Die Römer und Frau Nieß

Doris Nieß hat ihr Hobby zum Beruf gemacht: Die Römer. Wenn es um das antike Volk geht, ist sie Spezialistin.

Simone Huber
Portrait von Simone Huber, September 1, 2018

Von wegen: „Die spinnen, die Römer!“ Die Römer sind uns viel ähnlicher, als wir meinen. Sie wussten bereits über Dinge Bescheid, die wir zu Erfindungen unserer modernen Zeit erklären. „Dabei handelt es sich um altes Wissen“, sagt Doris Nieß, zertifizierte Landschafts-und Gästeführerin sowie überzeugte Römerliebhaberin. Ihr Interesse und ihre Leidenschaft sind geweckt, sobald es um die römische Badekultur, das Staatwesen oder Kuriositäten wie den „Achselhaarauszupfer“ geht.

In Bezug auf das Kastell Abusina und das Römische Museum in Bad Gögging kennt sie sich aus wie keine Zweite. Sie weiß genau, wie sie die Gäste zum Staunen bringen kann. Unverzichtbar ist Doris Nieß mit ihrem fundierten fachkundigen Wissen bei den alljährlichen Römertagen „Salve Abusina“ in Eining.

Das Römerfest im August ist längst zum überregionalen Besuchermagnet geworden. Bei Vorträgen nimmt die Gästeführerin neugierige Besucher mit auf eine spannende Zeitreise in die Welt der antiken römischen Kultur. Gern hüllt sie sich dafür auch bei tropischen Temperaturen in ein dickes grünes Römerkleid. Ihre Römersandalen, das wallende blonde Haar und der Trinkbeutel verleihen ihr ein unverkennbares Äußeres – fast hält man sie für eine echte Römerin. „Mir macht es unheimlich viel Spaß, die Leute in die Welt der Römer zu entführen. Dort gibt es unendlich viel zu entdecken“, sagt die Neustädterin. Die römische Kultur ist für sie eine fast unendliche Geschichte.

Schon seit 30 Jahren, also seit ihrer Schulzeit, beschäftigt sich die gebürtige Oberpfälzerin mit den Römern. „Mich fasziniert im Grunde die gesamte Kultur, angefangen vom Staatwesen über Frauenrechte und natürlich die hochstehende Badetradition.“ Durch die Christianisierung sei ein Großteil des Wissens der Römer verlorengegangen. Nach und nach gelangt dieses wieder an die Oberfläche. In den wenigsten Fällen würden wir hinter vermeintlich „modernen“ Erfindungen allerdings die Römer als Urheber vermuten. Kugellager, Flip-Flops oder Bikini – „alles alter Kaffee, den die Römer vor 2000 Jahren schon kannten“, lacht Doris Nieß. Das verdeutlicht sie auch den Besuchern bei Bayerns größtem Römerfest in Eining: „Ein Bikini ist nichts Neues, nur haben den die Römer damals zum Sporttreiben verwendet.“  Bei dieser Vorstellung müssen einige schmunzeln.

Auf einem Rundgang durch das Kastell erkunden die Römerfans auch die Überreste einer traditionellen Bäderanlage. Die Teilnehmer erfahren, welche Bedeutung die Thermen und Badegötter für die Römer hatten, wie sie die Bodenheizung erfanden oder dass Seitensprünge damals an der Tagesordnung waren. „Anfänglich durften Männer ihre Frauen sogar umbringen“, enthüllt Doris über das Liebesleben der Römer. Damals galten eben noch andere Moralvorstellungen.

Hier die Antworten zu unserem aktuellen Sonntags-Quiz:

  • 1. 1531 wurde der Kirchturm der Stadtpfarrkirche St. Johannes Baptist fertiggestellt. Er gilt als das Wahrzeichen der Stadt.
  • 2. Die Wolnzacher meinen damit die Pfarrkirche St. Laurentius direkt am Marienplatz in Wolnzach.
  • 3. Das Kastell „Abusina“ und die dazugehörigen Ausgrabungsstätten gehörten zum Raetischen Limes und gelten als eine der wenigen vollständig freigelegten römischen Wehranlagen in unserer Region.
  • 4. Das Wahrzeichen Mainburgs steht auf dem Salvatorberg. Es ist die Salvatorkirche St. Peter und Paul des Paulinerklosters.
  • 5. Die 300 Jahre alte Kirchenlinde der Sankt-Vitus-Kirche in Geisenfeldwinden ist ein schönes Beispiel für die vielen geschützten Naturdenkmäler in der Hallertau.