschaftet ein bayerischer Landwirt im Schnitt. Magdalena und Stefan Amberger gehen seit diesem Jahr mit ihrem Hofladen und ihrem Biobetrieb in eine komplett andere Richtung. Im größten Hopfenanbaugebiet der Welt spezialisieren sie sich auf ihren kleinen, aber feinen 14 Hektar Land unter anderem auf verschiedenste Sorten Gemüse. Das wächst und gedeiht – nicht zuletzt wegen dem unerschütterlichen Idealismus der beiden gebürtigen Hallertauer.

Lisa Schwarzmüller
Interview von Lisa Schwarzmüller, September 28, 2020

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1 | Magdalena, Stefan – ihr macht euren Hofladen und euren Betrieb seit diesem Jahr im Nebenerwerb und seid ansonsten als Agraringenieurin und Fluggerätemechaniker tätig. Ist Zeit für euch relativ oder hat euer Tag einfach mehr Stunden?

Magdalena:  Ja, gerade im Sommer und in der Erntezeit geht da sehr viel Zeit rein. Aber den Beitrieb von 0 auf 100 auf die Beine zu stellen kommt für uns auch nicht infrage, lieber soll er gesund und nachhaltig wachsen. Wir setzen dabei auf Vielfalt statt auf Masse.

Stefan: Letztes Jahr haben wir zum Beispiel eine Streuobstwiese angelegt, die wird frühestens in neun Jahren einen nennenswerten Ertrag einbringen. Jetzt haben wir mit Kartoffeln und Lagergemüse angefangen, nächstes Jahr kommt ein Hühnermobil dazu. Dieser langsame, aber kontinuierliche Ansatz ermöglicht uns derzeit vieles auszuprobieren, auch wenn es natürlich viel Zeit und Aufwand kostet.

2 | Euer Betrieb ist das komplette Gegenteil von dem, wofür die Hallertau bekannt ist. Statt auf eine starke Spezialisierung setzt ihr auf eine große Vielfalt an Erzeugnissen, die ihr direkt an den Endverbraucher vertreibt. Warum?

Stefan: In der Landwirtschaft ist es in den letzten Jahren immer darum gegangen, Menge zu machen und einen günstigen Preis anzubieten. Der Trend ging immer weiter dahin, dass die kleinen Höfe verschwinden, weil es sich nicht gerechnet hat. Dadurch kennen die Menschen aber auch oft nur noch eine Sorte Kartoffel oder eine Sorte Rote Beete. Wir wollen aber wieder mehr auf Geschmack und Vielfalt setzen, wollen verschiedene, auch alte Sorten anbieten und so die Leute wieder dazu bringen, mal wieder was anderes zu probieren wie geschmacklich fades Einheitsobst- und Gemüse aus dem Supermarkt.

Magdalena: Ja, Gemüse und Obst kommt in verschiedenen Größen, Formen und Farben – Gelbe Rüben sind nicht einheitlich und gerade und haben nicht immer dieselbe Größe. Produkte im Supermarkt werden nach Größe und Form sortiert, vieles landet im Müll. Dabei ist eigentlich der Geschmack das entscheidende, und den erlebt man in jeder Form. So wie jeder Mensch groß, klein, dick oder dünn ist, so ist das beim Gemüse auch. Durch die Direktvermarktung gehen wir wieder in den direkten Dialog mit dem Verbraucher, und das liegt uns sehr am Herzen.

3 | Also geht ihr an die ganze Geschichte mit einer großen Portion Idealismus ran?

Magdalena: Auf jeden Fall!Wir machen es neben der Arbeit, wir fangen von Null an, wir bringen uns vieles selbst bei. Ohne den Idealismus, die Welt zu verbessern, geht das nicht.

Stefan: Als Landwirt hat man ja auch eine Verantwortung. Wenn man einen Hof hat, denn geht es ja nicht nur darum, dass man etwas besitzt, man hat den meist für 30 Jahre und dann kommt die nächste Generation. Bestes Beispiel ist unsere Streuobstwiese. Die Lebensdauer einer solchen Streuobstwiese rechnet man auf bis zu 100 Jahre. Wenn man sowas pflanzt, muss man nicht nur an sich denken sondern auch an die, die nach einem kommen – übrigens auch ein Grund, warum wir in die ökologische Richtung gehen.

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