Eine ungewöhnliche Praktikantin

Wie ist es, wenn man im Beruf nochmal ganz von vorne anfängt? Passend zum Schulstart hat eine Schulrektorin das mal ausprobiert.

Interview von Lisa Schwarzmüller, September 14, 2018

Maria Heller ist die stellvertretende Schulleiterin der Fachoberschule und Berufsoberschule Ingolstadt mit 1600 Schülern und 140 Lehrkräften. Dort unterrichtet sie eigentlich Deutsch und Geschichte. Für acht Tage verließ sie ihren angestammten Arbeitsplatz und fing im Druckhaus Kastner nochmal ganz von vorne an. Wie das wohl war?

Hallertau.de: Frau Heller, Sie waren die vergangenen Tage im Medienhaus Kastner unterwegs. Warum?

Frau Heller: Ich mache hier gerade mein Betriebspraktikum.

Was hat es damit auf sich? Als stellvertretende Direktorin stehen Sie eigentlich schon fest im Leben.

Wir Lehrkräfte der beruflichen Schulen sind aufgefordert, im Zeitraum von drei Jahren acht Praktikumstage zu absolvieren, um die Perspektive zu wechseln.

Wie sind Sie da auf das Medienhaus Kastner gekommen?

Die Kastner AG druckt zum Beispiel Formelsammlungen für die Schule – in gewisser Weise sind wir also Kunde. Außerdem war ich schon öfter auf Vernissagen des Medienhauses. Da habe ich gemerkt, wie vielfältig das Unternehmen ist. Auch das soziale Engagement der Kastners ist toll. Und da dachte ich mir: Das könnte passen.

Was ist für Sie der große Unterschied zu Ihrem normalen Schulalltag?

Normalerweise stehen ab halb acht die Schüler mit ihren Anliegen vor meiner Bürotür. Es ist lebendig und spontan – ich weiß selten, was tagsüber auf mich zukommt. Dazu kommen Konferenzen, Schulordnung und Außenkontakte. Hier wirkt es zunächst ruhiger. Aber man merkt nach einigen Tagen, dass es da einen Redaktionsschluss oder Deadlines gibt. Vor allem auf den Punkt kreativ zu sein, ist eine Herausforderung.

Sie haben ja schon einige Abteilungen mitgenommen. Was war Ihr Eindruck?

In den ersten beiden Tagen war ich vom Auftragseingang über die grafische Gestaltung bis zum Versand dabei. Das Nebeneinander von moderner Technik und echtem Handwerk zu erleben war toll. Ich habe dabei immer versucht, das Gelernte auf die Schule zu übertragen. Jetzt geht es für mich ins Internethaus.  Bei so einem Praktikum wird klar,  dass auch so ein Traditionshaus immer auf der Hut sein muss. Man darf den Anschluss nicht verpassen.

Gab es auch etwas, womit Sie nicht gerechnet haben?

Ich hab mir das Firmengebäude ein bisschen anders vorgestellt.  (lacht) Ich dachte, das ist ein Zweckbau in einem Gewerbegebiet. Aber das ist ja mitten in Wolnzach, gleich neben dem Marienplatz. Für eine Historikerin ist das spannend, man kann jeder Bauphase ein Jahrzehnt zu ordnen: vom Keller, der noch aus dem 18. Jahrhundert stammt, bis jetzt. Allgemein gibt es für einen Historiker hier viele, viele Fundstellen.

Haben Sie dafür ein Beispiel im Kopf?

Alleine das Wolnzacher Anzeiger Archiv ist eine kleine Zeitreise für sich. Und das ganze Verlagshaus ist eine einzige Galerie mit Kunstwerken von verschiedensten Meistern aus verschiedensten Epochen und Stilrichtungen. Man liest das immer von großen Konzernen, die an ihren Standorten Kunst sammeln, wie zum Beispiel die Münchner Rück. Im Medienhaus Kastner kann man da aber auch auf Entdeckungsreise gehen. Besonders die Absolventen der Münchner Akademie der Bildenden Künste haben es mir angetan.

Auch bei der letzten Vernissage waren Sie dabei und durften beim Interview mit dem ausstellenden Künstler mitmachen. Wie war das für Sie?

Die Bilder von Herrn Dr. Rothenberger sind beeindruckend, auch mit wie viel Leidenschaft er von Lichtverhältnissen und der Motivauswahl sprechen kann. Bei so einem Gespräch muss man schon sehr einfühlsam sein und die richtigen Fragen stellen. Das hat mir gut gefallen.

Gibt es etwas, das Sie auf jeden Fall mit in die Schule nehmen werden?

Ich habe gemerkt, wie wichtig lokale Medien für uns sein können. Es müssen nicht immer Facebook oder die großen Medienhäuser als Informationsquelle sein, vor unserer Haustür finden sich genauso tolle und beeindruckende Geschichten, die modern und digital sind. Auch, dass ich die Außenperspektive auf unsere eigene Öffentlichkeitsarbeit mitbekommen habe, war wertvoll. Mit der Zeit besteht die Gefahr, dass man betriebsblind wird. Aus so einem Praktikum nimmt man dann doch einige Ideen und Impulse mit. Vor allem die Kooperationsmöglichkeiten, die sich in den letzten Tagen ergeben haben, beispielsweise mit einem Arbeitskreis Mediengestaltung an der Schule in Zusammenarbeit mit der Redaktion, werde ich auf jeden Fall mit in die Schule bringen.

Es hat Spaß gemacht mit Ihnen. Können wir Sie nicht doch zum Bleiben überreden?

Ja, jetzt hätte ich eigentlich vier Wochen Zeit, es sind ja jetzt erst mal Ferien. Aber es ist auch ein schönes Gefühl, wenn man dahin zurück darf, wo man seinen eigentlichen Beruf ausüben kann – mit den Schülern, den Kollegen und all den Überraschungen.

Das Interview wurde bezüglich Länge und Lesbarkeit redigiert.