Auf der Global Hops Summit mit Willy Buholzer

Schon mal Spaten, Franziskaner oder Löwenbräu getrunken? Oder ein Diebels? Oder ein Hasseröder? Dieser Mann hat sich um den Hopfenduft in ihrem Glas gekümmert.

Lisa Schwarzmüller
Interview von Lisa Schwarzmüller, September 3, 2018

Einmal im Jahr treffen sie sich: die Hopfenexperten, die viel wichtiger für den täglichen Genuss im Bierglas sind, als man denkt.  Egal, ob es um die „Feierabend-Hoibe“ geht oder die Mass im Bierzelt. Zum 6. Mal fand der Global Hops Summit von Anheuser Busch ImBev statt – dieses Mal auf der Buschfarm in Wolnzach. Wir haben uns mit Dr. Willy Buholzer über seine Hopfenleidenschaften und die Versammlung unterhalten. Ein Interview über den globalen Hopfeneinkauf, giftige Beeren und Buholzers Traum.

Hallertau.de: Mal eine generelle Frage für Menschen, die das Thema Hopfen gar nicht so auf dem Schirm haben: Warum ist Bier und Hopfen so wichtig?

Willy Buholzer: Für mich ist Bier ein Kulturgut! Trinken Sie kein Bier?

Schon, ehrlich gesagt habe ich es für mich selbst noch nicht als Kultur begriffen.

Ich trinke praktisch jeden Abend ein bis zwei Bier, am Wochenende auch mal mehr. Für mich gehört das zur Lebensfreude und zum Genuss dazu. Und es ist ein gesundes Genussmittel! Der Alkoholgehalt ist sehr niedrig – man trinkt praktisch zu 96 Prozent Wasser und es hat viele tolle Inhaltsstoffe und Vitamine! Früher hat man ja viel experimentiert, vor dem Reinheitsgebot hat man alles Mögliche ins Bier gemischt, wie Kräuter, Wurzeln, teilweise sogar giftige Beeren!

Ach Schmarrn, giftige Beeren?

Da kam es zu Vergiftungen, ja! Bis man den Hopfen gefunden hat – er hat das Bier stabilisiert und haltbar gemacht. Später hat man angefangen, die Aromen und Bittere zu schätzen, die der Hopfen beitrug. Und wenn Bier wichtig ist, dann ist auch Hopfen wichtig, denn ohne Hopfen gibt es kein Bier.

Man hat es von vielen Pflanzern und Brauern schon gehört: Dieses Jahr war ein sehr außergewöhnliches Hopfenjahr. Warum?

Ich mache das jetzt schon seit 30 Jahren – lustiger weise ist jedes Jahr außergewöhnlich. 2018 war aber wirklich sehr speziell. Bis Mitte Juli hat es hervorragend ausgesehen. Wir hatten genügend Wasser und genügend Sonne, der Hopfen ist super gewachsen, fast schon zu schnell. Danach kam die große Trockenheit und Hitze. Aber so hoch wie er wächst, so tief gehen zum Glück auch seine Wurzeln in den Boden – fast sieben Meter! Da unten gab es schon noch Wasser, sodass der Hopfen weniger gelitten hat als z.B das Getreide. Die Schätzungen sind deswegen nicht katastrophal – aber schon unter einer Durchschnittsernte. Die späten Sorten, wie der Herkules, könnten sich durch die Regenfälle der letzten Tage auch nochmal stabilisiert haben. Das bleibt also nochmal spannend.

Sie sind ein echter Experte und haben schon seit ihrer Kindheit mit dem Hopfen zu tun. Wie kam’s?

Mein Vater hat schon 40 Jahre lang für Anheuser-Busch Hopfen gekauft. Ich wollte immer mitfahren, wenn er Hopfenpflanzer oder -händler besucht hat. Dann hab ich Wirtschaft studiert und in den Sommerferien in den verschiedenen Hopfenanbaugebieten der Welt gearbeitet mit dem Ziel, irgendwann den Job meines Vaters zu übernehmen. Und das hat glücklicherweise geklappt.

Wie muss man sich ihre Arbeit bei AB InBev vorstellen?

AB InBev ist ein riesiger Weltkonzern mit fast 600 Millionen Hektolitern Produktion – fast jedes dritte Bier, das getrunken wird, kommt aus unserem Haus. Ich decke ziemlich das gesamte Hopfenspektrum ab: Ich bin für den weltweiten Hopfeneinkauf von A-B InBev zuständig. Zudem für unsere eigenen Hopfenfarmen: Eine in der Hallertau, eine ganz große in den USA, eine in Argentinien und eine in Südafrika. Außerdem darf ich mit den verschiedenen staatlichen und privaten Forschungs- und Entwicklungsprogrammen auf der ganzen Welt zusammenarbeiten, wobei unsere enge Zusammenarbeit mit dem Hopfenforschungsinstitut in Hüll einen ganz hohen Stellenwert hat.

Was hat es mit der Global Hops Summit auf sich?

Unser jährliche Global Hop Network Summit findet jetzt schon zum sechsten mal statt. Es gibt nicht viele Hopfenexperten auf der Welt, deswegen versuchen wir sie einmal im Jahr zusammenzubringen. Das Ganze hat 2013 mit 10 Leuten angefangen. Weil die Firma so gewachsen ist, und die Bedeutung des Hopfens auch immer größer geworden ist, sind es auch mehr Hopfenexperten geworden. Dieses Jahr sind wir fast 50 Leute aus der ganzen Welt: Braumeister, Techniker, Leute aus dem Einkauf. Alle Kontinente sind diese Woche in Hüll vertreten.

Man merkt, sie haben sich dem Hopfen mit sehr viel Herzblut verschrieben und viel erreicht. Haben sie trotzdem noch einen Traum, etwas, dass sie noch gerne erreichen würden?

Ich lebe meinen Traum, anders kann ich das wirklich nicht sagen! Ich wollte das als Kind schon machen und ich liebe es bis heute.

Eine wunderschöne Zen-Antwort für den Schluss! Vielen Dank!

Das Interview wurde bezüglich Länge und Lesbarkeit redigiert.