3 Fragen an Ulrike Mann, Schneiderin aus Leidenschaft

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Interview von Alfred Raths, Januar 6, 2020

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Ulrike Mann betreibt seit 18 Jahren in Eigenregie eine Schneiderei in Großmehring. Die 46-Jährige beschäftigt sich speziell mit allem, was die formvollendete Garderobe der Damenwelt zu bieten hat. Änderungen und Reparaturen in allen textilen Bereichen gehören zu ihrem Tagesgeschäft. Bei ihrer Arbeit legt Ulrike Mann großen Wert darauf, dass die Wünsche ihrer Kunden in kreativer und entspannter Atmosphäre besprochen und dann auch umgesetzt werden. Ihr Kundenstamm reicht von der Hallertau bis in die bayerische Landeshauptstadt hinein. Zwei Mal hat sie übrigens schon das Ingolstädter Christkindl eingekleidet.

1 | hallertau.de: Hallo Frau Mann, gibt es denn überhaupt noch genügend Kundschaft, die sich ein individuell geschneidertes Kleidungsstück leisten will, um eine Schneiderei wie die Ihre rentabel zu betreiben?

Ulrike Mann: Mein Tagesgeschäft sind zwar Änderungen und Reparaturen, aber es gibt immer wieder Frauen, die sich bei mir zeitlose und gerne auch edle Stücke leisten. Sie schätzen dabei meine Arbeit, die wenige Applikationen und eine klare Schnittführung auszeichnet. Dabei darf freilich der Blick auf die Kundin niemals fehlen, der Wunsch ist ja der nach einer individuellen Bekleidung. Die Klientel für diese neu gearbeiteten Stücke ist immer dünner gesät und die Bereitschaft, den angemessenen Preis dafür zu bezahlen, ebenso. Was ich jedoch sehr gut verstehe, wenn man sich die Dumpingpreise der großen Modeketten ansieht.

2 | Ist das Kaufhaus oder der Online-Modehandel dann überhaupt eine Konkurrenz für Sie?

Sicher ist das ein Thema. Aber wenn ein Kunde eine bestimmte Vorstellung von einem Kleidungsstück hat, das es nicht im Einzelhandel gibt, dann kommt er zu mir und es kommt praktisch immer zum Auftrag. Andererseits gibt es mittlerweile immer mehr Designerinnen, die Nähkurse anbieten, um mit diesem Zusatzgeschäft über die Runden zu kommen.

3 | Bemerken Sie etwas davon, dass der jetzt gerade aktuelle Nachhaltigkeitsgedanke auch in der Modebranche eine Veränderung mit sich bringt?

Es tut sich in dieser Hinsicht auf jeden Fall viel in unserer Branche. Einige Hersteller verwenden kein Leder, Fell oder Daunen mehr. Ich finde es zum Beispiel vollkommen in Ordnung, Biobaumwolle zu verwenden. Trotzdem gibt es viele Kunden, die Kunstfaserstoffe bevorzugen, weil sie einfach pflegeleichter sind. Da ist sicherlich in Zukunft noch einiger Spielraum nach oben.

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