Hallertauer Originale #2: Hopfendirigent Georg Neumeier

Unsere Serie geht weiter - mit dem Steinbacher Hopfenbauer und Musikant Georg Neumeier. Ihr dürft gespannt sein auf einen einmaligen Lebenslauf.

Interview von Michael Urban, August 12, 2019
Bilder@ Maxi Schwarzhuber und Michael Urban

HALLERTAUER ORIGINALE

Wer die Hallertau besser verstehen will, der muss ihre einzigartigen Persönlichkeiten kennenlernen. Sie verkörpern das Wesen der Hallertau – und prägen die Region genauso wie die Hopfengärten, Wälder, Hügel, Fußballplätze, Pferde, Kapellen oder ihre verwinkelten, geheimnisvollen Ecken. Geht mit uns auf die Reise – wir stellen euch unsere Unikate vor. Dieses Mal mit Hopfenbauer und Musiker Georg Neumeier.


Drei Hektar Hopfen – heutzutage eine Seltenheit für einen Hopfenbauern. Im Schnitt sind die Betriebe ungefähr 19 Hektar groß. Trotzdem ist es die richtige Größe für Georg Neumeier. Er betreibt den Hopfenanbau im Nebenerwerb, nachdem er das Leben in alle erdenklichen Richtungen getestet hat: Aus einer frühen, klassischen Musikerziehung wurde im Alter von 13 Jahren ein Engagement in der Punk-Rock-Band „Color Bone“, mit der er „fast erfolgreich“ und in den USA auf einer Mini-Releasetour war. Nach seiner Ausbildung zum Zimmerer winkte der Zivildienst; Georg nutzte allerdings die Chance, im Musikkorps der Bundeswehr Musik zu studieren. Von 2002 bis 2015 arbeitete er als Militärmusiker. Während der Ausbildungsphase zum Förderlehrer fand er aber heraus, dass dies nicht das Richtige für ihn war, und so übernahm er 2017 die Leitung der Marktkapelle in Au und auch verstärkt die Zügel in der elterlichen Landwirtschaft.

Georg ist Diplom-Musiker, ehemaliger Soldat und Zimmerer, Hausmann, Vater, Hopfenbauer und eben ein „bunter Hund“ – im besten Sinne. Im Interview erzählt er uns, dass er sich für nichts zu schade ist, er seine Freiheit braucht und was sein Dasein als Hopfenbauer alles mit sich bringt.

Hallertau.de: Servus Georg, heute geht es um dich als Hopfenbauern. Wie viel Raum nimmt die Landwirtschaft bei dir ein?

Georg Neumeier: Der Hopfen ist – mit ein wenig Wald – eher ein Nebenerwerb. Ich kombiniere mehrere Dinge im Nebenerwerb, weil ich Hausmann, Hopfenbauer und natürlich Musiker in einem bin. Da bin ich viel unterwegs und deswegen ist mir wichtig, dass ich mein eigener Herr bin. Bis jetzt klappt es recht gut – „des basst“.

Du hast in deinem Leben nichts anbrennen lassen und einiges ausprobiert. Sicher eine aufregende, aber auch intensive Zeit, wenn daheim noch der Hof und die Familie auf einen warten.

Ja, und 2014 wurde ich von der Bundeswehr zurück nach Garmisch versetzt. Weil ich bei der Familie und den zwei Kindern sein wollte, bin ich fast täglich hingependelt, 160, 170 Kilometer einfach. Das war eine Mordsfahrerei, auch wenn die Dienstzeiten human waren. Allerdings kamen Nachmittags- und Abenddienstzeiten hinzu, auch mal Schichten am Wochenende und Auslandseinsätze, zum Beispiel Übergabe-Apelle. Vier, fünf Mal waren wir im Kosovo, dann auch in Nordfrankreich oder Istanbul, wo wir für den deutschen Konsul mit einem klassischen Blechbläserquintett vor 800 Gästen gespielt haben. Mit so einer Besetzung kann man so schöne Sachen machen, von Militärmärschen bis hin zu Beatles-Songs. Das waren tolle Erfahrungen. Zum Hopfenandrehen und zur Ernte konnte ich meist Urlaub nehmen, auch wenn das manchmal nicht ganz einfach war, weil ja das ganze Militärorchester immer gemeinsam in den Urlaub ging.

„Freilich muss man beim Militär auf Zack sein – aber das muss man bei der Musik auch, damit es sauber klingt.“

Georg Neumeier

Nach Stationen wie Punk-Rock-Band, Zimmererlehre, Fachabitur, Wehrdienst mit Musikstudium, Ausbildung zum Förderlehrer bist du dann doch wieder verstärkt beim Hopfen gelandet. Wie kam das zustande?

Der Hopfen ist die ganze Zeit bei uns daheim am Hof weitergelaufen. 2011 hat mein Vater, Georg senior, die Rente eingereicht, da musste er den Hof entweder verpachten oder übergeben. Ich habe den Hof damals offiziell übernommen, meine Eltern waren aber noch rüstig und haben weiterhin landwirtschaftlich gearbeitet. Die Hälfte haben wir verpachtet, wir hatten dann nur noch vier Hektar Hopfen. Der Übergang zum jetzigen Konstrukt passierte dann fast wie von selber.

Wie sieht es mit eurem Maschinenpark und dem Personal aus?

