Hallertauer Manpower gegen Miesbacher Schneemassen

Wenn die Schneewände immer höher werden, heißt es "Ran an die Schaufel". Ein Hilfstrupp aus dem Landkreis Pfaffenhofen folgte kürzlich dem Hilferuf der Gemeinde Bayrischzell im Landkreis Miesbach.

Interview von Simone Huber, Januar 17, 2019
Fotos: Simon Westermair
Bayerns Süden im schneebedingten Ausnahmezustand

Morgens, 06.00 Uhr. Als die meisten von uns noch in ihrem Bettchen schlummern, tritt Simon Westermair an zum Schneeschippen auf den Dächern im Süden Bayerns. Er erzählt von seinem Erlebnis im oberbayerischen Katastrophenlandkreis Miesbach. Ganze Dörfer drohten letzte Woche unter der Schneelast zu ersticken. Die Helfer vor Ort reichten nicht mehr aus, um die weißen Massen zu beseitigen. Einer der betroffenen Landkreise ist Miesbach im bayerischen Oberland. Der Wolnzacher „Wintersoldat“ Simon Westermair war einer von 126 Mann, die in 26 Fahrzeugen aus dem Landkreis Pfaffenhofen Richtung Holzkirchen ausrückten.

Hallertau.de: Simon, lass uns gleich mal zur allgemeinen Stimmung vor Ort gehen. Wie waren die Leute drauf? Eher ruhig oder panisch?

Simon Westermair: Panisch nicht. Ich hatte sogar den Eindruck, dass manche den Einsatz von so vielen Einsatzkräften für übertrieben halten. Vielleicht weil sie bei dem ein oder anderen Gebäude den Ernst der Lage nicht erkennen.

Worin genau bestand eure Tätigkeit?

Hauptaufgabe war, den Schnee von den Hausdächern runter zu befördern. Was unten mit den Schneepässen passierte, oblag der Pflicht der jeweiligen Hausbesitzer. Die akute Gefahr jedoch bestand auf den Dächern.

Musstet ihr euch in besonders gefährliche Situationen begeben?

Nein, die gab es glücklicherweise nicht, weil jeder zuvor eine Sicherheitseinweisung erhält. Außerdem ist man in Trupps abgesichert, um jegliche Gefahr auszuschließen.

Ihr tut unheimlich viel für die Bevölkerung. Wird das auch wertgeschätzt? Oder gilt es als Selbstverständlichkeit?

Naja, die Reaktionen sind durchaus gemischt. Einesteils merkt man die Dankbarkeit. Allerdings ist das ja bereits der achte Tag, an dem irgendwelche Truppen anrücken. Der ganze Ort war voller Feuerwehrler. Daher war bei manchem Bewohner ein gewisser Überdruss zu spüren. Die konnten das langsam nicht mehr sehen. Denn eigentlich lebt das Gebiet ja stark vom Tourismus. Nichtsdestotrotz waren wir angehalten, dem Hilferuf des Landratsamtes Miesbach nachzukommen, gerade weil manche Bürger die Notwendigkeit nicht sahen, ihre Häuser frei zu räumen. Da heißt es dann salopp: „Nein, das braucht es nicht“.

Aha, das klingt super anstrengend! Damit das gelingt, müssen alle zusammenhelfen.

Einzelkämpfer gibt es in der Feuerwehr grundsätzlich nicht. Wenn man nicht zu Teamarbeit fähig ist, ist man fehl am Platz. Der Teamzusammenhalt ist das A und O in einer Feuerwehr. Jeder muss auf den anderen schauen, sonst kommt man in Teufels Küche.

Der Wolnzacher Simon Westermair bei seinem Einsatz im Landkreis Miesbach.

Kommt man da nicht körperlich und mental an seine Grenzen?

Es gibt Schlimmeres. Mental belastet hat mich das nicht. Vielmehr war es interessant, die Organisation eines Katastrophenkontingents aus Rotem Kreuz, Freiwilliger Feuerwehr, Polizei und Technischem Hilfswerk mitzuerleben. Es schwebte ja niemand in akuter Lebensgefahr, und Todesfälle gab es auch keine.