5 Lichtblicke in Zeiten des Coronavirus

Lisa Schwarzmüller
Feature von Lisa Schwarzmüller, März 13, 2020

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Derzeit findet Google rund 297.000.000 Einträge, wenn man den Suchbegriff „Nachrichten zum Coronavirus“ in die Suchleiste eingibt. Diese Zahl ist riesengroß und unvorstellbar, fast wie das Fragezeichen, das über unser aller Köpfe schwebt. Die Angst vor dem Ungewissen streift umher – kein Wunder. Je mehr wir mit immer neuen Meldungen konfrontiert werden, desto größer wird das Thema in unseren Köpfen. Es liegt evolutionär gesehen in uns, dass wir die Welt in Gefährdungsmuster einordnen. In Zeiten von Push-Nachrichten und sozialen Medien kann das schon mal überwältigend sein. Dabei lehrt uns diese Pandemie auch Positives – oder wie der Bayer sagen würde: „Es gibt nix Schlecht’s, wo’s ned a wos Guad’s gibt.“

Ganz im Sinne des konstruktiven Journalismus, den wir uns bei hallertau.de auf die Fahne geschrieben haben, kommen hier fünf positive Entwicklungen, denen wir neben all den negativen Nachrichten ein wenig Beachtung schenken sollten.

1 | Unsere Gesellschaft hält zusammen

Klar, wir alle haben in den vergangenen Tagen des Öfteren Mal mit dem Finger auf andere gezeigt. Da waren die Hamsterkäufer, die Panikmacher, die Freizeit-Virologen und Hobby-Statistiker. Es ist einfach, über andere zu schimpfen und sich lustig zu machen. Umso schöner, dass sich gerade in den sozialen Netzwerken auch in und um die Hallertau einiges tut, was von Nächstenliebe und einem gesellschaftlichen Miteinander statt einem Gegeneinander zeugt. Da wäre zum Beispiel die Facebook-Gruppe „Corona Virus Ingolstadt“, in der sich engagierte Menschen Gedanken über die Versorgung von älteren Mitmenschen machen. Immer wieder stellen in örtlich organisierten Gruppen wie „Landshut“ User Angebote für Kinderbetreuung und Einkaufdienste ein.. Vereine wie die Judoabteilung des FC Schweitenkirchen kümmern sich trotz ausfallendem Trainingsbetrieb um ihre Mitglieder. All das zeigt: Physisch müssen wir zwar in den kommenden Wochen auseinanderrücken. Dafür kommen wir uns vielleicht gedanklich wieder ein bisschen näher.

2 | Öffentliche Einrichtungen beweisen Krisenmanagement

Gedanklich hat sich vor allem in den vergangenen 48 Stunden die Lage dramatisch zugespitzt. Veranstaltungen werden reihenweise abgesagt und verschoben, so auch das Stromaufwärts Gründerfestival, Events des kelten römer museums, Konzerte von Incontri oder der Landshuter Nachtflohmarkt. Schulen setzen ihren Betrieb vorerst bis Ostern aus, Kindertagesstätten werden mit einem Betretungsverbot belegt. Das hört sich alles erstmal schlimm an, beweist aber nur, dass sinnvolle und notwendige Schritte unternommen werden, um die Ausbreitung des Virus abzuschwächen. Unsere öffentlichen Träger und Einrichtungen waren dabei nicht untätig. So informiert das Landratsamt Pfaffenhofen mehrmals täglich über den derzeitigen Stand der Dinge. Die Kassenärztliche Vereinigung richtete einen eigenen Fahrdienst für Betroffene ein. Der Markt Wolnzach unterhält eine Hotline, über die Menschen um Hilfe bitten oder sie anbieten können. Betroffene stehen unter strenger Beobachtung durch das Gesundheitsamt. Und das sind nur wenige Beispiele von vielen Schritten, die in den vergangenen Tagen unternommen wurden.

3| Eine Chance zu entschleunigen

Freizeitstress hört sich lustig an, ist aber kein Spaß. Wie aus einer repräsentativen Studie der Stiftung Zukunftsfragen aus dem Jahr 2019 hervor geht, halsen sich 58 Prozent der Befragten in der Freizeit zu viel auf. Betroffen sind davon insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene, die von einer Aktivität zur nächsten springen. „Rein wissenschaftlich betrachtet ist das eine Katastrophe. Wir wollen uns mit Dingen beschäftigen, faulenzen, Freunde treffen (…) – aber wir schaffen es nicht, weil wir Angst haben, etwas zu verpassen oder die falschen Entscheidungen zu treffen“, sagte Ulrich Reinhardt, wissenschaftlicher Leiter der Studie kurz nach ihrer Veröffentlichung gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Die negativen Auswirkungen kennen wir alle: Nichts macht man so richtig, für alles gibt es eine Deadline und ein Zeitlimit. Warum also die selbstauferlegte Quarantäne nicht mal nutzen, um unserer Freizeit ein bisschen mehr freie Zeit zurückzugeben?

4 | Die Digitalisierung mal richtig ausnutzen

Digitalisierung – des einen Fluch ist des anderen Segen. Je mehr die technische Entwicklung wuchs, desto mehr wuchsen auch die Bedenken ob der sozialen und ökologischen Auswirkungen von ständiger Erreichbarkeit und Over-Night-Express-Lieferung. Zumindest unsere Vernetzung dürfte sich gerade in der derzeitigen Corona-Krise als Glücksfall erweisen. Die Infrastruktur, die Arbeit auch von zuhause aus erledigen zu können oder soziale Kontakte auch ohne physische Nähe aufrechtzuerhalten, ist nämlich schon lange da. Jetzt müssen wir sie nur noch sinnvoll für uns nutzen. Und wer weiß, vielleicht erweist sich die nun erzwungene Digitalisierung für das eine oder andere Business sogar als vorteilhaft.

5 | Die Umwelt atmet auf

Diese Meldung ging neben den vielen Negativschlagzeilen fast unter: Die Smog-Wolke, die schon fast zum normalen Bild chinesischer Metropolen gehörte, war fast verschwunden. Satellitenbilder der Nasa zeigten, dass die Luftverschmutzung über dem Land drastisch gesunken war. Staatlich angeordnete Fahr- und Reiseverbote hatten der Umwelt ein unerwartetes Aufatmen verschafft. Doch das gilt nicht nur für die Natur: Rund 6.000 vorzeitige Todesfälle aufgrund von einer zu hohen Stickstoffdioxidkonzentratrion gab es allein 2014 in Deutschland. Auch hier sind die Ausdünstungen von Industrie- und Verbrennungsmotoren eine reale Gefahr, die man gerne vergisst. Wenn dank Home-Office und abgesagten Veranstaltungen das Auto in der Garage stehen bleiben muss, kann das für uns alle ein paar gesündere Atemzüge bedeuten.

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