3 Fragen an Michael Eberwein, Leiter der Dellnhauser Musikanten

hallertau.de
Interview von hallertau.de, November 26, 2019

Am 21.11.19 wurde am Nockherberg in München ein Stück Hallertau geehrt. Leiter Michael Eberwein und seine Dellnhauser Musikanten erhielten für ihr jahrzehntelanges, unermüdliches Engagement in der Kategorie Kultur „Musik“ den Kulturpreis Bayern. Bekannt sind sie für ihren exakten Stil und ihre Hingabe an die Tradition der ursprünglichen Volksmusik – was sie jedoch nicht daran hindert, eine lockere musikalische Verbindung zur Moderne herzustellen. Ihr permanent abrufbares Liedgut umfasst mittlerweile mehr als 460 Titel. Das erlaubt einen fließenden Übergang zwischen bayrischen Bierzelten, Konzerten in Japan, traditionell gehaltenen Tanzmusikabenden und Veranstaltungen in Südamerika.

Am Tag vor der Preisverleihung lud uns Michael Eberwein zu sich nach Hause ein. Bei Kaffee und Kuchen gab uns der 56-jährige Musiker einen Einblick in bewegende und entscheidende Momente seiner erfolgreichen Zeit mit den Dellnhauser Musikanten.

1 | hallertau.de: Dein Vater hat im Jahre 1948 „Die Dellnhauser Musikanten“ ins Leben gerufen und damit eine anhaltende Tradition begründet. Du hast die Gruppe ein paar Jahre nach deinem Einstieg in einem fließenden Übergang noch vor seinem Tode 1998 übernommen. War es für dich eine bewusste Entscheidung, in das Ensemble mit einzusteigen?

Michael Eberwein: (lacht) Da hab ich gar nix dafür gekonnt. Früher ist es so zugegangen in unserer Familie, da hat man gar nicht anders können. Aber während meine älteren Schwestern schon immer mit meinem Papa gesungen haben, hat mich das eher aufgeregt und genervt: „Da geht es schon wieder zu bei uns, nie hat man seine Ruhe“, waren meine Gedanken dazu. Instrumente spielen lernen wollte ich dennoch. Das hab ich dann auch gemacht, zuerst Klavier und später Trompete. Als ich das erste Mal in der Gruppe mitspielen durfte, hab ich plötzlich entdeckt, dass es eigentlich ganz cool ist. Und dann war das eben so. Zu dem Zeitpunkt war ich sechzehn. (grinst) Bis du nämlich mit der Trompete überhaupt richtig mitspielen kannst, dauert es. Das geht nicht innerhalb von vier Wochen.

2 | Pro Jahr habt ihr circa 60 – 70 Auftritte, in Deutschland, aber auch immer wieder im Ausland. Mit dieser Fülle von Erlebnissen und Auftritten im Hintergrund: welche Situationen haben deine Musikerseele besonders bereichert?

Einer dieser besonderen Momente war der Musikeraustausch mit einer mexikanischen Mariachi-Gruppe. Wir hatten zwei junge Gitarristen bei uns und mussten mit ihnen ein Konzertprogramm einstudieren. Als ich gemerkt habe, dass einer von ihnen verdammt gut singen kann, hab ich den Zwiefachen „Die oide Kath“ mit ihnen einstudiert. Die beiden haben zu unserer Überraschung in nahezu perfekt bayrischem Dialekt gesungen und beim Konzert sind die Zuhörer komplett ausgeflippt. Wir waren alle total begeistert und es ist eine derartige Freundschaft entstanden, dass die ganze Gruppe ein Jahr später zum Dellnhauser Volksmusikfest (im Jahr 2019, Anm. d. Red.) gekommen ist (hier geht’s zum Interview mit den Mariachi).

3 | Jetzt noch die obligatorische Frage: was bedeutet euch die Auszeichnung mit dem bayerischen Kulturpreis?

Die typische Frage halt. (beide lachen)

Ja, genau – und hiermit dennoch gestellt.

Es ist natürlich eine große Ehre, eine hohe Auszeichnung. Ja, und es macht uns auch stolz auf die vielen Jahrzehnte, die wir in der Tradition verwurzelt Musik machen. Auch ist es ein Ansporn, dass wir nicht nachlassen und hochhalten, was uns über die letzte Jahrzehnte erfolgreich gemacht hat.

„Bis du mit der Trompete überhaupt richtig mitspielen kannst, dauert es.“

Michael Eberwein