3 Fragen an Teresa Kanzler, Grundschullehrerin in Pfaffenhofen

Michael Urban
Interview von Michael Urban, März 23, 2020

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Ab 16.3. haben in Bayern die Schulen aufgrund des Corona-Virus geschlossen, erst am 20.4. soll der Unterricht wieder aufgenommen werden. Staat und  Schulen mussten sich im Handumdrehen Ideen und Maßnahmen einfallen lassen, wie es sowohl für die Schüler als auch für die Lehrer sinnvoll weitergehen kann. Wir haben dazu Grundschullehrerin Teresa Kanzler ins Interview genommen (Stand 18.3., Anm. d. Red.). Teresa ist 26 Jahre alt, frisch verbeamtet und Lehrerin an der Grund- und Mittelschule Pfaffenhofen. Dort leitet sie eine dritte Klasse. Die Motivation für ihren Beruf zieht sie aus den vielen Momenten, die „einem den Tag versüßen“ und aus dem, was ihr die Kinder für ihr Engagement zurückgeben. „Außerdem wird es niemals langweilig“, sagt Teresa.

1 | hallertau.de: Hi Teresa, es geht ja gerade Knall auf Fall. Wie sieht gerade dein Alltag als Grundschullehrerin aus?

Teresa Kanzler: Momentan gehe ich mittwochs und freitags als Teil der Notfallbesetzung in die Schule und betreue Kinder von Eltern in systemrelevanten Berufen. Außerdem versorge ich die Schülerinnen und Schüler meiner Klasse mit einem Wochenplan, in dem Aufgaben für jeden Tag zu finden sind. Dafür habe ich auch Lösungen geschrieben, sodass die fehlerhafte Bearbeitung sofort auffällt und besprochen werden kann. Zum Glück zeigen sich alle meine Schülereltern sehr motiviert und geben regelmäßig Rückmeldung. Manchmal bietet sich auch die Bereitstellung eines Erklärvideos an. Grundsätzlich achte ich jedoch darauf, dass es Aufgaben sind, die auch von wirklich jedem Kind ohne große Hilfe und mediale Ausstattung – die nicht vorausgesetzt werden kann! – zu bewältigen sind. Ansonsten besteht die Gefahr, dass nach den fünf Wochen eine große Schere im Leistungsstand der Kinder vorhanden sein wird. Täglich checke ich unsere Online-Informationsplattform und beantworte aufkommende Fragen der Eltern. Nebenbei korrigiere ich noch die geschriebene Mathearbeit der letzten Woche und bereite tatsächlich schon Freiarbeitsmaterial für die „Zeit danach“ vor. Nächste Woche ist dann die Ordnung meines Arbeitszimmers dran. Wie bereits am Wochenende geschehen, kann der Staat Lehrer neben der oben genannten Notfallversorgung an Schulen auch für andere Aufgaben einsetzen, denke ich. So mussten meines Wissens Münchner Kollegen am Sonntag als Wahlhelfer agieren.

2 | Wie hast du deinen Schülern erklärt, was los ist und wie haben sie auf die Veränderung ihrer täglichen Routine reagiert?

Was los ist, wussten die Kinder grob schon, als sie in die Schule kamen. Es gab lediglich unterschiedliche Gerüchte über die Dauer des Schulausfalles. Natürlich waren die Kinder deshalb sehr aufgewühlt und nervös. Grundsätzlich kannten sie jedoch die Risiken des Coronavirus und die daraus resultierenden notwendigen Hygienemaßnahmen, die nach den Faschingsferien immer wieder ausführlich besprochen worden waren. So verstanden sie den Sinn der Schulschließung nach einem klärenden Gespräch schnell. Wir haben anschließend in Ruhe alle Materialien ausgeteilt, so dass sie im Notfall alles für die Aufgaben zu Hause parat haben. Ich habe mit den Kindern auch hier schon besprochen, dass sie Wochenpläne bekommen werden, um einen Teil des Stoffes selbstständig zu bearbeiten. Diese Pläne kennen die Kinder aus dem regulären Ganztagsbetrieb und sind mit der Bearbeitung vertraut. Am Ende des Schultages waren einige Kinder bedrückt und gaben ihrer Traurigkeit über die lange Zeit ohne Schule Ausdruck. Auch für mich war es ein ungewohnter „Abschied“.

3 | Was kann das Schulwesen aus der Corona-Krise lernen?

Was das Schulwesen selbst aus der Corona-Krise lernen kann, kann ich spontan nicht beantworten. Grundsätzlich ist die mediale Ausstattung und Vernetzung natürlich in solchen Situationen unabdingbar. Trotzdem ist Schule aber eine Institution, die den direkten Kontakt mit Kindern voraussetzt, um Kompetenzen bestmöglich zu vermitteln. Gerade die eigene Motivation und Begeisterung der Lehrerinnen und Lehrer für die zu behandelnden Inhalte ist oft Grundlage dafür, Schülerinnen und Schüler mitzureißen. Auch kann über die Entfernung nicht so spontan, individuell und gezielt auf Probleme reagiert werden. Ansonsten müssen wir aber auch in solchen Ausnahmesituationen einfach flexibel sein und das Beste daraus machen.

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