Das Paralleluniversum am Gillamoos

Ihr habt das Fliegerlied satt, wollt aber trotzdem nicht auf coole Volksfest Stimmung verzichten? Dann ist das „Wuidstock“ in der Aventinusstadt Abensberg ein echt heißer Tipp.

Reportage von Simone Huber, September 4, 2018
Ein eigener kleiner Mikrokosmos

Die positiven Vibes sind regelrecht spürbar. Obwohl man die Songs der auftretenden Bands auf der Bühne im Grünen kaum kennt, grölt das Publikum schon nach kurzer Zeit die Refrains mit. Oder man übt sich im Stagediving. Etwa 30 Meter weiter liegt der Eingang zum Biertempel des Abensberger Hofbräu. Dass die Besucher dort drinnen lieber traditionelle Blasmusik oder Partyhits hören, stört niemanden. „Es ist eine Art Gillamoos Paralleluniversum“, sagt Hofbräu Joseph Neumeyer jun. Oder anders formuliert „Es ist das Festival im Fest“.

Gespielt wird auf der „Bühne im Grünen“, ein kleiner Hopfengarten und eine Insel im Meer der Festzelte am Gillamoos. Jeder, der ins Bierzelt möchte, geht automatisch daran vorbei. Nicht wenige bleiben stehen, wagen einen neugierigen Blick. Viele – und dazu zählt nicht nur die Generation U 30 – entscheiden sich zu bleiben, bevölkern die Tanzfläche oder die Bierbänke. Es herrscht eine völlig ungezwungene Atmosphäre. Daher auch Motto des Gillamoos-Wuidstock: „Vogelfrei und Vogelwuid“.

„Es ist eine Art Gillamoos Paralleluniversum.“

Hofbräu Joseph Neumeyer jun.

 
Innovation und Tradition passen gut zusammen

Doch wie wird das auf einem jahrhundertelangem Traditionsfest wie dem Gillamoos angenommen? Passen Festival-Kultur im Open-Air Style und Volksfesttradition überhaupt zusammen? „Unserer Tradition sind wir uns sehr wohl bewusst“, weiß der Hofbräu Junior. „Neue Pfade zu beschreiten ohne aber seine Wurzeln zu vergessen, Tradition wahren, Innovation wagen, das ist mein Motto“, sagt Neumeyer. Natürlich gibt es auch weiterhin Blasmusik oder das Holzsageln. Neben all dem fügt sich das „Wuidstock“ harmonisch in das Gillamoos-Konzept ein. „Die Abensberger und auch der Gillamoos sind offen genug, um Unkonventionelles zu vertragen“.

Der Erfolg gibt ihm Recht. Mittlerweile hat sich die „Bühne im Grünen“ etabliert. Dieses Jahr beherbergt sie 13 Bands. Und: Jeder darf ans Mikro. „Die Idee dahinter war eine freie Bühne, abseits des Mainstream, auf der auftreten darf, wer will – es hat von Anfang an funktioniert“, sagt der Wuidstock-Gründervater stolz. Nationalität und Musikstil seien ihm egal. Niemals hätte der 36-jährige jedoch damit gerechnet, dass sie innerhalb drei Jahre derartige Auswüchse annimmt, als er die Bühne 2014 initiierte.  „Ich wollte unseren Biergarten aufpeppen. Denn der Gillamoos verträgt viel mehr als nur Blasmusik und Halligalli!“

Festival-Feeling  kommt auch durch das Drumherum auf. In der „Hopfaschupfa“ gibt es klassisches Merchandise: Festival-Armbänder, T-Shirts, CD´s, Fan-Caps und eine Bar namens „Wuidara Hüttn“.

„Tradition wahren, Innovation wagen, das ist mein Motto.“

Joseph Neumeyer

 
Eine Bühne für Newcomer

Doch der eigentliche Treibstoff sind immer noch die Bands.  Längst haben die Verantwortlichen den Blick von der lokalen Musikszene ausgeweitet auf die Nachbarländer. Österreich zum Beispiel. 13 Gruppen – The howling Muffs, Filistine, Black Dog Barking, Illegal 1, T.G. Copperfield, Bum Bum Band, Ohrange, New Age Trailer, Lisi & Happy Love usw. –  aus nah und fern  bevölkern zwei Tage lang den Hofbräu-Biergarten. Die meisten sind Newcomer, denen man eine Plattform bietet möchte. „Niemand muss sich fürchten, dass wir mit unserer Musik die Besucher belästigen wollen“, betont Joseph Neumeyer.  Man legt Wert auf kompakt gehaltene  Gigs von 20 bis 30 Minuten mit Pausen dazwischen. Neumeyer: „Wir fangen zuerst an  mit einem gemütlichen Singer-Songwriter Part. Die Nightsession von 18 bis 22 Uhr bietet dann etwas mehr Power“. Das kann man wohl sagen. Kaum intoniert die „Bum Bum Band“ aus Regensburg ihre ersten beiden Songs, tanzen und grölen die Kehlen mit.  Das Publikum ist glücklich und der Hofbräu ist es auch.