Eine Geschichtsstunde der besonderen Art mit Norbert Heckner

Norbert Heckner und Helmut Knesewitsch entführten die Wolnzach in die Zeit der Münchner Volkssänger und ließen Lieder von Ferdl Weiß, Jakob Geis oder Bally Prell wieder aufleben.

Bericht von Harald Regler, Juli 11, 2018
Ein süffisanter Blick ins München des 19. Jahrhunderts

Musik kann vieles. Sie ist unterhaltsam, bringt uns zum Lachen, geht ins Blut. Sie ist aber immer auch ein Spiegel ihrer Zeit. So wie heute Songs von Bruno Mars, David Guetta oder den Fantastischen Vier in den Radios laufen, waren es vor mehr als 100 Jahren Musiker wie Ferdl Weiß, Jakob Geis und Bally Prell, die das Publikum mit ihren Liedern begeisterten. Heute hat sich über die Werke der Volkssänger der Schleier der Vergangenheit gelegt. Ein Schleier, den Norbert Heckner und Helmut Knesewitsch für einen Abend lüfteten.

Es war eine besondere Atmosphäre, als die beiden Münchner die kleine Bühne im Wolnzacher Hopfenmuseum betraten. Gespannt wartete das Publikum auf die ersten Takte. „I bin der Stolz von der Au“: Mit diesem Klassiker von Maxl Graf eröffneten sie einen Abend, der zum Träumen und zum Mitsingen einlud. Dabei ließen die beiden in süffisanter Weise den Blick über das München um 1900 schweifen.

„Das Wirtshaus war seinerzeit das soziale Zentrum!“

Norbert Heckner

Da Kare und da Lugge – never heard, aber glei wieder kennt

München, eine Stadt im Aufschwung. Viele Junge zog es in die Landeshauptstadt. So entstanden die heutigen Stadteile Giesing, Haidhausen und Schwabing. 800 Volkssänger gab es damals. „Früher brauchte man noch eine polizeiliche Genehmigung, heid derf des a jeda“, scherzt Helmut Knesewitsch. So viele Volkssänger es damals gab, so facettenreich ist das Bild, das die Musik vermittelt. So erzählen die Lieder vom Alltag in der damaligen Großstadt genauso wie von der ersten Liebe oder vom Lausbuam von nebenan. Ob beim „Millemadl“, bei der „Brotzeitpolka“ oder bei Bally Prells heimlicher Hymne Münchens, dem „Isarmärchen“: Man schwelgte in der akustischen Version der guten alten Zeit.

Zwei der schillerndsten Gestalten ihrer Zeit waren die beiden Bühnenfiguren Kare und Lugge. Auch über die beiden Münchner Originale hat die der Schleier der Vergangenheit gelegt: Noch bis vor 50 Jahren wurde über deren Witze herzhaft gelacht, heute kennt sie kaum noch jemand. Österreicher und Ostfriesen haben sie verdrängt. Umso schöner fanden es die Wolnzacher, dass Heckner und Knesewitsch nicht nur die alten Volkslieder, sondern auch den Humor der Zeit noch einmal aufleben ließen.