Der Barthelmarkt in Zahlen

Der Barthelmarkt ist eines der ältesten Volksfeste der Welt. Das sollte man über ihn wissen, um bei der nächsten Biertisch-Trivia-Runde zu punkten.

Bericht von Lisa Schwarzmüller, August 23, 2018

Vervollständigen Sie diesen Satz: „…da muaß I hi!“ Kein Problem für Sie? Herzlichen Glückwunsch, Sie sind einer oder eine dieser Feierwütigen, die ihr letztes Augustwochenende in Oberstimm verbringen. Manching und Umland sind im Volksfest-Rausch, der Barthelmarkt-Duft liegt in der Luft.

250.000

… Besucher und mehr ließen es sich in den letzten Jahren bei Brez’n, Hendl, Kas und Bier in Oberstimm gut gehen. Das macht den Barthelmarkt zu einem der größten Volksfeste in ganz Bayern. Mit bis zu 60 Reisebussen reisen die Menschen aus dem Freistaat an, um beispielsweise den einmaligen Barthelmarktmontag mit dem traditionellen Viehmarkt zu erleben. Schon früh morgens um 6 Uhr werden dann die Festzelte geöffnet und das erste Barthelmarktlied wird angestimmt. Dabei befindet sich die Traditionsveranstaltung in guter Gesellschaft. Auch das Gillamoos in Abensberg zieht im Durchschnitt um die 250.000 Menschen an – ein Glücksfall für alle Beteiligten. „So haben wir den Luxus, dass zu uns richtig große Fahrgeschäfte kommen, wie die Münchner Zugspitzbahn“, erklärte Manchings Bürgermeister Herbert Nerb im Vorfeld. Ist der Barthelmarkt durch, ziehen viele Schausteller direkt weiter nach Abensberg, wodurch sich der aufwändige Aufbau auf beiden eher kurzen Festen wieder lohnt. Eine Win-Win-Situation für die Attraktivität der Volksfeste, die Kassen der Betreiber und den Blutdruck der Adrenalin-Junkies.

60

… Pferde mit ihren Reitern und deren Entourage tummeln sich samstags in Oberstimm. Denn traditionell gehört zu einem gelungenen Barthelmarkt-Wochenende auch ein nervenkitzelndes Pferderennen – und das ist eines der bestdotiertesten C-Rennen in der Region. Bis zu 12.000 Euro kann man auf der 700 Meter langen Rennstrecke neben dem Festplatz gewinnen. „Die Anfrage ist dementsprechend groß“, erklärte auch Vorstand und Veranstalter Georg Schweiger vom PSV St. Georg Hagau. Möglich machen das die Sponsoren, wie Brauereien, die Marktgemeinde Manching oder örtliche Firmen.

1.200

… Schausteller und Händler wollen sich jedes Jahr einen der begehrten Plätze auf dem Barthelmarkt sichern. Dazu gehören nicht nur Zuckerwatten-Dealer und Bratwurst-Hustler. Der Barthelmarkt ist, wie der Name schon suggeriert, ein Markt. Deswegen dürfen dort auch Haushaltswaren und andere nützliche Dinge feilgeboten werden. Nicht umsonst wird nach dem Barthelmarkt verstärkt Gemüse gehobelt, Pools werden gewhirlt, Fenster geputzt und Hornhäute beseift. Wer am Ende um die Gunst der Besucher buhlen darf, entscheidet die Gemeinde. „Jede einzelne Bewerbung wird im Marktausschuss besprochen“, erklärte Bürgermeister Nerb.

1354

… Jahre n.Chr. wurde der Barthelmarkt zum ersten Mal als „althergebrachter Markth zu Stymm“ erwähnt. Dabei geht die Markttradition dort wahrscheinlich noch viel weiter zurück, wie Dr. Tobias Esch vom Kelten- und Römermuseum in Manching erklärt. „Man darf annehmen, dass im Umfeld des römischen Kastells von Oberstimm, das ca. von den 40er Jahren n.Chr. bis 120 n.Chr. existierte, Handel getrieben wurde. Denn das römische Militär war ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und Abnehmer von Produkten des alltäglichen Bedarfs: von Lebensmitteln bis hin zu Keramik und sogar Luxusgeschirr.“ Auch eine Zivilsiedlung schloss sich dem Lager an, die teilweise bis ins 4.Jahrhundert nach Christus besiedelt blieb und Soldaten bis 120 n.Chr. mit allen möglichen Gütern versorgte.

700.000

… Euro Miese hat der Barthelmarkt im Manchinger Haushalt in den vergangenen Jahren verursacht. Das liegt weniger an falscher Kalkulation oder fehlenden Besuchern. Laut Angaben der Marktgemeinde floss dieses Geld vor allem in die Nachrüstung von Sicherheitseinrichtungen. So verwandelt sich die Oberstimmer Grundschule für dieses eine Wochenende in eine voll funktionstüchtige Polizeistation, die die Festbesucher mit Kameras und Streifen im Auge behalten. „Viele Schlägereien konnten in den letzten Jahren dadurch schon im Keim erstickt werden“, machte Nerb deutlich. Auch ein Durchsagesystem wurde installiert, mit dem der Bürgermeister im Falle des Falles die feiernde Meute schnell informieren kann. Poller schützen die Besucher vor Autos oder LKWs.