Guad G’laffa #4: „Beim Laufen lass ich mich einfach mal am Arsch lecken.“

Lisa Schwarzmüller
Interview von Lisa Schwarzmüller, August 17, 2019

Marco Hofmeister will eigentlich lieber „Muggi“ genannt werden und sagt die Dinge, wie sie sind. Wenn er läuft, dröhnen „Old-School-Dance und härtester Gangster Shit gemixt mit Elektro-Mukke“ durch die obligatorischen Kopfhörer. Außerdem behauptet der passionierte Basketballspieler, er hätte nie einen inneren Schweinehund gehabt, selbst als er noch fast 200 Kilo gewogen hat. Deswegen hat er vor ein paar Jahren einfach 84 Kilo abgenommen – kein großes Ding, wenn es nach dem Power Forward der Wolnzacher Basketballer geht. Muggi ist eben ein echter Macher, seine Einstellung zum Leben genauso trocken wie treffend. Und das ist wahrscheinlich genau der Grund, warum er besten Stoff für das wohl ehrlichste Sport-Interview aller Zeiten liefert. Wir haben Muggi ein paar Meter auf seiner Lieblingslaufstrecke begleitet und gefragt: Warum tut sich ein 1,95-Meter-Mann wie er einen Sport wie Laufen an?

hallertau.de: Okay, Muggi. Wie bist du eigentlich zum Laufen gekommen?

Ich bin früher ab und zu zwischen den Basketball-Saisons gelaufen, um fit zu bleiben. Mit meinem Bruder bin ich aber 2018 meinen ersten Lauf10! gelaufen.

Welche Art von Strecke läufst du denn am liebsten?

Bei mir ist die optimale Intensität so auf sieben Kilometer und die dafür etwas flinker, bergig und vor allem ruhig.

Warum das?

Ich hab in der Arbeit viel um die Ohren. Und da bin ich froh, wenn ich mal niemanden um mich rum habe. Da reichen mir Feldwege, Hauptsache es ist ein bisschen anspruchsvoll. Das ist am Anfang scheiße und ich hab keinen Bock drauf, aber danach weiß ich wenigstens, dass ich was gemacht habe, weil ich so am Arsch bin.

Wäre ein anderer Lauf wie der Lauf10! für dich mal eine Option?

Ne, eigentlich nicht. Der Lauf10! ist in Wolnzach und die Ziellinie ist direkt vor meiner Haustür. Und man kennt viele Leute, man kennt die Strecke. Man muss nicht weit weg. Das mag ich zum Beispiel überhaupt nicht – fürs Laufen erstmal wohin fahren. Ich seh’s nicht ein, dass ich mich in mein Auto setz, irgendwelche Schadstoffe rausschieß, nur damit ich dann da laufen kann.

Hast du irgendwelche Tipps für Laufanfänger? Wie überlistet man seinen inneren Schweinehund am besten?

Schwierig. Um den Schweinehund zu überlisten, gibt es keine Tipps. Ich persönlich mache mir immer folgende Gedanken: was mach ich sonst? Wenn ich jetzt Montagabend nichts zu tun habe, könnte ich mich mit Netflix und Junkfood auf die Couch setzen. Stattdessen könnte ich auch schnell eine halbe Stunde laufen gehen. Danach fühlt man sich wenigstens besser. Wenn man die Leute mit dem Argument nicht überzeugen kann, dann kann man ihnen eigentlich auch nicht helfen.

Du hast 84 Kilo abgenommen – warst du damals schon laufen?

Ab und zu mal. Aber das war mit 194 Kilo. Ich war extrem fett. Das ging halt nicht so. Das war auch so ein Thema, damals dacht ich mir: Wär doch ganz witzig abzunehmen, und als finalen Move lauf ich mal einen Lauf10! mit, um mir zu beweisen, was ich dann kann.

2018 hast du dich mit deinem ersten Lauf10! belohnt. Wie wichtig war dir damals deine Zeit?  

War mir total Wurscht. Ich wollte einfach nur durchhalten. 2019 wollt ich unter einer Stunde laufen – klar, das ist auf die Strecke nicht die schnellste Zeit. Ich bin kein schneller Läufer, das ist einfach Fakt. Ich bin so ein kleines Schweinchen und lauf so dahin. Aber ich halt durch.

Hast du dir überlegt, ob du dir mal einen Trainer dafür nimmst?

Ne, warum auch? Ich mach das, um abzuschalten. Klar, ich könnte meine Technik noch perfektionieren. Aber darum geht’s mir überhaupt nicht. Deswegen lauf ich auch mit Kopfhörern. Krass, gesagt: Beim Laufen lass ich mich einfach mal am Arsch lecken.

Was hörst du dann genau?

Geht bei mir querbeet, das sind Tracks, die ich einfach selber feiere. Dann gibt es wieder Lieder, die ich nur beim Laufen höre. Das sind so „Motivational Songs“, wo einer einfach nur die ganze Zeit irgendeinen Schmarrn  brüllt. Oder die Rede von Silvester Stallone von Rocky 4. Und die Theme von Rocky. Da kommt auch nochmal die achte Luft. Das hört sich vielleicht kindisch an, aber das brauch ich. Die brüllen einem dann so geile Sachen ins Ohr: „Jetzt tut’s eh schon weh, jetzt kannst du die letzten Meter auch noch durchhalten.“ Stimmt halt dann auch.