„Ich drück einfach ab!“

Unwirklich schön sieht die Hallertau auf den Fotos von Gabi Röhrl aus. Wie sie das macht und warum – wir haben uns mit der Holledauerin zu einem kleinen Spaziergang verabredet.

Luise Heine
Reportage von Luise Heine, Dezember 26, 2018

Biep, Biep, Biep – die Kofferraumklappe des alten BMWs öffnet sich und heraus springt Schicco. Schicco ist ein Bilderbuch-Schäferhund, der jetzt erst einmal eine ausgiebige Schnüffelrunde am nahegelegenen Hopfengarten einlegt. Schicco ist nebenbei auch der wichtigste Begleiter von Gabi Röhrl auf ihren Fotosafaris durch die Holledau. „Er zeigt mir zum Beispiel, wenn Rehe in der Nähe sind, und hat mir so schon oft geholfen, schöne Aufnahmen zu machen.“ Gabis Bilder leben vom Moment – da muss man schnell sein, ohne Stativ und schweres Gerät. Mit dabei ist stattdessen die kompakte Sony RX10. Damit ist sie flexibel: „Ich drück einfach ab, wenn die Stimmung passt!“

Stimmungsvolle Bilder sind heute allerdings nicht zu erwarten. Der Himmel ist wolkenverhangen und grau, es schneenieselt. Trotzdem greift sich Gabi Röhrl ihre Kamera, rückt das Stirnband zurecht und macht sich auf den Weg zu ihrer kleinen Lieblingsrunde in der Nähe von Niederumelsdorf. „Ich liebe die Ruhe hier draußen, die Natur, das entspannt mich unheimlich“, erklärt die hochgewachsene Frau.

Die Autodidaktin

Ihr Leben war nicht immer so entspannt. Gut 30 Jahre führte sie mit ihrem Mann die Wirtschaft im Kloster Weltenburg, war unter anderem zuständig für Marketing und Kommunikation. Mit dem Fotografieren hat Gabi dabei mehr so nebenbei angefangen. Sie brauchte Fotos für den Social-Media-Auftritt und griff dafür selbst zur Kamera. Dann kam der Ehrgeiz: „Ich bin ein klassischer Autodidakt.“

Auf Stimmungsfang

Der Weg geht vorbei an Hopfenstangen und braunen Ackerfurchen. Eine typische Landschaft, wie sie überall in der winterlichen Hallertau zu finden ist. Und trotzdem ist sie anders, denn hier und da erkennt man Szenen wieder, die Gabi mit ihrer Kamera stimmungsvoll eingefangen hat. „Ich geh viel spazieren und da hab ich die Kamera immer dabei“, erzählt Gabi. Sie hat sie nicht nur dabei, sondern meist auch in der Hand – immer im Anschlag. Aus der Hüfte schießt sie die Fotos, die sie auf Facebook teilt. „Das Interesse an der Hallertau ist gewaltig!“ Über 11.000 Menschen lieben das Heimatgefühl, das sie vermittelt. Zu sehen ist auf den Fotos vor allem die Landschaft, die sanften Hügel der Hallertau, gespickt mit Hopfenstangen. Szenarien, zum Teil in prächtigen Farben gemalt.

Zu prächtig? Gabi lacht. „Ich verwende grundsätzlich keine Filter!“ Natürlich bearbeitet sie Bilder auch nach, vor allem bei Gegenlichtaufnahmen. „Aber mehr als 20 Sekunden investiere ich in kein Bild! Es ist hier halt einfach so schön!“ Zeigen, wie schön es in der Hallertau eigentlich ist. Dass man nicht unbedingt weit fahren muss, um spektakuläre Landschaft zu sehen – das möchte Gabi vermitteln. Es ist eine Art Mission. Von ihren Bildern inspiriert, zieht jetzt auch so mancher mit Kamera durchs Land. Die Ergebnisse können die Hallertau-Fotografen in einer eigenen, von Gabi geschaffenen Facebook-Gruppe hochladen. Ein beliebtes Angebot. Gabi „gfreit des narrisch!“

„Ich geh viel spazieren und da hab ich die Kamera immer dabei.“

Gabi Röhrl

Pilgerin auf Emotionssuche

Nach einer Kreuzung geht es – für Hallertauer Verhältnisse relativ steil – einen Hügel hinauf. Gabi schmunzelt. Den Anstieg marschiert sie im Sommer, mit einem wasserbepackten Rucksack, rauf und runter, zwanzig Mal hintereinander. Die Sonne, die dabei auf sie runtersticht, kommt der spanischen schon recht nahe. „Perfekte Trainingsbedingungen!“ Sie übt hier für ihre Wanderungen auf dem Jakobsweg. Der Jakobsweg ist für Gabi Lebensthema. Schon fünfmal hat sie ihre Füße dort auf die Probe gestellt. Sie liebt es, wie leer und frei der Kopf wird, wenn sie den Jakobsweg geht.

Und man hat Raum für verrückte Ideen. In Gabis Fall: „Ich kam auf den Gedanken, eine Dokumentation über die Reise auf dem Jakobsweg zu machen.“ Die gesamte Ausrüstung dafür wollte sie selbst tragen. Eine Idee, die Profis als abwegig abtaten. Für Gabi eher ein Ansporn. Die pragmatische Frau suchte sich einfach Menschen, die sie bei ihrer Idee unterstützten. „Emotion vor Perfektion“, war dabei ihr Motto. Und so hat sie zwei Jahren hintereinander ihre und die Erlebnisse anderer auf dem Jakobsweg dokumentiert. Alleine. Den Lohn dieser Arbeit wird es 2019 geben: Die Kinopremiere von „Nur die Füße tun mir leid“ in Abensberg.

Die Natur als Rahmen

Es geht zwischen zwei Hopfengärten einen grasigen Feldweg entlang, auf eine prächtige Esche zu. Ein Anblick wie auf einem alten Gemälde. „Hier hast du alles, was ein gutes Bild braucht“, die Fotoexpertin macht eine ausladende Handbewegung, „die Hopfenstangen als Rahmen, die Kirche im Hintergrund, manchmal sind da auch Rehe.“ Kein Wunder, dass der ehrwürdige Baum eines ihrer Lieblingsmotive ist. Er hat ihr schon zu vielen zauberhaften Bildern verholfen. „Im Urlaub findet man jeden Sonnenuntergang toll, dabei ist der in der Karibik auch nicht schöner als hier!“ Ihr Rat: „Öfter mal innehalten und die Hallertau genießen!“ So wie Schicco, der in dem Moment einen großen Ast bringt und mit seinem Frauchen um die Wette zerrt. Momente, die man festhalten muss.

Wer sehen möchte, wie Gabi die Hallertau einfängt, kann das entweder auf der Facebookseite (www.facebook.com/heimatholledau/) tun. Wer filmische Eindrücke genießen möchte: Auf ihrem Blog (www.heimat-holledau.de) gibt es auch Videos.

„Öfter mal innehalten und die Hallertau genießen.“

Gabi Röhrl