In Baar-Ebenhausen steht ein Co-working-Haus

Neue Arbeitsstrukturen etablieren sich langsam auch auf dem Land: Christopher Männlein wagt einen Co-working-Space in Baar-Ebenhausen.

Michael Urban
Interview von Michael Urban, Dezember 19, 2019

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Christopher Männlein ist ein Macher. Nachdem er in den letzten neun Jahren sein eigenes Film- und Fotostudio in Baar-Ebenhausen – das GMW-Studio – erfolgreich hochgezogen hat, legt er nun mit einem „Co-working-Space“ nach. Der soll ab 1.1.2020 vor allem Pendlern und Freiberuflern zugute kommen. Was es damit auf sich hat und was „Co-working“ a la Männlein überhaupt heißt, hat uns der mediale Tausendsassa in einem Interview erklärt. Ein paar Zahlen zum Projekt und einen 3D-Rundgang findet ihr am Ende des Beitrags.

Hallertau.de: Hi Christopher, du bist vielbeschäftigt, danke für deine Zeit! Die wird mit dem Co-Working-Space, den du anbietest auch nicht mehr, nehmen wir an. Aber fangen wir von vorne an: Co-Working in Baar-Ebenhausen – was ist das eigentlich?

Christopher Männlein: Co-working ist eine neue Arbeitsform, bei der sich meist Startups, Freelancer oder Kreative einen zeitlich flexiblen Arbeitsplatz in einem offen gestalteten Büro mieten und den Vorteil des gemeinsamen Arbeitens (Co-working) nutzen. Jedem Co-working-Space liegen die fünf Kernwerte Zusammenarbeit, Gemeinschaft, Nachhaltigkeit, Offenheit und Zugänglichkeit zugrunde. Die Menschen, die sich in einzelnen abgeschotteten Büros nie gesehen hätten, treffen dort für neue Projekte oder Geschäftsideen aufeinander.

Du hast aber noch eine Idee, wie ein derartiges Modell in Baar-Ebenhausen konkret aussehen könnte…

Allerdings – ich möchte den Begriff Co-working noch um den Begriff „Pendlerstation“ erweitern, da das angegangene Projekt eine Mischung darstellt. Viele Menschen pendeln täglich zwischen Zuhause und Arbeitsplatz. Die Leidtragenden sind die Arbeitnehmer, die Umwelt und zunehmend auch Arbeitgeber. Studien zeigen, dass jeder zweite Deutsche von einem anderen Ort als seinem Büro aus arbeiten würde, wenn er denn das Angebot von seinem Arbeitgeber bekäme. Die von uns vorgesehene Pendlerstation bietet eine Büroatmosphäre, die alle technischen, arbeitsrechtlichen und gestalterischen Anforderungen an einen modernen Arbeitsplatz erfüllt. Arbeitgeber können dort ein Flächenkontingent buchen und mit den in Frage kommenden Mitarbeitern entsprechende Arbeitszeitmodelle vereinbaren.

Alles klar, New Work im Anmarsch! Hast du vielleicht konkrete Beispiele vor Augen, wer sich denn in diesem Co-working-Space ansiedeln könnte?

Ein Co-working-Space ist im Grunde genommen sowohl für Freelancer als auch für Arbeitnehmer, denen Homeoffice möglich ist, relevant. Das können Freelancer aus dem Bereich IT, Marketing, Grafikdesign, Architektur, Webdesign oder Medienbranchen sein oder Angestellte von Automobilkonzernen oder anderen großen Unternehmen, für die Homeoffice möglich ist.

Eine interessante Vorstellung. Woher kam diese zukunftsweisende Idee und was versprichst du dir davon?

Der Idee einer Pendlerstation inklusive Co-working liegt zugrunde, dass im Landkreis Pfaffenhofen ein hoher Anteil an Auspendlern existiert, die täglich in die Metropoloregion München oder in anderen Landkreise pendeln. Durch die Einführung solcher Stationen könnten wir einen enormen Beitrag zur Umweltentlastung leisteten. Des Weiteren verändert sich der Lebensstandard der dort arbeitenden Bevölkerung enorm durch die Einsparung von Reisezeiten, welche sinnvoller im Bereich der Kindererziehung, der Freizeitgestaltung oder als Beitrag eines Ehrenamtes eingesetzt werden könnten. Zudem kommt der Aspekt, dass umweltfreundliche Arbeitsplätze geschaffen werden, da der tägliche Verkehr auf der Straße reduziert wird. Als Beispiel könnte man ein großes Unternehmen wie Microsoft nennen, dass laut Informationen aus dem Internet 1.100 von 1.500 Mitarbeitern eine freie Arbeitsplatzwahl anbietet. Nicht zuletzt liegt der Grundgedanke eines Co-working-Spaces darin, dass sich verschiedenen Personen aus verschiedenen Arbeitsfeldern kennenlernen, austauschen und neue Ideen entwickeln. Die Gründerlust in Deutschland muss wieder geweckt werden.

Baar-Ebenhausen liegt ja in der Hallertau, also zwischen Metropolregionen. Wie stellst du dir die Logistik und Synergien deines Co-working-Projektes vor?

Der Bahnhof in Baar-Ebenhausen ist fünf Minuten Fußmarsch von der Pendlerstation inklusive Co-working-Space entfernt und somit ideal zwischen München und Nürnberg gelegen. In einem Empfehlungsschreiben der Gemeinde Baar-Ebenhausen wird dies so formuliert: „Nachdem der Standort Ihres Vorhabens sich in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof befindet, sehen wir einen Nutzen für die Bevölkerung auch stark über die Gemeindegrenzen hinaus. Arbeitnehmer aus umliegenden Gemeinden, die im Moment weite Pendelstrecken im Individualverkehr zurücklegen, können Ihre Pendlerstation und damit deren Arbeitsplatz per ÖPNV oder sogar mit dem Fahrrad erreichen.“ Die Lage direkt gegenüber eines Film- und Fotostudios ist zudem interessant für Medienschaffende aus der Film- und Fotobranche und könnte somit Synergieeffekte entstehen lassen.

Und nun muss/müssen nur noch…

… Gespräche zwischen interessierten Arbeitnehmern und ihren Arbeitgebern her, ob die Möglichkeit bestünde, so ein Angebot zu nutzen. Schließlich legen Unternehmen immer mehr Wert auf die Work-Life-Balance, flexible Arbeitszeiten und nicht zuletzt auf den Schutz der Umwelt.


Pendlerstation inklusive Co-working-Space

Ab dem 01.01.2020 ist die Miete der einzelnen Arbeitsplätze möglich. Die Miete eines Arbeitsplatzes wird ab einem Zeitraum von drei Monaten möglich sein. Zum aktuellen Zeitpunkt wird es 14 Arbeitsplätze mit Internetanschluss, einem Meetingraum, Community-Flächen, Küche und Sanitäreinrichtungen geben. Jeder Arbeitsplatz wird mit einem Schreibtisch, Rollcontainer, Stuhl und Glasfaseranschluss ausgestattet sein.

Zum 3D-Rundgang

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