Ich habe drei Traktoren und ein Abreißgerät mit Ladewagen. Ich fahre den Hopfen rein, mein Vater dörrt und meine Mutter hängt ein. Da wir keine fremden Leute haben, sind wir sehr flexibel, was die Arbeitszeiten anbelangt. Aber meine Eltern sind jetzt 73 und 72 Jahre alt und das merkt man einfach. Hopfen andrehen würde auch ohne meine Vater gehen, aber beim Düngen und Spritzen kann ich mich voll auf ihn verlassen. Und ich denke mir, er braucht auch eine Aufgabe, wo er gefordert ist und Verantwortung hat. Das kommt oft bei älteren Leuten zu kurz.

Kommt ihr da gut zusammen? Schließlich haben verschiedene Generationen auch verschiedene Herangehensweisen.

Mei, der Vater ist eben noch einer vom alten Schlag. Wie gewohnt spritzen, dann sind die Läuse hinüber und die rote Spinne kommt auch nicht mehr. Ich möchte in der Zukunft mal ein bisschen alternativere, biodynamische Sachen ausprobieren.

Georg Neumeier senior hilft noch fleißig mit.

„Wenn eine Sache schief geht, dann macht das nichts, dann hat der Georg andere Sachen. Ich bin ihm nicht böse, dass er die Landwirtschaft nicht Vollzeit übernommen hat.“

Georg Neumeier senior

Georg Neumeier ist gelernter Zimmerer - das merkt man, wenn man seinen Hof begeht.
Borkenkäferholz soll für ein Baumhaus dienen.

„Der Georg muss nicht unbedingt vom Hopfen leben. Er sieht das lockerer.“

Martin Eichstätter (Nachbar)

Im Großen und Ganzen geht es dir darum, deine Familie zusammen und fit zu halten und ein großes Maß an Freiheit zu bewahren.

Ja – ja. Sich die Arbeit selber einteilen, musikalische Geschäfte annehmen, wie sie einem taugen. 2017 habe ich eine Anfrage vom Helmut Schranner und seinen Hallertauer Musikanten bekommen, ob ich nach Beirut mitfahren will, das hat sich gut angehört. Daraus entstand die Anfrage, ob ich bei dieser Truppe fest anfangen will. Das mit der Förderschule hatte ich aufgehört, weil mir etwas gefehlt hatte, also dachte mir: ‚Ok, dann fange ich beim Schranner an‘. Im März 2018 waren wir in Singapur, das sind Dinge, die man machen kann, wenn man arbeitstechnisch flexibel ist.

Was genau macht einem Tausendsassa wie dir am Hopfen am meisten Spaß?

Natürlich die Ernte und das Hopfenreinfahren – das habe ich schon mit 14 Jahren gemacht. Auch wenn ich nicht der Computerfreak bin, mag ich Arbeit mit Technik, Arbeit, bei der man Ergebnisse sieht. Den Schwimmteich hier drüben am Haus habe ich zum Beispiel selber ausgebaggert.

Wenn du gerne Resultate siehst, bist du sicher auch auf die eine oder andere Sache besonders stolz, oder?

Mein Vater hat gesagt, er hat noch nie so gute Verträge abgeschlossen, wie ich sie vor ein paar Jahren abschließen konnte. 2016 war ein wirklich gutes Hopfenjahr, da hatten wir auch noch ein bißchen Freihopfen. Damals hatten wir noch vier Hektar. Das ist einfach eine schöne, überschaubare Fläche, da sind wir in einer Woche mit dem Hopfenausputzen fertig. Effektiv ernten wir sechs bis sieben Tage den Hopfen, verteilt auf zwei, drei Wochen. Da wir ein Familienbetrieb sind und mit der Musik etwas dazwischen kommen kann, ist diese Flexibilität gut. Der Hopfen kann dann abliegen und vor dem Pressen Luft ziehen, das muss er auch, denn wir haben keine Konditionierungsanlage. Von dem her haben wir erst eine Sorte gezupft und nach einer kleinen Pause dann den Rest.

Ihr arbeitet demnach schon ein bisschen anders als andere Hopfenbauern.

(lacht) Ja, ich werde von der Fläche her immer kleiner anstatt größer. Ich habe mit acht Hektar angefangen, dann waren es vier, jetzt sind es nur noch drei.

Also gegen den Trend. Was sind die größten Herausforderungen, denen du dabei begegnest?

Die Maschinerie ist teilweise veraltet, die braucht Pflege und Instandhalten. Dann war sicher der Generationenübergang eine Herausforderung, die Zeiten ändern sich, beide Elternteile sind berufstätig und da muss man sich schon manchmal „zusammenraufen“. Dafür leben wir jetzt umso harmonischer zusammen, da bin ich stolz drauf.

Wie geht’s weiter bei dir? Noch kleiner kannst du ja kaum werden, oder?

(lacht) Ich darf gar nicht mehr kleiner werden, sonst funktioniert das mit der Sozialversicherung nicht mehr. Wenn ein Kind mal später in die Landwirtschaft einsteigen will, dann stehe ich natürlich mit Rat und Tat zur Seite. Dann müssten wir halt wieder größer werden. Wenn die Hopfenpreise runtergehen, dann müsste ich wieder mehr auf die Musik setzen. Ich bin für alles offen, solange es Spaß macht.

„Da Musi nochlaffa bringt nix. Was G’scheit’s kimmt vo selba.“

Georg Neumeier