Herzdame der Landwirte

Bayerns christsoziale Agrarministerin Michaela Kaniber hatte vor ihrer Amtseinführung praktisch keinerlei Berührung mit der Landwirtschaft. Umso vehementer kämpft sie nun für den Bauernstand. Ein Glücksfall.

Ein Bericht von Alfred Raths, August 10, 2018

Karl Straub wagte kürzlich in Wolnzach bei einer Abendveranstaltung der Pfaffenhofener Kreis-CSU und der Kreis-Frauenunion im Deutschen Hopfenmuseum die Aussage: „Sie hat die Herzen der Landwirte im Sturm erobert!“ Womit der hiesige CSU-Landtagsabgeordnete ziemlich wahrscheinlich gar nicht einmal so falsch liegt.

Sorge um Europa-Politik

Wenn es um unsere Landwirte geht, können wir uns keine Spielchen erlauben“, so Kaniber. Sie seien Leistungsträger, die Bayern ausmachten. Zuvor sprach die Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten mit besorgtem Unterton über die europäischen Agrarpolitik: „Wir stehen derzeit vor unglaublichen Herausforderungen.“ Anlass dazu gibt ihr die Ankündigung aus Brüssel, wonach es in Zukunft weniger Geld für die Landwirte geben soll. Sorgenfalten zeichnen sich bei Kaniber aber auch wegen der Düngeverordnung ab, wonach unter anderem Gewässer vor Verunreinigungen durch Nitrat aus landwirtschaftlichen Quellen geschützt werden sollen. „Ich werde es nicht zulassen, dass man komplett alle Landwirte eigentlich in eine Ecke stellt, dass eigentlich alle mit ihren Güllefässern hinausfahren und sich an der Umwelt versündigen“, ließ sie die versammelten Honoratioren, CSU-Anhänger, Bauern und sonstigen Interessierten im Hopfenmuseum wissen. Außerdem prangerte Kaniber den Hang der Verbraucher an, bei Lebensmitteln zu sehr auf den Geldbeutel zu schauen. Es könne nicht gutgehen, wenn sie nicht bereit seien, mehr dafür zu bezahlen. Ebenso trage aber auch der Lebensmittel-Einzelhandel ein erhebliches Maß an Verantwortung. Dass ein Liter Milch weniger koste als ein Liter Wasser „das erschüttert mich“, so Kaniber.

Kräftiger Applaus vom Plenum

„Bayern ist nicht irgendein Land, und wir werden alles dafür tun, dass Bayern auch sein Gesicht bewahrt. Und das ist in erster Linie das Verdienst unserer Landwirte.“ Kaniber sagt das nicht aus Pflichtgefühl. Sie ist davon überzeugt. Womöglich trägt dazu auch bei, dass die 40-Jährige in Bayerisch Gmain lebt, einem etwas über 3000 Seelen zählenden Dorf im Berchtesgadener Land. Sie hat übrigens sogar Migrationshintergrund. Ihre Eltern kamen in den 1970er Jahren aus Kroatien nach Deutschland und betrieben in dem Ort einen Gasthof.

Heimat ist auch da, wo ich mich sicher fühle“, erklärt die Mutter dreier Töchter im Alter von 14, 17 und 18 Jahren in aller Deutlichkeit. Ihr Mann ist Polizeibeamter. Naheliegend, dass sie voller Überzeugung sagte: „Für mich ist Polizei, Grenzschutz und auch eine Grenzpolizei schon ein sehr sehr wichtiges Instrument.“ Der „Dreiklang aus Bundespolizei, Landespolizei, Grenzpolizei und Schleierfahndung funktioniert im Grenzraum so klasse, dass man das auch immer wieder mal betonen muss.“ Kräftigen Zwischen-Applaus erhielt sie von den Zuhörern für ihre Meinung: „So lang Europa es nicht schafft, seine Außengrenzen zu kontrollieren, ist es einfach nur richtig und wichtig, dass wir ein Stück weit selber darauf schauen, wer in unser Land kommt und vielleicht auch hier bleibt.“

„Heimat ist auch da, wo ich mich sicher fühle.“

Agrarministerin Michaela Kaniber

Asyldebatte: Respekt und Fairness

Gerade wegen ihres Migrationshintergrundes erhalten ihre Aussagen zum Asylthema eine besondere Bedeutung. „Meine Wurzeln sind in Kroatien und ich kann Ihnen nur sagen, diese ganze Debatte, die hier gerade läuft, über all die Menschen, die in unser Land kommen, ist auf der einen Seite berechtigt doch auf der anderen Seite nicht immer ganz fair.“ Mit Sicherheit suche ein Großteil dieser Menschen tatsächlich Schutz. Doch wünsche sie sich auch, „dass man dem Gastland mehr Respekt entgegenbringt.“

Da hat Ministerpräsident Markus Söder (CSU) offenbar die richtige Entscheidung getroffen, als er Kaniber zur Agrarministerin machte, nachdem ihr Vorgänger Helmut Brunner (CSU) sich nicht mehr für das Amt zur Verfügung stellen wollte. Die 40-jährige gelernte Steuerfachangestellte ist erst seit 2013 im Landtag und beschäftigte sich überwiegend mit der Sozial- und Wissenschaftspolitik. Zur oberbayerischen CSU gehört sie seit etwa 15 Jahren und zeigt sich seither als durch und durch bayerisches „G‘wachs“.

Die Gäste im Hopfenmuseum mahnte sie indes, nicht zu vergessen, was Bayern ausmache; das „hohe Maß an Lebensqualität“ und innerer Sicherheit oder die exzellente soziale Absicherung beispielsweise. „Das gibt es sonst nirgends!“ Nach dem offiziellen Teil der Veranstaltung nahm sich die Ministerin dann noch unerwartet viel Zeit für Gespräche – natürlich mit den Bauern.

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