3 Fragen an Beate Laux, Projektmanagement Wirtschaftsentwicklung

Michael Urban
Interview von Michael Urban, April 14, 2020

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Beate Laux ist im Projektmanagement Wirtschaftsentwicklung für das Kommunalunternehmen Strukturentwicklung Landkreis Pfaffenhofen a. d. Ilm (kurz: KUS) tätig. Das KUS, welches auch den Bereich Wirtschaftsentwicklung im Landkreis Pfaffenhofen a.d.Ilm vertritt, führt ein ‚LEADER Projekt‘ zur Förderung der Branche Kultur- und Kreativwirtschaft (KuK) durch. Ziel ist der Aufbau eines Kreativ-Netzwerkes, um die Branche intern und extern besser zu vernetzen und mehr kreative Fachkräfte in der Region zu binden.

Die KuK besteht aus Autoren, Filmemachern, Musikern, bildenden und darstellenden Künstlerinnen und Künstlern, Architekten, Designern, Vertretern der Rundfunkwirtschaft und des Buch- und Pressemarktes sowie Entwicklern in der Games und Softwareindustrie. Im Jahr 2018 setzte sie laut dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie rund 168 Millarden Euro in Deutschland um und trug somit 3,0 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Im Vergleich dazu verbuchte die Automobilbranche 2016 einen Anteil von 4,7 Prozent. Die KuK ist also nicht zu unterschätzen, wird aber in der Corona-Krise arg gebeutelt. Wir haben Beate Laux, die im Rahmen des KUS die Entwicklung der KuK vorantreibt, dazu ins Interview geholt.

1 | Hallo ins Home Office, Beate! Inwiefern ist die Corona-Zeit besonders problematisch für die Kultur-/Kreativschaffenden?

Viele der KuK-Teilbereiche sind auf den direkten Kontakt mit Menschen ausgelegt. Dies betrifft besonders die Musiker, darstellende Künstler, bildende Künstler, oder Fotografen, um nur einige zu nennen. Konzerte werden abgesagt, Events verschoben, Ausstellungen können nicht stattfinden, Aufträge werden storniert. Hinzu kommt, dass viele Mitglieder der Branche Solounternehmen tätig sind und ohne entsprechende Rücklagen agieren. Die Corona-Soforthilfe ist nicht darauf ausgerichtet, den ausfallenden Gewinn zu ersetzen, mit dem der Lebensunterhalt bestritten wird. Es kann nicht sein, dass es Soloselbständigen, anders als zum Beispiel Personengesellschaften/GmbH, nicht möglich ist, einen angemessenen Betrag für die Vergütung des Unternehmers als Betriebsausgabe geltend zu machen. Das bedeutet für die Kreativen nur die Möglichkeit der Beantragung der Grundsicherung oder Arbeitslosengeld II. In den Anträgen sollen die Liquiditätsengpässe für drei Monate (März – Mai 2020) angegeben werden. Es gibt aber viele Kreativschaffende, die in diesem Zeitraum noch keine Liquiditätsengpässe haben, da sie noch Einnahmen von abgeschlossenen Projekten/Aufträgen erhalten, die zum Beispiel im Januar stattgefunden haben. Sie wissen aber jetzt schon, dass sie zum Beispiel ab Juni 2020 enorme Liquiditätsengpässe haben werden, da gerade keine Aufträge erfüllt werden können. Der Liquiditätsengpass wird verzögert auftreten.

2 | An der Thematik sollte gefeilt werden. Welche Lösungsansätze gibt es denn derzeit dafür?

Das KUS Pfaffenhofen ist Mitglied des Netzwerkes PCI PROMOTING CREATIVE INDUSTRIES. Hierbei handelt es sich um einen Verbund der Wirtschaftsförderer für die Kultur- und Kreativwirtschaft. Wir stimmen uns wöchentlich über die Situation der Kreativen ab. Basierend auf der Sondersituation der Branche wurden der Bundesregierung Anpassungsvorschläge übermittelt, um das Soforthilfeprogramm auch für Kultur- und Kreativschaffende greifbar zu machen. Zusätzlich haben wir ein Beratungstelefon zur Soforthilfe eingerichtet und sämtliche Informationen für die Branche auf unserer Webseite veröffentlicht: www.kus-pfaffenhofen.de/corona. Nicht zuletzt arbeiten wir an Online-Lösungen, um den Austausch und die Vernetzung der Branche auch in Zeiten von Corona weiterhin zu ermöglichen und aufrechtzuerhalten.

3 | Das bedeutet auch für euch einen ganz schönen Mehraufwand – wie sieht es denn mit deiner persönlichen Motivation aus? Warum liegt dir die KuK so am Herzen und was für Potential siehst du im Landkreis Pfaffenhofen?

Zuerst einmal war der Antrieb ganz privater Natur. Meine Tochter studiert Kommunikationsdesign und über sie durfte ich in die Welt und Denkweise der KuK eintauchen. Mich persönlich begeistert die Kreativität der Mitglieder, welche für mich in allen Teilbereichen spürbar und erlebbar ist. Die Branche ist Vorreiter für neue Wege in technischen und strukturellen Bereichen. Ohne die Kultur- und Kreativwirtschaft wäre unser Alltag nicht denkbar. Design steckt in jedem Alltagsgegenstand, Musik, Buch, Film, Presse, bildende und darstellende Künste sind essentielle Bestandteile des Lebens. Zusätzlich dazu ist die Branche ein nicht unerheblicher Wirtschaftsfaktor, welcher besonders durch die Kleinteiligkeit Sicherheit für Kommunen bietet. Die KuK ist breit aufgestellt, das Gegenteil einer Abhängigkeit von wenigen Großen. Nicht zu unterschätzen ist der Beschäftigungsfaktor. Die Branche bietet eine Vielzahl an Arbeits- und Ausbildungsplätzen im Landkreis. Als Vision könnte ein kreativer ‚Hotspot‘ in Form eines Innovationsquartiers gegründet werden, welches den Nährboden für Gründer und Kleinunternehmer im Landkreis bietet.

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