Grenzenlos #11: Untergetaucht im Hopfenland

Jetzt noch ein letzter Check mit eurem Buddy. Alles klar? Dann wird jetzt mit Tauchlehrer Giovanni Demmel abgetaucht.

Lisa Schwarzmüller
Portrait von Lisa Schwarzmüller, August 12, 2020

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Giovanni Demmel mag auf den ersten Blick bodenständig und schnörkellos daherkommen – wenn er über seine große Leidenschaft zu erzählen beginnt, spürt man in jedem Wort seine jahrzehntelange Erfahrung. Giovanni, der eigentlich Johann Werner heißt, ist Tauchlehrer mit Leib und Seele. Eher ungewöhnlich ist dabei, dass seine Tauchbasis inmitten eines bayerischen Hopfenanbaugebiets in Geisenfeld-Zell liegt und nicht zwischen Sanddünen und rauschenden Meeresbuchten. Umso interessanter finden wir seine Geschichte, die unsere Heimat aus einer ungewohnten Perspektive beschreibt.

Bayerische Unterwasserwelten: Ein Hecht im Echinger Weiher hat es sich zur Gewohnheit gemacht, mit Giovanni mitzutauchen.

Eine ungewöhnliche Geschäftsidee

Als Giovanni die Faszination für den Tauchsport packte, war die Welt an Seen, Meeren und Flüssen noch eine andere. Auf nahezu 15 Millionen Hobbytaucher wird die Zahl der aktiven Taucher heute weltweit geschätzt. 1974, als Giovanni als aktiver Schwimmer und Tauch-Fan zur Bundeswehr kam, steckte der moderne Tauchtourismus wie wir ihn heute kennen noch in seinen Kinderschuhen. Während seiner Zeit beim Bund lernte er in Ingolstadt seine damalige Frau kennen und blieb in der Region hängen. Giovanni erkannte damals ein wachsendes Interesse für seinen Sport – und damit auch einen wachsenden Markt, obwohl das nächste Meer mehr als 500 km entfernt liegt. Bald eröffnete er seine erste eigene Tauchschule mit Geschäft. „Im Keller waren die Kompressoren gestanden und im Dachspeicher war die Werkstatt“, erzählt er. Am Geisenfelder Lorenzisee bildete er jahrelang ambitionierte Taucher aus. „Jedes Wochenende waren wir draußen und haben dort Ausbildungen gemacht, im LKW hatten wir die Kompressoren. Der Kieswerkbesitzer hat dann bei mir das Tauchen gelernt.“

Bei einem Kieswerkbesitzer sollte es dabei nicht bleiben. In die lange Liste seiner Tauchschüler reihen sich auch zahlreiche Profifußballer. Regelmäßig bietet er für die DFB-Kicker VIP-Ausbildungen an – Simon Jentzsch, Michael Wiesinger, Stefan Aigner und viele mehr haben sich bei ihm schon ihre Tauchlizenz abgeholt. Er hat sich seinen Ruf hart erarbeitet, nicht zuletzt durch Integrität und einen universellen Grundsatz: Der Bessere passt immer auf den Schwächeren auf. „Der wichtigste Mann unter Wasser ist der Schnuppertaucher“, betont Giovanni. Seit 38 Jahren hatte er dank dieser Prämisse keinen Tauchunfall mehr.

Die Hallertau unter der Wasseroberfläche?

Giovanni taucht mit seinen Schülern in Bayern oder organisiert Tauchfahrten an andere Plätze. Farbenfrohe Fische, Korallen und schimmernde Muscheln findet der gebürtige Pfälzer in und um seine Geisenfelder Wahlheimat weniger. Auch wenn es hier im Schnitt nur um die neun Meter hinunter geht, tut das seiner Tauchbegeisterung keinen Abbruch „Jedes Gewässer ist super interessant. Das Licht und die Farben vom Roten Meer fehlen uns natürlich. Aber man glaubt gar nicht, was man auch hier alles findet“, meint er. Denn tolle Taucherlebnisse hatte er auch schon in den bayerischen Seen. Ein Beispiel: „Ich erinnere mich gerne an eine Begegnung mit einem Waller in unserem ehemaligen Geisenfelder Ausbildungssee. Tagsüber liegen die an irgendwelchen Stellen, aber nachts werden die aktiv und da ist einer begleitend mitgetaucht. Wenn da so ein 1-Meter-70-Waller daher kommt, da hält man schon mal kurz die Luft an.“

Tauchen darf er im Lorenzisee derzeit leider nicht mehr. Wenn er die Freiwasserausbildung mit seinen Schülern macht, muss er derzeit Richtung München an den Echinger Weiher fahren. Für die Zukunft sieht er für den Tauchsport bei den Feilenmooser Seen direkt vor seiner Haustür aber ein großes Potenzial, selbstverständlich immer unter Achtung des Naturschutzes und der Interessen von Fischern und Anliegern. „Seit letztem Jahr wird EU-mäßig versucht, einen See zu finden, wo man sagt: hier darf man tauchen. Die Verhandlungen darüber sind gerade ein bisschen in Stillstand geraten. Aber es gäbe in der Hallertau einige Seen, die sehr interessant wären“, so Giovanni. Und wäre das mal nicht eine ganz neue Facette: Das Hopfenland, aber im Tauchgang?

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