Weil Feuerwehr uns alle angeht

Bei der Generalversammlung der Pfaffenhofener Feuerwehr wurde deren Führungsriege mit großer Mehrheit wieder gewählt. Im vergangenen Jahr gab es wieder zahlreiche herausfordernde Einsätze.

Bericht von Alfred Raths, Januar 28, 2019
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Nervenaufreibender Jahresauftakt

Für weitere sechs Jahre in ihren Ämtern bleiben Karl-Heinz Denk als Vereinsvorsitzender, Quirin Axthammer als sein Vize, Bernd Kirchhoff als Kassier und Sabine Prechter als Schriftführerin. Die 111 Stimmberechtigten wählten im Sparkassen-Casino die Kandidaten mit deutlicher Mehrheit.
„Sowohl körperlich als auch psychisch eine enorme Belastung“ sei mitunter der Dienst als ehrenamtlicher Feuerwehrler, sagte Denk. Der Einsatz einiger Mitglieder – aktuell gibt es derer insgesamt 279 – gehe weit über das normale Maß hinaus. Erfreulich sei die gute Kameradschaft. Denk dankte allen für die vielen Arbeitsstunden in diesem Ehrenamt.

Ehe Kommandant Roland Seemüller in seinem Rückblick mit den beeindruckenden Zahlen aufwartete, erklärte er, dass er aus gegebenem Anlass diesmal auf das aktuelle Jahr eingehen wolle. „An einen solchen Jahresauftakt kann ich mich in meiner über 30-jährigen Laufbahn nicht erinnern. Drei Einsätze im Hilfeleistungskontingent des Landkreises innerhalb von einer Woche. Das war eine Nummer, die nicht alle Tage vorkommt“, so Seemüller. Die Rede war dabei natürlich von den Katastropheneinsätzen in den bayerischen Gebirgslandkreisen.

„Normalerweise haben wir eine Vorlaufzeit von 48 Stunden, um ein Kontingent marschbereit zu machen“, erläuterte Seemüller. Doch als die Alarmierung zur Räumung eines Altenheimdaches in Miesbach gekommen war, habe Kreisbrandrat Armin Wiesbeck schnelle Hilfe zugesagt und „spontan eine neue Kontingentart aus der Taufe gehoben.“ Das „Blitzkontingent“. Innerhalb von nur vier Stunden war alles organisiert worden und 125 Einsatzkräfte der Feuerwehr, des BRK und des THW mit knapp 30 Fahrzeugen seien unterwegs nach Miesbach gewesen.

Zahlreiche Einsätze in der Kreisstadt

Seemüller ließ dann das vergangenen Jahr Revue passieren: 235 Einsätze – wie exakt bereits auch in 2017 – mit insgesamt 9935 Stunden seien angefallen. „Die Einsatzzahlen bleiben stabil, obwohl die Stadt weiterwächst. Viele kleine, zeitaufwendige Einsätze werden seit Mitte des Jahres 2018 von der 24 Stunden Bereitschaft der Stadtwerke übernommen.“ Dies ist eine spürbare Entlastung für die Aktiven. Die Stadt wachse, so Seemüller, „was wir auf der einen Seite kompensieren, wird auf der anderen Seite durch neue Einsätze wieder aufgefüllt.“ Die Brandeinsätze würden mehr, die Drehleiter komme vermehrt bei der Unterstützung des Rettungsdienstes zum Einsatz, Rauchwarnmelder in Wohnungen sowie Wohnungsöffnungen gehörten mittlerweile zum Tagesgeschäft. Während es bei Rauchwarnmeldern selten zu Fehlauslösungen komme, habe es weiterhin Fehlalarme bei Brandmeldeanlagen gegeben. Diese habe man durch konsequente Nachverfolgung der Ursachen und Abstellen der Mängel aber etwas reduzieren können.

Die meisten Einsätze der Pfaffenhofener Wehr wurden mit 85 Prozent im Stadtgebiet abgewickelt. Der Rest erstreckte sich auf den Landkreis. Es gab 154 „Technische Hilfeleistungen“ und 81 Brandeinsätze. 32 Personen konnten aus lebensbedrohlichen Situationen gerettet werden. „Für zwei Personen kam leider jede Hilfe zu spät, sie konnten nur noch tot geborgen werden“, bedauerte Seemüller. „Doch die beste Organisation, Ausstattung und Ausbildung hilft nichts, wenn das Personal dafür fehlt.“ Doch habe die Pfaffenhofener Feuerwehr für einen stabilen Unterbau gesorgt: 92 Aktive für den Einsatzdienst zur Verfügung. „Wir sind zwar mehr Mitglieder, doch sind wir auch etwas älter geworden. Aber macht nichts – denn die nächste Generation steht schon in den Startlöchern, so dass wir nächstes Jahr wieder ein paar Monate jünger werden.“

