5 Fragen an Fritz Winter Junior, genesener Corona-Patient

Fritz Winter ist professioneller Musiker, Posaunist und Mitglied der Dellnhauser Musikanten. Seit 2020 ist er außerdem einer von (stand 27.04.2020) 323 Menschen, die sich im Landkreis Pfaffenhofen mit dem neuartigen Virus Covid-19 infiziert haben. Die Krankheit hat er mittlerweile hinter sich und teilt mit uns nun seine Erfahrungen aus den letzten Wochen.

hallertau.de
Interview von hallertau.de, April 27, 2020

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1 | hallertau.de: Hi Fritz! Erst einmal vielen Dank für deine Bereitschaft, unsere Fragen zu beantworten. Das Thema Corona sucht uns ja seit Wochen im großen Stile heim, aber die wenigsten sind damit persönlich in Berührung gekommen oder trauen sich heikle Fragen zu stellen. Fangen wir doch mal vorne an. Wie war dein Krankheitsverlauf?

Fritz Winter: Ich hatte einen etwas schwereren Verlauf mit Kopfschmerzen und sehr starkem Husten. Außerdem habe ich nichts mehr gerochen, was sich zunächst gar nicht so schlimm anhört. Aber der Geschmack von Essen und der meiner Umgebung – all das war beeinträchtigt. Kurzzeitig hatte ich auch Fieber und tatsächlich muss man sagen: Das mit der Lunge ist nicht zu unterschätzen. Meine Lungenfunktion war so ein bisschen auf Sparflamme, man schnauft nicht mehr so tief ein. Schon schwierig, wenn man es gewohnt ist, ein Musikinstrument zu blasen so wie ich oder Ausdauersport zu machen. Ich hatte aber zum Glück einen super Hausarzt, den Dr. Korzinek, der das wirklich gut gehändelt hat. Und ansonsten kontrolliert das Gesundheitsamt täglich, ob man wirklich daheim bleibt und wie es einem geht. Aber ich bin ja ein junger Mensch (lacht), deswegen hatte ich auch keine größere medizinische Betreuung, außer dass ich, wenn es mit dem Kopfweh mal ganz schlimm war, eine Paracetamol genommen habe.

2 | Hattest du Angst vor einem kritischen Krankheitsverlauf und davor, andere anzustecken? Und wie bist du damit umgegangen?

Angst um mich hatte ich überhaupt keine. Mir ist es nie so schlecht gegangen, dass ich dachte, ich bräuchte künstliche Beatmung oder ähnliches. Natürlich hatte ich trotzdem Angst davor, dass meine Eltern und meine Familie sich anstecken können. Und man überlegt auch: Wen hat man alles getroffen? Ich hab meine Krankheit nach der Diagnose sofort an alle infrage kommenden Personen kommuniziert, nicht nur die ganz engen, sondern auch die, die ich vorher schon getroffen hatte – zum Glück blieb ich aber der einzige Infizierte.

3 | Wie sind die Menschen mit der Situation umgegangen? Fühltest du dich eher ausgegrenzt und stigmatisiert oder professionell und emotional gut versorgt?

Da war wirklich alles mit dabei: Unwissenheit, Dummheit, Angst aber auch viel Verständnis. Manche haben gesagt: „Och, ich hätte es auch gern! Kann ich kommen? Ich würde mich gern anstecken lassen, denn ich hätte jetzt gerade Zeit für Corona.“ Emotional war ich mit meiner Frau sehr gut versorgt – es heißt ja nicht umsonst „in guten wie in schlechten Zeiten“. Sie hat sich super um mich gekümmert. Und auch wenn es mir schlecht ging, ich hab jeden Abend ein Weißbier oder einen Schnaps getrunken. Vielleicht hat das auch was geholfen.

4 | War dir während der Quarantäne langweilig? Wie bist du ohne großen sozialen Kontakt klargekommen und wie hast du dir die Zeit vertrieben?

Da muss ich jetzt ein bisschen lachen. Mir ist in meinem ganzen Leben noch nie langweilig gewesen. Auch in der Zeit, in der es mir schlecht ging, habe ich immer ein paar Stunden was gemacht. Ich hab immer ein bisschen Posaune gespielt, damit es nicht ganz so schlimm wird, wenn man wieder anfängt. Dann hab ich im Rahmen meiner Krankheit mit zwei Mützen und Maske heimlich mein Haus runter gestrichen. Ich bin so ein Mensch, der einfach nicht still sitzen kann. Aber ich habe auch so viel geschlafen, wie in meinem ganzen Leben noch nicht. Soziale Kontakte hatte ich mit meiner Frau und meinen Kindern, die auch in Quarantäne waren – und die können jetzt endlich watten und rudimentär Schafkopfen. Und das werden wir auch weiter ausbauen.

5 | Hat diese Krankheit deine Perspektive auf das Leben, die Gesundheit und die Gesellschaft verändert? Wenn ja, inwiefern? Wie kannst du den Personen im Umgang mit dieser Krankheit Mut machen?

Gute Frage. Ich glaube, dass die Verhaltensmuster der Menschen relativ festgefahren sind. Ich versuche, dem Leben jetzt einen neuen Sinn zu geben und alles ein bisschen entspannter zu sehen und vielleicht einen etwas anderen Schwerpunkt zu setzen. Als Musiker verdiene ich jetzt deutlich weniger. Und man muss trotzdem positiv bleiben. Ich kann allen nur Mut machen: So schlimm war die Krankheit am Ende nun auch nicht.

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