4 Standl vom Geisenfelder Christkindlmarkt

Geht man auf einen Weihnachtsmarkt, beginnen unsere Augen zu funkeln und wir freuen uns auf das Fest. Doch wie erlebt ein Budenbetreiber so ein vorweihnachtliches Ereignis? Hier kommt der Perspektivenwechsel.

Portrait von Simone Huber, Dezember 4, 2018

Was gehört zur Vorweihnachtszeit einfach dazu? Lebkuchen essen: Definitiv! Ein Gang auf den Christkindlmarkt: Sowieso! In Geisenfeld haben wir uns am vergangenen Wochenende schlau gemacht und mit ein paar Standlbetreibern geplaudert. Denn sie sind es, die einem solchen Event seine unverwechselbare Handschrift verpassen.

 

Stand 1: Joseph´s Rehragout

Fragt man Josef aus Mainburg nach seinem „wichtigsten“ Produkt, kommt es wie aus der Pistole geschossen: Rehragout! Es hat auf dem Geisenfelder Christkindlmarkt schon Kultstatus. „Viele Besucher freuen sich schon im Vorfeld auf unser frisches Rehragout und kommen nur deswegen. Andere nehmen es sogar mit nach Hause“, sagt er zufrieden.

Wie viel Umsatz musst Du machen, damit die schwarze Null steht? Ich mache das nicht wegen des Gewinns. Mir ist die Qualität des Essens viel wichtiger. Ich möchte nur das verkaufen, was ich auch selbst essen würde.

Wie lange kommst schon du auf den Geisenfelder Christkindlmarkt? Ich bin hier im sechsten Jahr.

Dein Fazit zum Geisenfelder Markt? Die Stadt kümmert sich um alle Belange, z.B. dass die Standbetreiber ihre eigene Hütte bekommen. Alles in allem wirklich top! Deshalb komme ich immer wieder gern als Budenbetreiber nach Geisenfeld.

Portrait 2: Reiberdatschi von der USB

Die USB Geisenfeld (Unabhängigen Sozialen Bürger) gründete sich im Jahr 2007 und ist seitdem fester Bestandteil am Christkindlmarkt. Fiete Berger, Organisationsleiter, kann sich auf sein Team verlassen.

Ihr verkauft? Marmelade, Grillsaucen, Glühwein und Grog sowie Reiberdatschi. Die sind unser Alleinstellungsmarkmal, die gibt es nur bei uns. Legendär sind daneben unsere Bauernwürste mit Sauerkraut. Die Leute können sich außerdem am Glücksrad versuchen, jeder „Dreh“ ist ein Gewinn.

Wie läuft der Umsatz? Super! Wir schustern die Einnahmen aber nicht in die eigene Tasche. Bei uns ist eigentlich nur der Essens- und Getränkeverkauf umsatzgebunden. Der Rest geht 1:1 an einen wohltätigen Zweck, nämlich die Mukoviszidose-Hilfe.

Euer wichtigstes Utensil? Die Glühweintöpfe! Denn kalter Glühwein schmeckt nicht!

Euer Eindruck zum Geisenfelder Christkindlmarkt? Unter den Standbetreibern herrscht ein durchwegs freundschaftliches Verhältnis. Es gibt keine Reibereien. Ein sehr, sehr gemütlicher und kleiner Markt.

Portrait 3: Julia und Franziska von der Jugendfeuerwehr

Seit wann seid ihr dabei? Während die Aktiven ihren Stand schon länger besitzen, ist die Geisenfelder Jugendfeuerwehr in diesem Jahr zum ersten Mal am Start.

Euer Angebot? Kinderpunsch, Cappuccino, heiße Schokolade, Lose für einen Rundflug über Geisenfeld und selbstgemachte Dekorartikel.

Euer Fazit zum Geisenfelder Markt? Top Organisation! Die Stadt macht wie immer alles möglich. Wir sind nächstes Jahr bestimmt wieder dabei.

Könntet ihr eine Sache ändern, was wäre das? Das Wetter. Ein Christkindlmarkt braucht keinen Nieselregen, sondern Schnee!!!

Portrait 4:  Heinz und seine heißen Maroni

Heinz Eisenschenk aus Biburg ist nicht nur Urgestein am Geisenfelder Christkindlmarkt, seine heißen Maroni gehen weg wie warme Semmeln. Sein Mithelfer Adnan betreibt einen arabischen Supermarkt in der Babostraße 20 in Abensberg.

Was verkaufst du: Original tunesisches Olivenöl, Datteln, Süßgebäck und heiße Maroni.

Wenn du eine Sache verbessern könntest, was wäre das? Nicht nur die Stände, auch die Dekoration muss stimmen. Daher könnten die Christbäume zwischen den Buden ruhig etwas vorstelliger und prächtiger sein.

Hier die Antworten zu unserem aktuellen Sonntags-Quiz:

1. Die Rauhnächte waren in früheren Zeiten durchaus von Angst und Schrecken begleitet. Es war die dunkelste Zeit des Jahres und die Menschen haben sich über die Jahrhunderte eine ganze Reihe an Bräuchen, Regeln und Verboten zugelegt, um das Böse abzuwenden und hoffentlich das Glück auf ihre Seite zu ziehen. Man sollte z.B. keine Wäsche waschen oder aufhängen. Ganz besonders weiße Wäsche durfte auf keinen Fall draussen hängen, diese konnte sonst von der „Wilden Jagd“ gestohlen und im Laufe des neuen Jahres zum eigenen Leichentuch werden. Das Kartenspielen war streng verboten. Man soll nicht verreisen, nicht backen, nicht spinnen, nicht putzen und kein Rad durfte sich drehen. Was nicht vor der Wintersonnenwende erledigt war, musste ruhen, bis die Rauhnächte vorüber waren – man war mit den wichtigen Dingen also besser vorher fertig.

