„I don`t suck at this!”

Alles begann mit Musik im Keller. Was daraus wurde? Prior the End! Die Jungs der Alternative-Metal-Band aus dem beschaulichen Rohrbach erwecken mit ihrem Talent, ihrer Leidenschaft und viel Begeisterung die Bühne zum Leben.

Portrait von Aylin Rauh, Februar 23, 2019
Hinter den Kulissen: Für unseren Beitrag durften wir die Jungs abseits der Bühne treffen.
Die Wurzeln

Musikalische Wurzeln schlugen Sänger Alex Weiß (26), die Gitarristen Raphael „Raphi“ Gerkl (22) und Alexander „Lex“ Schmidl (26), Bassist Sebastian Roith (23) und Drummer Christian „Chrissy „Schmidt schon früh in ihrer Kindheit. „In der Zeit, als ich angefangen habe, mich für Musik zu interessieren, war eben – heute kaum vorstellbar – unter Jugendlichen, die Rock, Punk-Rock-Schiene sehr beliebt“, so Schlagzeuger Chrissy. Die Ärzte, Nirvana – alles, was die Eltern nicht hörten, war interessant.

Oder eben anders herum: „Ich habe mich als Kind durch die Vinyl-Sammlung meines Dads gewühlt und bin damals mit Rockmusik in Berührung gekommen“, erzählt Sänger Alex. Bei Roith war es die große Schwester, die den Grundstein durch Platten von Placebo oder System of a Down legte. In ihrer Jugend folgten dann die großen Metal-Helden, von Rammstein über In Flames und Metallica.

So klingt die Hallertau

Eine Empfehlung für alle Metal-Fans! Prior the End ist eine Alternative-Metal-Band aus Rohrbach. 2016 brachten sie ihr Debutalbum „The worst is yet to come“ heraus und gingen 2018 aufgrund ihres fünfjährigen Jubiläums auf Tour durch Bayern.

Das Klischee „Heavy Metal“

Dass es Vorurteile gegenüber ihrer Szene gibt, wissen die Jungs ganz genau. Stören tut sie das wenig. Jeder habe zwar seinen eigenen Musikgeschmack, aber dennoch müssten Leute erst einmal den Gedanken „Lärm und Aggression“ beiseite schieben. Kritiker sollten sich nach Meinung der Rohrbacher erst mal tiefgründiger mit Metal auseinandersetzen, bevor sie irgendein Statement dazu abgeben. „Das Genre ist über die Jahrzehnte so groß und vielfältig geworden, dass diese Klischees nur noch zum Teil zutreffen“, sagt Lex. Die meisten Musiker in dem Bereich seien professionell ausgebildet und legen Wert auf komplexes und progressives Songwriting. Auch das typische Klischee, das Leben eines Rockstars würde nur aus „Sex, Drugs and Rock’n’Roll“ bestehen, dementieren sie. Spaß ist für sie natürlich trotzdem ein Bestandteil der Musik.

Die Gründung

Was mit Spaß begann, entwickelte sich schnell zu einer Basis, einer musikalischen Leidenschaft, die jedes Bandmitglied miteinander verbindet. Ganz altmodisch, wie aus einem Rockband-Märchenbuch ist dabei die Geschichte, wie sie sich kennenlernten. „Die Originalbesetzung der Band habe ich auf dem Gymnasium kennengelernt. Und dann haben wir einfach angefangen, in der Pause miteinander rumzuhängen. Dann kam eins zum anderen“, erklärt Frontman Alex. Die ersten Proben fanden in Chrissys Keller statt, mit wenig Ahnung und noch weniger Vorstellung, wie man damit etwas erreichen könnte. Die Liebe zur Musik stand im Vordergrund. Ohne die für manche junge Musiker symptomatische Träumerei, das Leben eines Rockstars verfolgen zu müssen, machten sie einfach weiter.

„Irgendwann merkten wir, dass die Resonanz, die wir bekamen, meistens recht positiv ausfiel und die Leute um uns herum ermutigen uns weiterzumachen.“ Hürden und Tiefen mussten die Musiker auf ihrem Weg trotzdem überwinden. „Wir waren am Anfang sehr blauäugig und gutgläubig gegenüber der Musikindustrie“, sagt Raphi. Trotzdem haben sie versucht, ihre Erfahrungen mitzunehmen und daraus zu lernen: „Wir haben mittlerweile gelernt, nicht alles als selbstverständlich anzusehen. Wir sind kritischer geworden und schätzen jeden kleinen Fortschritt, der sich uns offenbart.“

Das erste Album

Eine der Hürden war der Besetzungswechsel Anfang 2016, wodurch Gitarrist Lex ins Spiel kam. Ihn kannte Alex schon vorher durch seine erste Band. „Ich habe ihn als neues Mitglied vorgeschlagen, da ich ihn als Freund und Musiker sehr schätze und wusste, er würde gut zu uns passen.“ Die Gigs vermehrten sich, die Proben und ihr Songmaterial wurde professioneller und anspruchsvoller. Irgendwann hielten sie dann ihre erste Platte in der Hand. „Wir sind keine Session-Musiker, die beruflich miteinander spielen und dann Feierabend machen. Wir komponieren und tüfteln gemeinsam an der Musik, treffen uns privat und tauschen uns über Musik aus.“ Man merkt, diese Jungs sind anders. Ihre Musik steht im Vordergrund, genauso, wie der Respekt und die Wertschätzung gegenüber ihren Bandkollegen als Menschen. „Für mich ist prinzipiell niemand in der Band ersetzbar. Wir setzen uns aus völlig unterschiedlichen Charakteren zusammen, die für mich allesamt einzigartig sind“, findet Raphi. „Ich hoffe, dass wir uns über sowas noch sehr lange keine Gedanken machen müssen“, meint Alex.

Die Zukunft der Band

Als ihr Weg als Band Gestalt annahm, kam es zum nächsten Schritt: ein Plattenvertrag. Die Prozedur dorthin ist ganz anders, als man manchmal erwartet. „Die Zeiten, in denen man von Talent-Scouts, die im Auftrag einer Plattenfirma unterwegs sind, angesprochen wird, sind vorbei“, erklärt Raphi. „Du schickst deine Platte an alle möglichen Adressen und hoffst, jemanden zu finden, der versteht, was du machst und mit dir zusammenarbeiten will. Wir hatten das Glück, diejenigen zu finden.“

Die Entwicklung der Jungs kann man sehen. Trotz dem großen Support ihrer Fans und einer besonderen Verbindung, die die Jungs untereinander haben, sehen sie einem großen Durchbruch eher bodenständig und realistisch entgegen. Mit ihrer Liebe zur Musik, ihrer Kreativität und besonderen Freundschaft wird man von Prior the End bestimmt noch mehr hören.