40 Prozent für die SPD

„Es gibt gute Gründe, sich Zeit zu nehmen, die Ausstellung zu besuchen“, meinte Wolnzachs sozialdemokratische Ortsvereins-Vorsitzende Marianne Strobl zur Eröffnung der Wander-Ausstellung "Friedrich Ebert - vom Arbeiterführer zum Reichspräsidenten".

Bericht von Alfred Raths, November 27, 2018
v.l. Martin Wolf, Andreas Sauer, Stefan Schieren, Marianne Strobl und Markus Käser
Das Leben des Friedrich Ebert

Auf 46 Bannern ist in chronologischer Folge von 1871 bis 1925 das Leben Friedrich Eberts eingebettet in die zeithistorische Text- und Bild-Dokumentation. Konzipiert wurde die Ausstellung im Jahr 2015 von der „Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte“ und tourt seither durch die Lande. Mit Hilfe des SPD-Kreisvorsitzenden Markus Käser ist sie sozusagen punktgenau in Wolnzach eingetroffen. Denn, wie Andreas Sauer in seiner Rede eröffnete, genau am 29. Dezember 1918 sei der Ortsverein im Saal des Gasthauses Stiegler gegründet worden. Bislang konnte nämlich niemand so genau sagen, wann das exakte Gründungsdatum war. Erst die gründliche Recherche des Pfaffenhofener Historikers und Stadtarchivars förderte es zutage.

Die Lebensstationen Eberts werden auf den Bannern anhand von vielfältigem Quellenmaterial wie Fotografien, Briefen, Zeitungen, Urkunden oder auch Plakaten in den Kontext deutscher Geschichte eingebettet. Sauer spannte in seinem Rückblick einen weitgehend regionalen Bogen von der Zeit ab 1870 bis in die Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg. Erste Keimzellen der SPD hätten sich zunächst in den Großstädten gebildet, später dann auch langsam auf dem Land. So geschehen 1874 in Freising und Ingolstadt. Im Jahr 1891 kam die SPD nach einer Zwangspause wegen der sogenannten Sozialistengesetze schließlich auch in den damaligen Bezirk Pfaffenhofen und es wurden entsprechende „arbeiterstärkende“ Flugblätter und Plakate verteilt, die vor der Ausbeutung durch die Unternehmer warnten.

Die SPD in ihren Anfängen

Bezirksamtmann Gottfried Ruhwandl, damaliger Vorgänger vom heutigen Landrat Martin Wolf, wollte etwa einen der ersten Auftritte der Sozialdemokraten verhindern. Um diesen sozialdemokratischen „Agitator“ zu auszubremsen, rief er über den Pfaffenhofener Bürgermeister Ludwig Lechner alle örtlichen Lokalbesitzer dazu auf, ihn bei ihnen nicht auftreten zu lassen. Lediglich der Pfaffelbräu unterschrieb eine entsprechende Verpflichtungserklärung nicht.

„1918 beginnt ein neuer Einschnitt“, so Sauer. In Pfaffenhofen sei am 1. Dezember 1918 der erste SPD-Ortsverein gegründet worden, wenige Wochen später, am 29. Dezember, auch im mit Interessierten vollbesetzten Saal des Wolnzacher Gasthauses Stiegler. „In Wolnzach erreicht 1919 die SPD 30 bis 40 Prozent Stimmenanteile bei den Reichs- und Landtagswahlen, und bei der Gemeindewahl in Wolnzach gibt es dann die ersten drei Markträte aus der SPD.“ Wohnungsnot sei auch damals schon eines der sozialdemokratischen Kernthemen gewesen.

„Es geht um soziale Identität“

Der Eichstätter Politik-Professor Stefan Schieren, selbst Mitglied der SPD, referierte daran anschließend bis hin zu Ereignissen der jüngsten Zeit. „Man kann sicherlich nicht behaupten, dass Sozialdemokraten immer alles richtig gemacht haben, aber ich denke, man kann behaupten, dass Sozialdemokraten schon immer auf der richtigen Seite gestanden haben.“ Insofern brauche man sich nicht erzählen zu lassen, was Patriotismus bedeute. „Warum kommen wir nicht voran?“, so die rhetorische Frage Schierens. Es seien in den letzten Jahren sicherlich einige Fehler gemacht worden und die sozialdemokratischen Parteien europaweit immer noch auf der Suche nach Antworten. „Es geht nicht um Programme, es geht um soziale Identität“, glaubt Schieren.

Passgenaues Jubiläum

Unter den Eröffnungsgästen befand sich neben Pfaffenhofens Bürgermeister Thomas Herker (SPD) auch der Pfaffenhofener Landrat Martin Wolf (CSU), der die Ausstellung in seinem kurzen Grußwort als besonderes Ereignis lobte und die SPD als eine Partei bezeichnete, die die Werte Soziale Gerechtigkeit, Solidarität und Freiheit kennzeichneten und für diese deren Mitglieder von jeher gekämpft hätten. Einige Persönlichkeiten opferten dafür sogar ihr Leben. Die Ausstellung passe hinsichtlich ihres Zeitpunktes „wie die Faust aufs Auge“. Eigentlich habe man fünf Jubiläen, die den Rahmen dafür aufzeigten: „Wir haben die beiden bayerischen – 100 Jahre Freistaat Bayern, 200 Jahre bayerische Verfassung –, außerdem 100 Jahre Ortsverein SPD Wolnzach, 100 Jahre Kreisverband Pfaffenhofener SPD und dann Friedrich Ebert.“

Strobls Schlussworte zur Ausstellungseröffnung waren, auch vor dem Hintergrund des desaströsen Landtags-Wahlergebnisses und des damit verbundene Scheiterns von Käser als Abgeordnetenbewerber, dass es die Hoffnung gebe, „dass keiner von denen, die hier die Arbeit geleistet haben, aufhören, sondern dass sie dableiben und weitermachen.“