El Comandante des Zirkus Tonelli

Der Niedermeier Max. Ein Original. Eine lebende Zirkuslegende! Für die, die ihn noch nicht kennen oder noch besser kennenlernen wollen, haben wir den Mann der Wolnzacher Manege zu Hause besucht. Wir ziehen unseren Hut – und widmen ihm diesen Bericht.

Avatar
Portrait von Hallertau.Info, Februar 25, 2019

Es riecht nach einer Mischung aus Sägemehl und Popcorn, frischem Holz und alten Vorhängen – das ist Zirkus, das ist Tonelli. Max, ein aus Lebenslust und bayerischem Grantlertum geformtes Urgestein, passt in die Wolnzacher Institution wie der Deckel auf den Topf, die Faust aufs Auge, der Gladiator in die Arena. „Zirkus ist für mich nicht nur eine räumliche Gegebenheit“, sagt Max. „Es ist ein Gefühl, eine Einstellung. Zirkus heißt aber auch Familie, und ohne die geht es nicht!“

Wie alles begann

Mit strahlenden Augen erzählt er vom Beginn seiner Leidenschaft, von den ersten Besuchen im Circus Krone. Mit seinem Opa fuhr er damals bis nach München, um die Vorstellungen im Rundbau an der Marsstraße 43 erleben zu können. Was ihn aber schon damals als Kind besonders faszinierte, waren nicht die Vorstellungen selbst, sondern das Leben und der Trubel hinter den Kulissen.

„Hier hab‘ ich auch noch ein Geheimnis!“, erzählt Max verschmitzt. „Mit acht Jahren stahl ich in den Stallungen des Circus eine Goaslschnur – ich war so begeistert vom Klang des Knalls, mit dem der Dompteur seine Pferde antrieb. Ich fragte dann im Büro, ob ich eine dieser Goasln haben könnte, wurde aber weggeschickt. Also wurde ich selbst aktiv, schlüpfte durch den Hintereingang in die Stallungen des Rundbaus, schrie „Hallo! Hallo!“, bemerkte, dass ich allein war, und schnappte mir eine der Goaslschnüre.“ Schlechtes Gewissen hatte er damals nur begrenzt – er habe schließlich vorher freundlich gefragt. Im Zirkus Tonelli kam die entwendete Goasl schon mehrmals zum Einsatz, unter anderem bei einer Seehundnummer.

Karriere in der Manege

Der Zirkus Tonelli in Wolnzach ist vielleicht nicht vergleichbar mit den Großen der Branche wie Circus Roncalli, Zirkus Knie oder Cirque du Soleil, jedoch entzieht er sich durch seine Einzig- und Andersartigkeit auch jedem Vergleich. Und wenn es um die Leidenschaft der Mannschaft geht, können die Wolnzacher mit all den „großen Brüdern“ locker mithalten. Auch die Nummern, wie beispielsweise Seiltanz oder Tierdressuren – alle von Laien gestaltet und performt – stehen in Qualität und Wagemut für sich. Urgestein Max ließ sich in all den Jahren nicht lumpen und blieb seinem Zirkus treu: Er stand bei allen Vorstellungen seit 1973 in der Manege. Fast allen jedenfalls. Nur 1977 setzte er aus, um dem Karneval in Rio de Janeiro die Ehre seiner Anwesenheit zu geben.

Max‘ erste Nummer war die eines Kunstreiters auf dem Pferd „Almbua“ von Josef Schäch. Er trat mehrmals als Messerwerfer auf, war chinesischer Starkoch, Seehunddompteur, Großwildjäger und vieles mehr. „Meine Nummern kamen immer einfach aus dem Bauch raus, viel Proben und Üben war einfach nicht meins – und am Ende war das Spontane immer das Beste!“

2006 folgte der Höhepunkt seiner Zirkuslaufbahn. Laut Satzung war damals festgelegt, dass der Posten des Vorstands automatisch mit dem des Direktors einhergeht. Doch als 2006 Georg Hölzl zum Vorstand wurde, übergab dieser die Direktoren-Ehre an Max, der seit Gründung des Zirkusvereins immer im Elferrat engagiert gewesen war.

Tonelli und Max: Eine Liebesgeschichte zwischen gestern, heute und morgen

Mit Standing-Ovation, Blumen und so mancher Träne huldigte man dem Max, der Nachfolger von Jakob „James“ Kappelmeier war, in allen vier Vorstellungen des Zirkus Tonelli 2012, als er den Direktorenfrack, Zylinder und Mikrofon an den jetzigen Direktor Georg Hölzl übergab.

Er ist Dienstältester in der Manege des Grand Cirque, der alle zwei Jahre in Wolnzach gastiert, doch Alterserscheinungen sucht man bei dem 71-Jährigen vergeblich. Voller Power und Tatendrang erzählt er von seinen Plänen für den Zirkus Tonelli 2020: „In meinem Alter kann man kein Seiltänzer mehr sein! Es wird wahrscheinlich eine Clownnummer. Denn Clowns sind wie guter Wein: Sie werden mit dem Alter besser.“