Brauen wie ein Boss

Rock 'n' Roll und Bierbrauen? Hell, yeah! BossHoss-Schlagzeuger und Hobby-Brauer Ansgar Freyberg zu Besuch im Hopfenland Hallertau.

Interview von Michael Urban, September 18, 2018

Ansgar Freyberg ist unter die Brauer gegangen. Der Drummer der Rock-/Country-Band „The BossHoss“ reiste mit einigen Mitgliedern des „Braufreunde Berlin e.V.“ in die Hallertau, um seinen Hopfen-Horizont zu erweitern und entpuppte sich als wahrer Enthusiast. Wir haben ihn am 17.9. beim Hopfenschnuppern in der Geschäftsstelle der IGN Hopfenvermarktungs- und Vertriebs-GmbH in Niederlauterbach getroffen. Wie der „Back-to-the-Roots-Ansatz“ von IGN-Geschäftsführer Mario Scholz bei ihm ankam, wie man in einer Berliner Wohnung Bier braut und ob sich Show-Biz und Bierherstellung vereinen lassen, erfahrt ihr hier.

Hallertau.de: Ansgar, wie kommt man vom Schlagzeug spielen zum Bierbrauen?

Ansgar Freyberg: Das war eigentlich eine „Schnapsidee“… (lacht) So wie die Band aus einer Schnapsidee entstanden ist, ist das Bierbrauen aus einer „Bieridee“ entstanden. Aber Spaß beiseite. Nach 14 Jahren Durchtouren und fast jährlichen Alben haben wir vor zwei Jahren eine größere, strategische Pause eingelegt. Dann saß ich da und hatte nichts zu tun. (schmunzelt) Dann fängt man systematisch zu überlegen an, was man machen könnte.

Und dann… braut man einfach?

Das Brauen war eine gute Wahl, weil viele bewußte Entscheidungen getroffen werden müssen und das Ganze schon eine komplexe Sache ist. Das ist wie beim Kochen, da kommt alles zusammen: man hat mit Rohstoffen zu tun, mit Natur, mit Handwerk und mit Maschinen. Außerdem braucht man Zeit dafür und deswegen macht es auch nicht jeder. Ich hatte die Zeit und habe dann mit einem Brauseminar angefangen. Das hat mich überwältigt und immer mehr gereizt, so dass ich mir Brau-Equipment gekauft und wirklich jede Woche hobbymäßig gebraut habe.

„Begonnen habe ich mit untergärigen Bieren und Faßfüllungen. Ich wollte es gleich „richtig“ machen! (lacht)“

Ansgar Freyberg

Wo soll das für dich hinführen mit dem Bier?

Gute Frage! Nach Anfragen und „Motivationsmomenten“ aus dem Freundeskreis habe ich den Schritt heraus aus meiner Hexenküche gewagt. Ich hatte ja zuerst original in meiner Berliner Wohnung im Treppenhaus gebraut, woanders war kein Platz. Wie man das eben so macht in der Großstadt… (lacht) Aber mir war klar, dass ich nicht irgendwelchen Bedürfnissen hinterherbrauen wollte. Für mich war es reizvoll, lohnbraumäßig in einer Großbrauerei zu brauen, um „flüssiger zu sein“ und Freunde und Interessenten bedienen zu können.

Wie heißt denn deine „Bieridee“ nun?

„Tiny Batch Brewing Company“ und das Bier heißt „Good Beer“. Anfangs habe ich mich über die Beschriftung der Etiketten informiert, da wurde mir Folgendes gesagt: „Herr Freyberg, das Bier, das Sie gebraut haben, dürfen Sie so gar nicht auf den Markt bringen. Da ist Weizenmalz drin und Sie haben das untergärig vergärt. Nicht erlaubt.“ Das war irgendwie absurd und auch nicht gerecht, fand ich. Wenn ich 100 km hinter die Grenze gehe, dann darf ich es, und hier nicht? Naja, geschmacklich ist es ein Pils geworden und da ich keine Zutat verschweigen wollte, habe ich es jetzt „Good Beer“ genannt. Da muss ich nicht drauf schreiben, ob es ober- oder untergärig ist. Wenn man „Pils“ schreibt, ist es automatisch untergärig, deswegen habe ich einen neutralen Begriff genommen. Im Zuge dessen läuft gerade auch ein Sonderantrag. Ich bin ganz guter Dinge, dass das durchgeht, weil ich nur einen ganz kleinen Prozentsatz Weizenmalz verwende. Wenn es dabei zu Problemen käme, würde ich für uns deutsche Brauer den Kampf im Sinn der sozialen Gerechtigkeit aufnehmen! (lacht)

Du bist ja voll in der Materie drin! Wieviel hast du denn schon gebraut?

Im ersten Jahr habe ich so 30 Mal gebraut, immer so 20 Liter. Inzwischen bin ich zwischen dem 30. und 40. Sud. Im zweiten Jahr habe ich jetzt kaum noch gebraut, weil die Planung des ersten, großen 1000-Liter-Suds und die Vermarktung mit Etiketten und Internetseite dazukamen.

Dazu kommt ja jetzt wieder die Musik.

