Göttinnen aus dem Dreck gezogen

Im Januar war in Indien das Global Art Festival, zu dem aus 20 Ländern 66 Künstler*innen eingeladen wurden. Mit dabei: Caroline Jung aus der Hallertau!

Interview von Alfred Raths, März 3, 2019
Fotos: Jung

Einen Monat lang war die Reichertshofener Mosaik-Gestalterin Caroline Jung auf Einladung der Regierung in Indien. Sie war als dort eine von 30 Künstlern aus aller Welt beim ersten Global Art Festival im Bundesstaat Gujarat. Vor nicht allzu langer Zeit kam sie von ihrer Arbeitsreise zurück – und teilte mit uns in einem Interview ihre außergewöhnlichen Eindrücke.

src="Global Art Festival.jpg" alt="Caroline Jung Indien"

hallertau.de: Hallo Frau Jung, schön dass Sie wieder zurück sind. Wie war die Reise?

Caroline Jung: Eine neue Herausforderung, da man teilweise mit Material und Klebern viel improvisieren musste. Aber ich liebe den Orient – allein die Farbenpracht dort zu sehen, macht aus einem schon einen anderen Menschen. Die Seele erholt sich wieder und man kann Kraft tanken, so viel kann eine Kur oder Reha gar nicht bewirken.

Wie kam es denn überhaupt zu der Einladung durch die indische Regierung?

Durch einen Amerikaner, den ich vor fünf Jahren bei dem Chile-Mosaikprojekt kennengelernt habe. Er hatte die Kontakte in Indien und hat die Künstler gezielt selektiert. Wobei das letzte Wort immer noch bei den Organisatoren lag, ob sie einen nehmen oder nicht. Komischerweise bekam ich aber innerhalb von einer Woche das o.k., dass sie mich einladen.

Welche Herausforderungen warteten in Rann Kutsch auf Sie?

Wir hatten zwar Material geordert, aber wussten erst vor Ort, was uns zur Verfügung steht. Wir waren auch noch mit dem Bus unterwegs in den Außenbereichen der Hauptstadt Ahmedabad bei Fliesenherstellern und in einer Glasfabrik, wo wir uns bedienen konnten. Was schwierig war, da wir ohne Vorgabe gearbeitet haben und erst vor Ort wussten, was wir aus dem Vorhandenen machen konnten. Einzige Vorgabe war, fünf verkaufbare Werke zu schaffen. Den Pferdekopf beispielsweise haben wir erst in der Mitte der Zeit bekommen und da hieß es dann „echt Gas geben“, denn bei 3-D-Objekten bearbeitet man ja immer eine größere Fläche.

Was ist aus Ihren Kunstwerken geworden, sind sie jetzt irgendwo ausgestellt?

Die Werke werden gerade professionell fotografiert für einen Katalog und für ein Buch. Es sind diverse Ausstellungen in Indien geplant und auch eine in London. Wir waren übrigens Pioniere für die kommenden Kunstfestivals in der Wüste.

Es gab ja noch weitere Künstler aus 18 Nationen. Die haben sicher auch einiges auf die Beine gestellt, oder? Wie war denn der kreative Austausch?

Es waren Maler dabei, Holzschnitzer, ein 3-D-Künstler, Stoffkünstler, eine Künstlerin, die mit Alkoholtinte gearbeitet hat, ein Photograf aus Japan und sechs Mosaikkünstler. Aus Chile kannte ich bereits 13, aber davon sind sieben zum Malen abgewandert. Wir haben uns viel unterhalten. Und alleine durch die Reihen der Künstler zu laufen und sich über ein Werk zu unterhalten, bringt schon sehr viel Austausch!

Erzählen Sie doch ein bisschen darüber, woher das Mosaik-Material kam und es um dessen Qualität stand.

Wir waren noch in einer Fliesenfabrik, dort lagen zum Beispiel meine Göttinnen Shiva und Parvati als beschädigte Fliese in einem Hinterhof im Dreck. Ich bin zuerst vorbeigelaufen, hab sie aber dann doch mitgenommen und wirklich sehr wirkungsvoll in mein Pferd platziert – die Inder waren begeistert und sie haben es viel fotografiert.

Was hat Ihnen in Indien am meisten zu schaffen gemacht?

Das ewig scharfe Essen, teilweise hatte ich nur Gurken- und Tomatenscheiben mit Naturjoghurt und Banane auf dem Teller. Ich habe nochmals 3,5 Kilo an Gewicht verloren in der Zeit meines Aufenthalts. Die Leute sprechen dort Gujarati und sind touristisch noch sehr unterentwickelt. Manche habe dir eine Frage in Englisch gestellt, aber dann meine Antwort schon gar nicht mehr verstanden.

Fühlten Sie sich gerade als Frau jederzeit sicher im Land?

Jaaaa! Selbstverständlich, die Menschen beobachten gerade Touristen sehr genau und wenn die sich suchend umschauen, ist gleich einer zur Seite und fragt nach. Man geht nicht verloren und sie sind immer freundlich und zuvorkommend.

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Haben Sie die Nächte unter indischem Himmel gut geschlafen?

Wir konnten Tag und Nacht arbeiten, manche gingen lieber nachts ins Zelt zum Arbeiten, andere in den frühen Morgenstunden. Ich war am arbeiten, wann immer ich wach wurde und das war auch ab und an nachts. Wobei es in der Wüste tagsüber an die 30 Grad hatte und es nachts auf sieben bis zehn Grad runterging. Das bedeutet also viel heißen Tee trinken und Pullover anziehen.

Blieb denn neben all der Schaffensarbeit auch noch Zeit für private Dinge?

Oh ja, mein Koffer war auf der Hinreise voll mit Arbeitskleidung, die ich am Ende mitsamt zwei Paar Schuhen an Bedürftige verschenkte. Zurückgekommen bin ich mit einem Koffer, der ein orientalischer Traum war.

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