Aus dem Bayerischen Wald kommt die Tradition in den Rauhnächten neue Besen anzufertigen. So glaubte man doch, dass die Hexen auf ihren Besen mit der Wilden Jagd durch die Nacht reiten würden. Die regionalen Götter, Geister und Spukgestalten schätzten aber durchaus auch kleine Geschenke und ließen sich durch die eine oder andere Aufmerksamkeiten besänftigen. Besonders süße Speisen standen hierfür hoch im Kurs. In manchen Regionen wurde oder wird all dies noch heute von den Perchten überwacht.

2. Perchten entstammen dem Brauchtum des alpenländischen Raums. Es gibt grob gesagt zwei Gruppen von Perchten, die „Guten“, auch Schönperchten genannt und die „Bösen“, die Schirchperchten. Der Sage nach ist eine ihrer wichtigsten Aufgaben die, am Ende der Rauhnächte mit ihren Glocken den Winter und damit auch die bösen Geister auszutreiben, so dass das neue Jahr beginnen kann. Die Perchten überwachen aber auch während der Rauhnächte die vielen Traditionen und Vorschriften, die zu dieser Zeit eingehalten werden sollen. Hierbei erscheinen einem die Schönperchten nur am Tage und sind als Glücksbringer anzusehen. Die Schirchperchten dagegen treiben nachts in wilden Horden ihr Unwesen.

Bis heute finden in vielen Teilen Bayerns, aber auch in Österreich, Südtirol oder der Schweiz die Perchtenläufe statt, bei denen die Perchten in ihren aufwändigen Kostümen umherziehen, um den Winter auszutreiben, oder vielerorts am Glöcknertag auch auszuläuten. Das Aussehen und die Bräuche im einzelnen sind regional recht unterschiedlich.

3. Die Rauhnächte sind eine Zeit des Innehaltens – eine Zeit, um den Geist schweifen zu lassen. Es gibt viele wunderliche Geschichten darüber, wie einem in dieser besonderen Zeit ein Blick in die Zukunft gewährt werden könne. Eine der bekanntesten ist wohl die von den sprechenden Tieren. Darin heißt es, das in manchen Rauhnächten um Punkt Mitternacht die Tiere über zukünftige Ereignisse sprechen – es muss jedoch sehr gefährlich sein, dies zu belauschen. Auch die eigenen Träume sollen in Rauhnächten eine gewisse Weissagungskraft besitzen. Um zu sehen, ob sie im kommenden Jahr wahr werden, führen einige Menschen während der Rauhnächte sogar ein Traumtagebuch.

Besonders beliebt aber sind Wetterprognosen. Laut einer Bauernregel entsprechen die 12 Rauhnachtstage den 12 Monaten des kommenden Jahres und gewähren somit Einblick in das Wetter des jeweiligen Monats. Es wurden aber zusätzlich noch ausgefallenere Methoden zur Wetterprognose entwickelt. Ein gutes Beispiel dafür ist der Zwiebelkalender, laut Volksglauben funktioniert dieser so: Man schneidet eine Zwiebel in 12 Schälchen auf und gibt jeweils etwas Salz dazu. Auch hier steht jedes Schälchen wieder stellvertretend für einen Monat. Nach einer Weile kann man angeblich anhand der gezogenen Wassermenge in den einzelnen Schälchen die Niederschlagsmenge der jeweiligen Monate ableiten.

4. Eigentlich hat der Krampus nichts mit den Perchten zu tun und bis zur ersten Rauhnacht hat er schon lange Feierabend. Die Ähnlichkeit der Kostüme und des Gemüts von Krampus und Schiachperchten ist mancherorts jedoch so frappierend, dass man sich schon fragt, ob sich da nicht doch irgendeine Verwandtschaft nachweisen lässt. Der Krampus gelegentlich auch Bartl genannt folgt laut bayerischem Brauch dem heiligen Nikolaus nach. Er ist eine Schreckgestalt, ein finsterer Geselle, der die unartigen Kinder bestraft und in manchen Fällen sogar fort trägt, während der Nikolaus die braven Kinder beschenkt.

In vielen bayerischen Dörfern und Städten gibt es heute noch Krampusumzüge, bei denen die Krampusgestalten unter lautem Getöse umherziehen und die Leute erschrecken. Sie schwingen dabei große Weidenruten und sind recht gruselig anzusehen. Dagegen lässt sich die Jugend aber nicht so leicht einschüchtern, beim Kramperltratzn beweisen Kinder und Jugendliche ihren Mut, in dem sie die Krampusse ärgern, ohne sich dann von ihnen erwischen zu lassen. Traditionell erscheinen Krampus und Nikolaus am Vorabend des 6. Dezember, zum Teil sind sie jedoch auch am 6. Dezember noch unterwegs.

5. Die Anzahl der Rauhnächte kann je nach regionalem Brauch zwischen drei und zwölf Nächten liegen. Bei zwölf Nächten rechnet man im allgemeinen vom 25. Dezember bis zum 6. Januar. Die vier wichtigsten Rauhnächte sind jedoch:

20./21. Dezember Thomasnacht (nicht überall als Rauhnacht anerkannt!), kürzester Tag des Jahres

24./25. Dezember (Heiliger Abend, Christnacht, Vigil von Weihnachten)

31. Dezember/1. Januar (Silvester)

5./6. Januar (Vigil von Erscheinung des Herrn)