Happy-End für 16 Pfoten

Es war ein Fall, der Mitte November bundesweit Aufsehen erregte: 134 Hunde lebten auf einem Grundstück unter miserablen Bedingungen und waren in einem erbärmlichen Zustand. Vier davon kamen nach Pfaffenhofen. Was wurde aus ihnen?

Bericht von Alfred Raths, Januar 1, 2019
Fotos @Alfred Raths

Die Vierbeiner wurden nach einer spektakulären Aktion von den Behörden einkassiert und auf zahlreiche Tierheime in Bayern verteilt. Vier Hunde kamen in der Pfaffenhofener Tierherberge unter und es war zunächst nicht absehbar wie und wann sich die Tiere von den psychischen und physischen Strapazen erholen. Kurz vor dem Heiligen Abend war klar: Alle vier haben die Strapazen gut überstanden und sind jeweils in fürsorglichen Händen.

Schlimme Verwahrlosung und Quarantäne

„Wir haben die vier Hunde völlig verwahrlost bekommen. Sie hatten massiven Floh-, und extremen Giardienbefall“, schildert Tierheimleiterin Sandra Lob ihr Entsetzen, als sie die Tiere aus Obermaxfeld im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen  in Empfang nahm. Bei Giardien handelt es sich um Darmparasiten, die sich besonders in Stresssituationen explosionsartig vermehren. „Weil Giardien auch auf Menschen übertragbar sind, mussten sich die Tierheim-Mitarbeiter, die mit den vier Hunden in Berührung kamen, immer besonders schützen und die Klamotten und Schuhe nach dem Kontakt wechseln“, sagt Lob. Ein großer Aufwand sei es auch gewesen, beispielsweise Decken oder andere Gegenstände entweder zu entsorgen oder auf peinliche Sauberkeit mit Desinfektion zu achten. „Wir haben alle vier Hunde vom Tierarzt behandeln lassen. Deswegen waren die Hunde bis 14. Dezember in Quarantäne. Wir sind da lieber vorsichtig, weil wir die Ansteckungsgefahr verringern, beziehungsweise ausschalten wollen“, betont Lob.

Eine spektakuläre Rettungsaktion

Woher die Tiere kamen, ehe sie in Obermaxfeld bei den anderen 130 Hunden landeten, dies sei nicht nachvollziehbar. Gewiss ist, dass der Tierhalter bereits mehrere Jahre unter Beobachtung der Behörden stand. Den Schlusspunkt seiner Machenschaften setzte am 16. November die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ mit einer aufsehenerregenden Scheinkauf-Aktion, die schließlich auch die Polizei mit auf den Plan rief. Ein Ermittlungsverfahren läuft. Als offensichtlich wurde, wie viele Hunde dort untergebracht waren, startete der Deutsche Tierschutzbund ein Mailrundschreiben an bayerische Tierheime mit der Bitte um Aufnahme der Vierbeiner nach den jeweiligen Möglichkeiten. Insgesamt 22 Tierheime bis hinauf nach Selb und Hof waren schließlich dazu bereit und auch in der Lage, sie unterzubringen. „Wir haben hier in Pfaffenhofen aus Platzgründen leider nicht mehr aufnehmen können. Natürlich muss man in einer solchen Notsituation kooperativ handeln. Unter den Tierheimen war es selbstverständlich, hier zu helfen“, sagt Lob. Selbst war sie in Obermaxfeld nicht und kennt die Verhältnisse vor Ort deshalb nur aus Erzählungen: „Es muss jedenfalls wirklich hammermäßig dort gewesen sein.“

Murphy, Merlin, Marlon und Marley

Bei den Neuzugängen handelte es sich um den Rauhaardackel Marley, der mit ungefähr zehn Jahren der älteste Hund im Quartett war. „Äußerst menschenbezogen, freundlich und immer gut gelaunt“, beschreibt ihn Lob. Eine dringend notwendige Zahnsanierung brachte er im Pfaffenhofener Tierheim hinter sich. Zwei Zähne musste er dabei lassen. Leider wurde bei ihm auch eine Herzinsuffizienz festgestellt. Merlin dagegen zeigte sich als erst ungefähr zwölf Wochen alter Labrador-Mischling auffällig schüchtern. „Warum, wissen wir nicht. Vielleicht hat er keine menschliche Sozialisierung erfahren“, mutmaßt Lob.  Ein weiterer Labrador-Mix, mit ebenfalls vermutlich zwölf Wochen, erhielt den Namen Murphy. Das Sorgenkind allerdings war der zuwendungsbedürftige Marlon, ein circa zehnjähriger Dackel-Mischling mit Blutdruckproblemen und kleinem Tumor über dem Auge, der während seines Aufenthalts in Pfaffenhofen operiert wurde. „Unsere fünf beauftragten Hundedienstler waren spitze und sehr engagiert“, erklärt Lob. „Die Belohnung dafür ist, dass wir Murphy, Merlin, Marlon und Marley soweit wieder herstellen konnten. Sie dankten es mit ihrer besonderen Liebe, vor allem die beiden älteren Dackel.“

Endlich ein Zuhause

Doch die beste Nachricht überhaupt ist, dass alle vier Vierbeiner noch vor dem Heiligen Abend ein neues, liebevolles Zuhause gefunden haben. Drei sind nun weiterhin im Landkreis Pfaffenhofen, einer im Raum München. Lob sagt, dass es sich um eine Ausnahme handelte, die Tiere vor Weihnachten abzugeben. Ansonsten herrscht nämlich im Pfaffenhofener Tierheim, wie in vielen anderen Tierheimen in Bayern auch, ein Abgabestopp zu dieser Zeit. „Wir wussten aber auch, dass es in den jeweiligen Familien zu dieser Zeit ruhig über die Bühne geht und kein Weihnachtstrubel herrscht!“