Magisches Humulus Lupulus

Im besinnlichen Scheyern ist aus einem kleinen Fest in einem bezaubernden Obsthain ein Festival gewachsen. Das bricht mit allen Klischees, die man über die Bayern zu kennen glaubt.

Bericht von Lisa Schwarzmüller, August 6, 2018

Hochdruckgebiet Johannes gibt alles und die Welt dreht sich aufgrund der Hitze ein paar Grad langsamer. Auch in dem kleinen Obstwäldchen nahe Scheyern ist es so, als hätte Johannes auf den Zeitlupenknopf gedrückt, zumindest für diesen einen Nachmittag. Das Festival Humulus Lupulus ist ein wohlgehütetes Geheimnis in der sonst so traditionellen Hallertau. Im „Zaubergarten“ treffen sich für ein Wochenende lang Musikenthusiasten, die schon rein optisch nichts mit dem bayerischen Klischee zu tun haben, das man den Menschen südlich des Weißwurstäquators so gerne verpasst.

Es ist Nachmittag. Zwischen den Apfelbäumen genießt ein Pärchen die gechillte Atmosphäre in einer Hängematte. Kinder lassen sich begeistert schminken, ein Hund kuschelt sich an sein Herrchen, der gerade ein Nickerchen in der Sonne macht. Eva steht hinter der Bar und schenkt Limonade aus. Die ist selbstgemacht, mit viel Eiswürfeln und einer großen Portion Vitamin C. „Damit die Leute ihre Kraftreserven wieder auffüllen, nach so einer durchtanzten Nacht“, erklärt sie. Eva ist seit 15 Jahren im Organisationsteam dabei, auch ihre erwachsene Tochter ist mit von der Partie. Humulus Lupulus, das heißt eigentlich „Echter Hopfen“. In Scheyern bei der „oid‘n Hehnafarm“ heißt das Familie und Freunde.

„Wenn sich irgendjemand von euch angesprochen fühlt, wir bräuchten noch eine E-Gitarre zum Jammen. Kommt doch einfach hoch“, tönt es aus den Lautsprecherboxen. Ein paar Jungs lassen Schlagzeug, Bass und Mikrofon erklingen, wo ein paar Stunden später die Jazzrausch Bigband den Boden und ihr Publikum zum Beben bringen wird. Die Vier sind ganz normale Festivalbesucher. „Das ist bei uns ganz normal, dass man am Nachmittag auch selber auf die Bühne geht“, erklärt Herbert. Auch er organisiert jedes Jahr mit. Er liebt sein Festival, und zwar genau so, wie es ist. Für jeden Musikgeschmack soll was dabei sein: Wunderbarer Hip Hop von Yasmo und die Klangkantine, ein bisschen Skandal und Anti von Referend Beatman, ganz gediegene Stimmung mit Brennenstuhl.

Aus einer Ecke dröhnt lautes Lachen. Das Puppentheater hat angefangen. Vor der Kasperl-Bühne verfolgen nicht nur Kinder die Abenteuer der kleinen Handpuppe, auch Erwachsene wischen sich die Tränen aus den Augen, als das Krokodil die Szenerie unsicher macht. Ein paar Meter weiter lässt sich ein Pärchen trauen. Instant-Wedding nennt man das, eine Festival Ehe für Kurzentschlossene. Solange das Humulus Lupulus dauert, sind sie Mann und Frau. Sie besiegeln den Bund mit einem Band, auf einer Urkunde tragen sie ein, was sie sich gegenseitig versprechen. Es sind diese Kleinigkeiten, die die Besucher des Festivals Jahr für Jahr wieder verzaubern. Das Humulus Lupulus ist eine kleine, alternative Welt zwischen Volksfestzelten und Starkbierfesten. Bayern kann eben auch ganz anders.