3 Fragen an Andreas Mayr, Nachhaltiger Schreiner

Michael Urban
Interview von Michael Urban, Oktober 14, 2019

Andreas Mayr ist Geschäftsführer der Schreinerei und Möbelmanufaktur Mayr in dritter Generation. Seit 1952 gibt es den Betrieb in Manching, mittlerweile hat er 35 Mitarbeiter. Die Leistungen der Schreinerei konzentrieren sich auf Möbel und hochwertigen Innenausbau, sowohl für gewerbliche als auch private Kunden. Das können Hoteleinrichtungen, Arztpraxen, Büros, aber auch mal ein maßgefertiger Badschrank oder eine Garderobe sein. Der Großteil der Kunden kommt aus einem Radius von 100km, „der Rest der Kunden kann irgendwo in Europa sein“ (Mayr).

In seinem Betrieb hat Mayr schon viele Ideen zum Thema Nachhaltigkeit ausprobiert, was in der Handwerksbranche nicht unbedingt Standard ist. Wir haben ihn am Unternehmerforum in Schweitenkirchen („Positiver Fußabdruck – Wege zur nachhaltigen Unternehmensführung“) am 10.10.19 getroffen, wo er auch einen Vortrag zur sozialen Dimension der Nachhaltigkeit gehalten hat. Mal witzig, mal selbstkritisch, aber immer mit viel Bezug zur Praxis und Beispielen, wie es mit der erfolgreichen Entwicklung einer Unternehmenskultur klappen kann.

1 | hallertau.de: Servus, Andreas! Die Liste an Maßnahmen, die ihr in eurem Betrieb im Rahmen der sozialen Nachhaltigkeit betreibt, ist beeindruckend. Nenne mir bitte noch einmal deine Top5!

Andreas Mayr: Ganz vorne mit dabei ist unser „Schreinerrat“, ein Mitarbeiterbeirat, den wir auf freiwilliger Basis gegründet haben. Dann gibt es die extrem wichtigen Maßnahmen, die mit der Arbeitssicherheit und dem Gesundheitsschutz zusammenhängen. Es gibt außerdem die Familienfeste, wo wir es uns gut gehen lassen und die Mitarbeiter mit ihren Familienangehörigen miteinbeziehen, das erhöht die Identifikation enorm. Gute Erfahrungen haben wir mit Sponsorings im kulturellen und sportlichen Bereich gemacht. Und der fünfte Punkt betrifft die Auszubildenden, denen wir ein paar besondere Sachen bieten, zum Beispiel einen „Azubi-Day“, an dem die Geschäftsführung etwas mit den Lehrlingen unternimmt, oder die Azubi-Akademie, die das KUS anbietet. Gerade das Sport-Sponsoring finden die Azubis natürlich besonders toll.

2 | „Jetzt kriegen wir die, die wirklich Schreiner werden wollen“ der Satz hat mich umgehauen. Sind das die indirekten Auswirkungen eurer Bemühungen bezüglich der Unternehmenskultur?

Davon bin ich überzeugt. Das hängt damit zusammen, dass wir als Unternehmen versuchen uns attraktiv darzustellen – und zwar nicht nur bei potentiellen Kunden, sondern auch bei potentiellen Mitarbeitern. Das Handwerk ist ja traditionell nicht ganz so attraktiv als Arbeitgeber. Wir konkurrieren mit großen Industriebetrieben und haben früher immer nur das bekommen, was andere übrig gelassen haben, ganz salopp gesagt. Und jetzt kriegen wir seit gut fünf Jahren die, die wirklich Schreiner werden wollen. Das hat aber einige Jahre Vorlauf benötigt.

3 | Wie motivierst du dich, den Spagat zwischen „klaren Ansagen“ und einer ausgeprägten „Diskussionskultur“ immer wieder hinzukriegen? Wie wird es da in Zukunft für euch weitergehen?

Das ist nicht immer ganz einfach, manchmal ist man hin- und hergerissen. Man muss ein gewisses Feingefühl an den Tag legen. Wie heißt es so schön: Zuckerbrot und Peitsche. (lacht) Man muss wissen, wann das Zuckerbrot zur Neige geht. Diese Balance zu finden, ist der Anspruch und die Anforderung. Es motiviert mich, dahingehend meistens den richtigen Weg zu finden. Wenn man allerdings nicht überzeugt von sozialer Nachhaltigkeit ist und nicht dahintersteht, kann man sich den Aufwand sparen. Das funktioniert nur, wenn man authentisch bleibt.

„Jetzt kriegen wir die, die wirklich Schreiner werden wollen.“

Andreas Mayr