4 Fragen an Adolf Schapfl zur Hopfenernte 2020

In dieser Woche dürften die Hopfenpflückmaschinen wieder rattern und der einmalige Duft der Dolden wird sich über die gesamte Hallertau legen. Bis Ende September sind die meisten Gärten dann schon wieder leer.

Simone Huber
Interview von Simone Huber, August 31, 2020

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1 | Hallertau.de: Herr Schapfl, das Hopfenjahr 2020 ist bisher ein spannendes wie problematisches Jahr. Wie fällt der Blick auf die kommende Ernteschätzung aus?

Die Angst vor einem Trockenjahr und einer demnach zu geringen Ernte haben sich letztlich nicht bestätigt. Wir können nun mitteilen, dass die Ernte in diesem Jahr eine Rekordernte in Sachen Anbaufläche darstellt. Bei einer Gesamtfläche (Hallertau) von 17233 ha ergibt sich in diesem Jahr eine Flächenerweiterung um 238 ha! Die ertragsfähige Fläche steigt gegenüber 2019 um 277 ha. Der Alphagehalt ist allerdings besser als im letzten Jahr. Wir rechnen mit einem Gesamtertrag von 41.500 t. Das ist in etwa die gleiche Menge wie letztes Jahr. Trotz der trockenen Witterungsverhältnisse im Frühjahr lassen die ausreichenden Niederschläge und größtenteils gemäßigten Temperaturen eine gute Durchschnittsernte erwarten.

2 | Im Jahr 2019 wurde erstmals in der Hallertau das Citrus Bark Cracking Viroid festgestellt. Ist die Bedrohung für heimische Betriebe nach wie vor real?

Das Viroid konnte letztlich nur punktuell in wenigen Betrieben der Hallertau nachgewiesen werden, als mögliche Verbreitungswege wurden Fechser und gemeinsamer Einsatz von Bodenbearbeitungsgeräten identifiziert. Es gibt Hinweise darauf, dass die Infektionen in diesen Betrieben bereits seit mehreren Jahren bestehen. Um eine Verbreitung vor der unmittelbar bevorstehenden Ernte zu verhindern, wird den Betrieben untersagt, Rebhäcksel außerhalb ihres Betriebs zu verbringen.

3 | Die Frühjahrsarbeiten konnten heuer nur mit tatkräftiger Unterstützung deutscher Aushilfskräfte, v.a. Studenten und Kurzarbeiter bewältigt werden. Wie sieht es nun mit der Einreise ausländischer Saisonarbeiter aus?

Aktuell ist die Einreise aus Polen, Bulgarien und Rumänien über den Landweg möglich. Alle Arbeitskräfte erhalten vor Antritt die Hygieneanweisungen in ihrer Landessprache. Beim Aufenthalt in Deutschland muss der Betriebsleiter sicherstellen, dass Abstand, Belüftung etc. eine Ansteckungsgefahr in jedem Fall verhindern. Wir sind froh, dass es in unserem Landkreis nicht einen einzigen Coronafall gibt! Das soll auch so bleiben. Trotzdem erschweren die verschärften Coronaregeln den Betrieben das Arbeiten. Die oft viel zu kurzfristigen Anordnungen der Ämter sind kaum realisierbar.

4 | Können Sie uns ein Beispiel aus der Praxis geben?

Streitpunkte sind neben der Meldung der Arbeitskräfte 14 Tage im Voraus die Tests. Die geforderten Tests vor Arbeitsaufnahme sind aktuell teilweise nur sehr schwer zu bekommen. Die Landrats bzw. Gesundheitsämter sind überlastet und Testkapazitäten begrenzt. Durch die Sommerferien sind zusätzlich viele Hausärzte im Urlaub und für Testungen nicht erreichbar. Einzige Testzentreten sind überlastet, andere noch nicht aufgebaut. Wir sind enttäuscht von Politik und Ämtern, weil sie mit ihren komplizierten Vorgaben Vieles erschweren.

 

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