Damals wie Heute: Hopfenköniginnen und Festzüge

Die Wolnzacher feiern ihr 70. Volksfest. Zu diesem denkwürdigen Jubiläum haben wir unseren Autoscooter-DeLorean aufheulen lassen und sind ins Jahr 1958 gereist, zum ersten Jubiläum der Wolnzacher Wiesn.

Ein Bericht von Lisa Schwarzmüller, August 10, 2018
Der erste Banzen

Lang war er noch nicht Bürgermeister, umso größer war vor 60 Jahren die Spannung unter den Festgästen. Würde Kaspar Falter bei seiner Feuertaufe den ersten Anstich des Festbieres reibungslos über die Bühne bekommen? Weiß der Neuling im Amt überhaupt, wo er hinhauen muss? Zumindest den Redakteur des Wolnzacher Anzeigers überzeugte er. Der schrieb: „Falter bekam den grünen Schaber umgebunden und […] beim zweiten Schlag floß das Münchner Oktoberfestbier in die zwei Keferloher, mit denen Bürgermeister und Festwirt Georg Salvermoser dann gegenseitig anstießen.

Und heute? Auch der Bürgermeister im Jahr 2018 hat bisher eine ganz gute Quote hingelegt. Zum 69. Hallertauer Volksfest brachte es Jens Machold ebenso auf zwei Schläge, obwohl er schon ein paar Jahre länger den Chefsessel im Wolnzacher Rathaus inne hat. Egal, wie es für ihn zum 70. Jubiläum ausgeht: Die erste Maß wird er sich mit Festwirtin Karin Gschlößl dennoch schmecken lassen.

Die richtige Grundlage

Das Essen auf sämtlichen Volksfesten in Bayern ist ein ungeschriebenes Gesetz. Natürlich findet man immer mal wieder ungewöhnliche Naschereien, wie einen bayerischen Döner zum Beispiel. Einige Artikel auf der Speisekarte bleiben aber gleich. Schon im Jahr 1958 schrieb der Redakteur des WOLNZACHER ANZEIGERS: „Fischsemmel, Schweizerkäs und Augustinerbier werden anschließend bei einer Fahrt im ‚Polyp‘ in die richtige Lage gebracht. Ab und zu fällt einem zwar Fischsemmel, Schweizerkäs und Wiesenbier wieder aus dem Gesicht, aber das macht dem Festwirt nichts aus.“

Im Jahr 2018 muss man zwar nicht mehr im „Polyp“ um den kostbaren Mageninhalt fürchten. Durchgeschüttelt wird er trotzdem kräftig: Wer etwas auf seinen Bizeps und seine Balancierfähigkeiten hält, präsentiert sich im Superhupferl der bedirndelten und lederbehosten Menge und behält bei guter Gesundheit die Breze im Bauch. Guten Hunger!

Ein Volksfest, ein Umzug

„Die Fotografen hatten am Sonntag Hochkonjunktur und wer erst einen Farbfilm in der Camera hatte, der wird den großen Festzug am Volksfest-Sonntag auch mehrere Male erleben können“, titelte der WOLNZACHER ANZEIGER am 13. August 1958. Und das mit gutem Grund, denn der Festzug mit 17 Festwägen, Motorrad- und Autokorso und zwei Musikkapellen hatte einiges im Programm: Die Belegschaft der Marktgemeinde verkleidete sich als Schneeweißchen und Rosenrot, der Gewerbeverein ließ Gebrüder Grimms „Brüderchen und Schwesterchen“ aufleben.

Auch im Jahr 2018 werden die Kamerauslöser glühen. Römer, Nützlinge und Schädlinge und viele mehr werden sich auf Wolnzachs Straßen tummeln. Nur die Ausmaße des Ganzen haben sich ein wenig gewandelt. 1700 Mitwirkende, 200 Pferde, 55 Wagen und Kutschen, über 20 Musikkapellen – das ist eine echte Hausnummer und eine Herausforderung für jeden Hobbyfotografen.

Eine fähige Regentin

Die Wolnzacher lieben ihre Hopfenköniginnen . Auch 1957 war das nicht anders, als „Fräulein Resi Albrecht“ aus Geroldshausen das Zepter überreicht bekam und ihre Regentschaft über die Hallertau antrat. Doch währt die Ehre immer nur ein Jahr, genauso wie bei der aktuellen Hopfenkönigin Theresa Zieglmeier. Auch sie wird, wie Resi damals, ihre Krone im Jubiläumsjahr an eine neue Regentin weitergeben müssen. Ob sich Wolnzach für Katharina Meier oder Maria Kirzinger entscheiden wird, zeigt sich am Montag, wenn die Wahllokale in der Festhalle schließen. Bis dahin! Oans, zwoa, drei…

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