Eine Herkulesaufgabe fürs Theaterbrettl

An acht Tagen brachte das Wolnzacher Theaterbrettl das Publikum zum Schaudern. Eine Spitzenleistung, nicht nur auf der Bühne. Auch im „Off“ musste dabei jeder Handgriff sitzen.

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Bericht von Harald Regler, Juni 27, 2018
Zwischen Gänsehaut und einem lockerem Spruch

Wem stockte nicht der Atem, als sich Simone Maiterth zu Beginn des zweiten Aktes von „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ vom Dach stürzte? Wem lief beim düsteren, dreckigen Lachen von Helmut Kürzinger nicht ein eiskalter Schauer den Rücken hinunter? Es sind nur zwei dieser Gänsehautmomente, für die das Theaterbrettl in den vergangenen drei Wochen vom Publikum oft minutenlangen Applaus bekam. Doch während auf der Bühne die Schauspieler im Rampenlicht überzeugten, gab es auch jene, für die die Bretter nicht die Welt bedeuten, aber ohne die das Stück nicht so erfolgreich gewesen wäre.

18 Uhr – noch drei Stunden, bis sich der Vorhang zum letzten Mal hebt. Während die ersten Gäste so langsam eintreffen und Burger oder englisches Stew genießen, haben Sandra Aigner, Martina Pauly und Petra Wöhrl alle Hände voll zu tun. Sie schminken die Schauspieler und sorgen dabei für den authentischen Lock. Zuerst sind die Straßendirnen an der Reihe. Mit viel Liebe zum Detail gestalten Pauly und Aigner die Frisuren. Aber klar ist trotzdem: „Am meisten Arbeit macht der Hyde!“

Gut dreißig Minuten dauert die Verwandlung von Helmut Kürzinger in Mr. Hyde. Dabei ist die Maske – genauer gesagt: der umfunktionierte LKW-Aufbau – ein Ort, an dem auch mal der eine oder andere Witz gemacht wird. „Heid hoaz i dir no amoi g’scheid ei!“, so Kürzinger zu seinem Alter Ego Josef Öttl. Der quittiert den Satz mit einem lockeren Schmunzeln.

Koordination ist alles

Trotz aller Lockerheit, die Backstage herrscht: Damit auf der Bühne am Ende alles perfekt läuft, folgt alles einem festen Plan. Dafür, dass dieser eingehalten wird und niemand seinen Einsatz verpasst, ist Petra Eidenberger zuständig. Sie koordiniert das Stück aus dem „Off“ heraus. „Gerade die Größe der Bühne und die vielen verschiedenen Möglichkeiten, sie zu betreten – diese Herausforderung galt es zu meistern“, erklärt sie. Damit alles reibungslos verlaufen kann, wurde schon während des Bühnenbaus viel Technik verlegt. Rote Lichter signalisieren den Schauspielern an den Seiten, wann sie auf die Bühne dürfen, und über zwei Monitore lässt sich das Geschehen auf der Bühne verfolgen. „Gerade in den ersten Proben mussten wir wirklich auf die Einsätze achten, jetzt läuft das eigentlich fast von alleine“, erklärt Eidenberger.

Eine verschworene Truppe

„Irgendwie ist es schon ein wenig schade, dass es jetzt bald vorbei ist“, so Isabella Höpfl. Zum ersten Mal stand sie gemeinsam mit gestandenen Schauspielern auf der Bühne und ist in ihre Rolle sprichwörtlich hineingewachsen. „Anfangs hab ich mich nicht getraut aus mir rauszugehen, doch von Josef und Erich konnte gerade in Bezug auf das Spielen viel lernen“, erklärt sie. Dabei schwingt in ihrer Stimme wie bei vielen ein wenig Melancholie mit.
Ob zum ersten Mal dabei oder schon seit vielen Jahren – eines spürte man deutlich: die verschworene Gemeinschaft. „Die ganze Truppe ist einfach sagenhaft“, so Vitus Rebl. Zwar war es ein wahres Mammutprojekt, „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ zu inszenieren – allein der Bühnenbau zog sich über mehrere Monate – doch in jedem Detail, sei es den Frisuren, den Kostümen oder einfach dem Bühnenbild, spürte man die Leidenschaft, die alle in das Projekt steckten. Der Lohn: achtmal ein ausverkauftes Haus und Applaus, der noch lange nach dem Schlussakkord nachklang.