Die Welt vor 40 Jahren

Wir setzen euch in eine Zeitmaschine und nehmen euch mit zwischen die verstaubten und vergilbten Seiten einer der ältesten Tageszeitungen Deutschlands. Angeschnallt?

Bericht von Lisa Schwarzmüller, August 5, 2018

Früher war alles besser! Oder ist Neues immer besser? Treten wir den Beweis an! Wühlt man in den Tiefen des Medienhauses Kastner, findet man dort nicht weniger als einen Schatz, der die Geschichten der vergangenen Jahrzehnte konserviert: Das große Archiv des Wolnzacher Anzeigers! Bereit für einen Ausflug ins Jahr 1978?

Volksfestmaß um ein Zehnerl teurer

Ein voll besetztes Plenum im Stadtrat und ein regelrechtes Tauziehen unter den Stadträten: Den Pfaffenhofenern juckte es auf der Leber. Schließlich sollte inflationsbedingt der Preis für die Maß am Volksfest erhöht werden. Sage und schreibe 3,70 DM kostete die Maß Bier im Jahre 1978. Anlass genug für den Autor der Nachricht, einen Kommentar zu verfassen. Früher hätte ein drastischer Anstieg des Bierpreises sogar zu Volksaufständen geführt. Den modernen Bajuvaren tangiert die Bierpreiserhöhung dagegen nur noch entfernt. 8,20 Euro am Volksfest in Pfaffenhofen, 8,80 Euro am Barthelmarkt in Oberstimm und 7,70 Euro in Wolnzach am Hallertauer Volksfest – solange der Gerstensaft knallt, führen solche Preise nur noch zu latenter Verstimmung, wenn nach einer durchzechten Nacht das Portemonnaie geöffnet wird. Trotzdem dürften besonders Oktoberfestgänger in den vergangenen Jahren geschluckt haben. Seit 2002 ist der Bierpreis dort um süffige 5,20 Euro angestiegen.

Der fernsehfreie Tag

„Sozialismus!“, rufen die einen. „Menschenverstand!“, fordern die anderen. Bei einer Lektüre der Kommentarspalte fällt schnell auf: Die Probleme ändern sich nicht, sie kommen nur in einer neuen Verpackung. 1978 wagte Bundeskanzler Helmut Schmidt einen Vorstoß, der überraschenderweise bei vielen Bürgern der BRD auf Gegenliebe stieß. Das Fernsehen trete an die Stelle der unmittelbaren Kommunikation, für ihn eine Gefahr für die Demokratie und unser Miteinander. Seine Lösung: Ein fernsehfreier Tag. Zu einer Debatte führte das schon damals. Schließlich betrug 1974 der Anteil der Freizeitgestaltung, bei der der Fernseher im Spiel war, schon rund 40 Prozent. Und heute? Der Fernseher ist längst unsere geringste Sorge. 556 Minuten verbringt der Bundesbürger vor Radio, Fernseher und Co.  Noch beeindruckender: 2017 war der durchschnittliche Deutsche fast viereinhalb Stunden am Tag über sein Smartphone online. Was würde Helmut Schmidt heute vorschlagen? Einen smartphonefreien Sonntag vielleicht?

Arbeitslosenquote

Glaubt man führenden Ökonomen, ist die Arbeitslosenquote einer Region ein untrüglicher Indikator für deren Prosperität. Ein Blick in das Jahr 1978 beweist, dass sich zumindest im Landkreis Pfaffenhofen vieles verändert hat. 5531 Männer und  Frauen befanden sich damals auf Arbeitssuche, das macht eine Quote von knapp 3,4 Prozent. Heute rühmt man sich vielerorts in Landkreis mit dem wohlklingenden Wort Vollbeschäftigung. Lediglich 1,5 Prozent (in Zahlen: 1.097 Menschen) sind in Pfaffenhofen derzeit offiziell arbeitslos gemeldet.