Aufs Pony gekommen – da bleibt keine Zeit für andere Hobbys

Auf reiterlicher Erfolgsspur ist der 14-jährige Moritz Burger aus Wolnzach. Kürzlich trat er für den Pferdesportverein Wolnzach beim 26. Bundeschampionat der Deutschen Reiterlichen Vereinigung im Bundesstützpunkt Warendorf mit seinem Pony Datham an.

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Interview von Alfred Raths, Oktober 10, 2019

Der Neuntklässler aus dem Hallertau-Gymnasium, dessen Mutter ebenfalls begeisterte Reiterin ist, qualifizierte sich in seiner Kategorie als einziger Reiter aus Bayern. Es wurde um insgesamt 19 Bundeschampionatstiteln gekämpft. Hunderte Zuschauer bewunderten Moritz und das fünfjährige Dressurpony an den zwei Prüfungstagen der Dressurponyprüfung Klasse A. Beim Bundeschampionat werden die Topnachwuchspferde und -ponys aus deutscher Zucht in den Disziplinen Dressur, Springen und Vielseitigkeit in vier Altersklassen gekürt. Moritz ist außerdem Mitglied der Förderstufe „Pony Dressur“ des Pferdesportverbands Oberbayern.

Hallertau de: Hallo Moritz, wie war es in Warendorf für Dich und Datham?

Die lange Fahrt von mehr als 600 Kilometern war sehr anstrengend, und die vier Turniertage am Stück auch. Dazu kommt, dass die vielen Zuschauer und die beeindruckende Atmosphäre mich und auch Datham ganz schön nervös machten. Für mich war es ein unvergessliches Erlebnis, bei so einem großen Turnier mit wahnsinnig tollen Pferden teilnehmen zu dürfen.

Wann hast Du eigentlich das erste Mal ein Pony geritten und seit wann betreibst Du Pony-Turniersport?

Mit sechs Jahren bin ich erstmals zum Spaß auf einem Shetland-Pony geritten. Danach machte ich fast täglich Ausritte zusammen mit meiner Mama. Obwohl ich oft von unserem Pony Melissa gefallen war, ließ ich mich nicht entmutigen. Gott sei Dank ist das alles ohne Verletzungen abgegangen. Turniersport betreibe ich seit meinem achten Lebensjahr. Meinen ersten Turnierstart hatte ich in Euernbach mit der Deutschen Reitponystute Lady von Familie Linner aus Wolnzach. Als Zehnjähriger habe ich ein eigenes Pony bekommen. Den damals fünfjährigen Ponyhengst Concord. Im letzten Jahr kam Datham zu uns. Mit ihm habe ich heuer in Nördlingen beim Qualifikationsturnier für das Bundeschampionat beide Qualifikationsprüfungen gewonnen in der Dressurponyprüfung Klasse A und L.

Und was bedeutet es, in der Förderstufe „Pony Dressur“ zu sein?

Die Förderstufe ist die Vorstufe zum Oberbayernkader. mit Lehrgangsstunden und der Möglichkeit, für die Mannschaft Oberbayern reiten zu dürfen. In den Kader beziehungsweise die Förderstufe wird man aufgrund besonderer Leistungen und Erfolge berufen. Ein besonderes Ereignis des Jahres ist das Landesponyturnier, bei dem alle bayerischen Regionalverbände ihre Mannschaften stellen. Es ist jedes Jahr ein tolles Erlebnis für mich und mit viel Spaß verbunden, mit meinen Reiterfreunden aus Oberbayern gemeinsam anzutreten.

Ist denn ein Pony leichter zu reiten als ein Pferd?

Wie schwer oder leicht ein Pony bzw. Pferd zu reiten ist, hängt von ganz vielen Faktoren ab. Besonders wichtig ist der Charakter des Tieres. Ein Pferd hat natürlich meist mehr Raumgriff, ist mächtiger und schwungvoller.

Kann man Ponys auch als Erwachsener reiten, oder, anders gefragt, wie schwer darf man maximal sein um es nicht zu belasten?

Auch diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Die Größen- und Gewichtsverhältnisse müssen natürlich stimmen. Ponys gibt es ja von etwa 80 Zentimetern Schulterhöhe bis zu 1,48 Metern. Selbstverständlich hat ein Erwachsener auf einem Shetlandpony nichts verloren, auf einem gut bemuskeltem Endmaßpony mit 1,48 Metern kann ein kleinerer, schlanker Erwachsender jedoch ohne weiteres reiten.

Wo reitest Du rund um Wolnzach mit Vorliebe aus?

Am Hopfenlehrpfad könnte man zwar ganz gut reiten, aber wir wohnen am anderen Ende des Ortes. Wir sind auch schon im Höger Forst und in Königsfeld an der Ilm geritten, hier ist es wundervoll. Eine bevorzugte Lieblingsstrecke habe ich nicht. Rund um Wolnzach gibt es wenig guten Ausreitwege, da häufig Straßen zu überqueren sind. Mein tägliches Training findet sowieso überwiegend auf dem Reitplatz statt.

Wie kann man sich Deine Woche mit Datham vorstellen?

Ich bin jeden Tag so etwa bis zu drei Stunden bei meinem Pony. Da Datham in einem Selbstversorgerstall ist, steht neben dem Reiten natürlich Füttern, Misten und Pferdepflege auf dem Programm. Training ist etwa fünf Mal in der Woche angesagt. Wichtig ist aber auch das Putzen und Striegeln. Damit Datham nicht langweilig wird, machen wir zusammen ab und zu auch Ballspiele mit dem Gymnastikball. Ansonsten geht Datham ganzjährig je nach Witterung mehrere Stunden auf die Koppel.

Mit Pferden aufgewachsen: Moritz stand durch seine Mama schon früh mit den Tieren in Kontakt.

Bleibt Dir überhaupt noch Zeit für andere Hobbys?

Nein, nicht wirklich. Um meine Freunde zu treffen, finde ich aber eigentlich immer genug Zeit, da mir das sehr wichtig ist.

Und wie schaut es mit der Schule aus?

Tja, ein Einserschüler bin ich nicht, eher im Mittelfeld unterwegs. Lernen ist meistens am Abend angesagt.

Was bedeutet eigentlich der Name Deines Ponys?

So genau weiß das niemand. Es ist jedenfalls so, dass mit Anfangsbuchstaben von Dathams Vater „Daddy cool“ immer auch der Name des Sohnes beginnen muss. Da Datham’s Züchter aus Niedersachsen seinen indischen Pfarrer „Datham“ sehr mochte, hat er mein Pony diesen ungewöhnlichen Namen gegeben.

Hast Du Dir für die kommenden Jahre noch Ziele im Ponysport gesetzt?

Jetzt ist erstmal für drei Monate Turnierpause. Für das kommende Jahr haben Datham und ich geplant, in der höchsten Ponyklasse, „FEI“ zu starten. Für Datham und mich heißt es, über den Winter fleißig zu trainieren und die knappe Zeit zu nutzen. Die nächste Sichtung ist dann im Februar. Dann entscheidet der Kadertrainer Oberbayern über die neue Zusammensetzung der Förderstufe und des Kaders. Im Juli bin ich mit Datham wieder in Nördlingen und hoffe, dass ich mich wieder, dann um eine Schwierigkeitsklasse höher, die sich Dressurpony L für Sechsjährige nennt, für’s Bundeschampionat in Warendorf qualifiziere. Das Wichtigste ist mir jedoch, dass mein Pony gesund bleibt und wir beide weiterhin viel Spaß zusammen haben.