Ja, das geht einher, das passt genau! Es kommt zum neuen Album-Release der zweite große Sud heraus. Das bringt Zug in mein Leben. (grinst)

Inwiefern gibt es Synergien zwischen der Musik und dem Brauen?

Ich versuche schon das Beste aus beiden Welten zusammenzubringen. Ich hatte ein bißchen gehofft, das nächste „BossHoss-Bier“ zu produzieren. Das Boss-Hoss-Projekt muss von der Gesinnung und vom Preis her konsumentenfreundlich sein, während die Brauexperten oder Craft-Bier-Fans ihre sehr eigene Perspektive haben. Und es gibt eben genügend verlockende Industrieangebote. Wir hatten noch nicht genügend Zeit uns zu einigen, wie man etwas realisieren könnte.

Fährst du das Brauen bei zunehmendem musikalischen Engagement wieder zurück?

Ne, das Bandengagement ist mittlerweile auf einem Level, das uns schon ein bißchen Zeit gestattet. Die Albumphase inklusive Promo und vieler Fernsehauftritte sind schon Stress. Aber wenn wir dann auf Tour gehen, sind das meistens nur drei Tage übers Wochenende. Das lässt sich gut kombinieren. Ich will das Brauen weitermachen!

Mit den „Braufreunden Berlin“ hast du ja jetzt auch eine eigene, kleine Tour in die Hallertau gemacht. Was nimmst du mit von hier?

Ich bin jetzt das erste Mal hier und kannte die Rohstoffe davor nur aus dem Online- und Hobbybrauerversand. Im Rahmen meiner Mitgliedschaft im Hobbybrauerverein kam das Thema Hopfen schon öfters vor und so entstand die Idee, einfach mal ein Seminar zu machen. Dadurch öffnet sich für mich gerade der Horizont. Man muss eigentlich schon jedes Jahr zur Ernte schauen, wie der Hopfen denn so geworden ist. Das ist eine super spannende Sache, und die USP [„Unique Selling Proposition“ / Alleinstellungsmerkmal] der IGN: sie laden Leute hierher ein und die können sich durchschnuppern.

Deine Botschaft zum Thema Brauen und Bier?

Hm… Deutschland hat zwei Seiten. Auf der einen Seite haben wir irrsinnig viel Tradition, da schaut die ganze Welt auf uns. Die Amis sind uns in mancher Hinsicht voraus, machen aber einen Riesenaufriss und kommen quasi jede Woche her zum Hopfenschnuppern. Und wir, wir stehen uns in meiner Wahrnehmung manchmal selber im Weg – auch die Industrie ums Bier herum. Wir haben ein Kulturgut, das echt viel wert ist, und machen da nichts draus. Man muss nicht gleich das Reinheitsgebot kippen, das ist ja auch eine Marke. Aber man darf durch zu viel Festhalten dabei nicht andere Entwicklungen behindern. Da finde ich so Unternehmen wie die IGN gut, die „back to the roots“ gehen. Sie arbeiten progressiv, führen den Brauer wieder zum Rohstoff zurück und sagen: „Hier, kauf nicht irgend einen Mist von der Stange, sondern das hier, das ist ‚real‘ [Englisch gesprochen]. Das ist ein Naturprodukt, damit muss man sich beschäftigen und wir sind der Vermittler dafür“.

Hier die Antworten zu unserem aktuellen Sonntags-Quiz:

  • 1. Esskastanien sind eine ganz bestimmte Kastanienart, die „Maronen“. Deshalb ist diese Leckerei vielen auch unter dem Namen Maronen oder Maroni bekannt.
  • 2. Anders als man meinen könnte hat „Altweiber“ wenig mit alten Frauen zu tun. Wenn es im Herbst nochmal warm und sonnig ist gehen die Spinnen auf Reisen. Die Tierchen brauchen dafür kein Flugticket und sie stehen auch nicht im Stau, sie lassen sich einfach an langen Fäden durch die Luft tragen. Diese Fäden aber haben uns den Namen Altweibersommer eingebracht, abgeleitet von dem veralteten Ausdruck für das Weben nämlich das „Weiben“.
  • 3. Wir sprechen hier natürlich von der Herbst-Tagundnachtgleiche. Zum astronomischen Herbstanfang sind beide Erdpole durch die Neigung der Erdachse gleich weit von der Sonne entfernt. Dadurch sind Tag und Nacht zu diesem Zeitpunkt gleich lang.
  • 4. Die Dahlie wird auch als die „Königin der Herbstblumen“ bezeichnet, sie zeigt uns vom Sommer bis in den Spätherbst hinein ihre prachtvollen Blüten.
  • 5. Bei uns feierten schon die Kelten und Germanen eine Art Erntedankfest. Dann brachten die Römer ihre Bräuche mit in die germanische Wildnis und schließlich übernahm auch die christliche Gemeinde den Brauch des Erntedankfestes so wie wir ihn noch heute kennen. Am ersten Sonntag im Oktober schmücken somit jedes Jahr wieder allerlei Feldfrüchte, Obstkörbe und Erntekronen die Kirchen unserer Gemeinden.