Personal für die Feuerwehr ist gefragt

Thematisiert wurde von Seemüller auch die Tagesalarmsicherheit: Von rechnerisch 35 Aktiven, die werktags von 6 Uhr bis 18 Uhr zur Verfügung stehen, hat die Kreisstadtwehr eine durchschnittliche Einsatzbeteiligung von 25 Personen. Das sei ein positives Ergebnis jahrelanger gemeinsamer Bemühungen. „Feuerwehr geht uns alle an, das muss noch mehr in den Vordergrund gerückt werden.“ Die Politik sei ebenso wie die Feuerwehrführungskräfte gefragt, Personal für die Feuerwehr zu gewinnen. „Gemeinsam mit unseren Ortsteilfeuerwehren bilden wir die Feuerwehr der Stadt Pfaffenhofen. Wir sind eine große und schlagkräftige Einheit, die sich immer wieder gegenseitig ergänzt und unterstützt.“ Übrigens: Die Feuerwehren der Stadt Pfaffenhofen mit Ehrenberg, Tegernbach oder Uttenhofen rückten 2018 zu insgesamt 316 Einsätzen aus.

„Es zwickt an der ein oder anderen Stelle. Eng wird es in der Feuerwache, überall geht der Platz aus“, bemerkte Seemüller. Die Stadt wachse weiter, dies betreffe auch die Feuerwehr. „Mehr Menschen und mehr Gebäude bedeuten neue Gefahrenpunkte, die es zu beherrschen gilt, wenn es so weit ist.“

Auch an der Zeit, die jeder einzelne Feuerwehrler ehrenamtlich aufbringen müsse, um auf dem Laufenden zu bleiben, zwicke es. „Wir nehmen diese Herausforderungen alle an und suchen gemeinsam mit den Verantwortlichen der Stadtverwaltung nach Lösungen, um auch weiterhin mit einer optimalen Ausgangsposition schnelle und professionelle Hilfe leisten zu können.“

Feuerwehrnachwuchs wächst weiter

Jugendwart Martin Grabmair freute sich darüber, dass das Werbekonzept für Jugendgruppen „ein voller Erfolg“ wurde. So habe der Feuerwehr-Nachwuchs von sechs auf nunmehr 17 Jugendliche gesteigert werden können. Über 3448 geleistete Stunden bei 193 Übungen berichtete unter anderem Vizekommandant Manfred Schweigard. Dazu seien 73 Lehrgänge mit 1207 Stunden gekommen. Kassier Bernd Kirchhoff gab Einblick in die Finanzen: Die Kasse weist ein Plus von rund 1 000  Euro auf. Damit ergab sich zum Jahresende ein Kontostand von 21 440 Euro. Die einstimmige Entlastung des Vorstandes war somit nur noch reine Formsache.

Kreisbrandrat Armin Wiesbeck lobte in seinem Grußwort insbesondere den Einsatz bei der Baiernoil-Explosion. Es habe sich dabei gezeigt, wie hervorragend sich die Feuerwehren des Landkreises gegenseitig unterstützten. Bürgermeister Thomas Herker (SPD) versicherte, dass die Stadt den Erweiterungsplänen der Feuerwehr positiv gegenüberstehe. „Wir werden hier, wie immer, ein offenes Ohr haben. Sobald weitere Flächen verfügbar sind, gehen wir die Sache an!“ Und er bekannte zugleich: „Eine Berufsfeuerwehr würde uns finanziell das Genick brechen.“ Herker wies auch darauf hin, dass im Stadtrat während seiner elfjährigen Amtszeit in Sachen Feuerwehr noch nie gestritten oder geschoben worden sei. Fachlich stehe die Wehr auf höchstem Niveau.

Zahlreiche Ernennungen und Ehrungen

Am Ende der Generalversammlung wurden für langjährige Mitgliedschaft geehrt: Sylvia Bäuml, Andreas Maisel (jeweils zehn Jahre), Bernhard Eisenmann, Georg Hammerschmid, Hellmuth Inderwies, Florian Nischwitz, Bernhard Stadler (jeweils 20 Jahre), Bernhard Käser (25 Jahre), Adolf Jung sowie Anton Sieber (beide 60 Jahre).

Ernennungen beziehungsweise Beförderungen gab es für Jörg Brendel, Armin Hergl, Sebastian Huber, Simon Huber, Fabian Schuhmann, Manuel Seeberg und Florian Zimmermann zu Feuerwehrmännern;  Peter Köpf und Andreas Heckmeier sind nunmehr Oberfeuerwehrmänner;   Simon Moser und Max Prechter können sich jetzt Löschmeister nennen und Christian Schröder Oberlöschmeister.

 

Fotos @Alfred Raths