Julias Weg zur „ausgfuchsden“ Näherin

hallertau.de
Interview von hallertau.de, Februar 26, 2020

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Ein Beitrag von Inge Fuchs

Ob Upcycling, Tutorials auf YouTube oder VHS-Kurse – Nähen ist wieder voll im Trend. Aber nicht nur Hobbynäher stechen zu: Über 12.500 Maßschneidereien gibt es mittlerweile in Deutschland. Laut dem Zentralverband des deutschen Handwerks waren es vor 15 Jahren noch 40 Prozent weniger.

Staatlich geprüfte Modegestalterin – so darf sich Julia von „ausgfuchsd“ seit kurzem betiteln. Nachdem sie ihre Ausbildung sowie drei Gesellenjahre bei Trachten Raith in Parleiten absolviert hat, entschied sie sich, die deutsche Meisterschule für Mode in München zu besuchen. Anfang 2020 folgte dann der Schritt in die Selbstständigkeit. Seitdem näht sie in Burgstall und Pfaffenhofen maßangefertigte Dirndl und Westen, aber auch Änderungen oder Abendkleider gehören zu ihrem Tagesgeschäft.

Hallertau.de: Servus Julia! Du trägst heute extra für unseren Termin ein von dir selbstgeschneidertes Dirndl. Wolltest du eigentlich schon immer Schneiderin werden? Und wie kamst du darauf, in den Bereich Trachten zu gehen?

Julia: Tatsächlich habe ich vor der Ausbildung noch nie genäht (lacht). Aber als Kind habe ich schon immer viel gezeichnet. Nach der Realschule wollte ich dann schon die Ausbildung zur Schneiderin machen, doch leider suchte zu diesem Zeitpunkt niemand einen Lehrling. Nach der FOS hat es dann endlich geklappt. Meine Mama hat sich im Nähkurs bei der Raith Fine selbst ein Dirndl geschneidert und gefragt, ob ich mal bei ihr Probearbeiten könnte. So nahm dann alles seinen Lauf.

Was hast du in der dreijährigen Ausbildung alles genäht?

Überwiegend Dirndl, aber auch viele Kostüme für die Garden in der Umgebung. Das war dann immer eine schöne Abwechslung. Auch historische Janker, wie zum Beispiel für die Holledauer Tracht waren Teil meiner Ausbildung.

Jetzt hast du dich unter dem Namen „ausgfuchsd“ selbstständig gemacht. Bleibst du den Trachten treu?

 Ja, die meisten Kundinnen kommen mit ihrem Dirndl zum Ändern vorbei. Zum Beispiel mit Erbstücken von der Oma, wo noch riesige Puffärmel angesagt waren. Aber ich schneidere alles. An der Meisterschule haben wir auch kleine Kollektionen entworfen, sprich selbst gezeichnet und designt. Mittlerweile habe ich schon ein Abendkleid maßangefertigt – 49 Stunden und über 30 Meter Tüllunterrock habe ich da „vernäht“.

Bist du denn durch deine Ausbildung kritischer geworden, wenn du zum Beispiel shoppen gehst?

 Auf alle Fälle. Die Qualität von Stoff und Verarbeitung schaue ich mir jetzt viel genauer an. Und wenn ich in der Umkleide schon merke, dass ein Oberteil nicht gescheit sitzt, dann bleibt es auch im Laden.

Durch deinen Werdegang hast du nun schon einiges an Erfahrung sammeln können. Was muss man denn mitbringen, um im Beruf Schneiderin aufzugehen?

Viel Geduld! Vor allem das Auftrennen und nochmal machen – nähen kann schon mal dauern. Deshalb sollte man auch sehr sorgfältig arbeiten. Lust auf Nähen und Spaß an der Kreativität sind natürlich auch wichtig. Ansonsten… keine Angst vor Nadeln haben (lacht).

Bald starten ja wieder die Starkbierfeste in der Region, danach folgen auch schon die ersten Volksfeste. Hast du für die neue Saison ein paar Tipps und Trends für unsere Leser?

Nach wie vor sind eher schlichte Dirndl, also ohne viel Borten, angesagt. Genauso sind die hochgeschlossenen Varianten immer noch sehr modern. Und ich hoffe, dass auch Kord wieder zurückkommt, so wie bei meinem Dirndl. Das hat man bisher noch nicht so oft gesehen.

Vielen Dank Julia für deinen Einblick in die Modewelt. Wir wünschen dir viel Erfolg mit „ausgfuchsd“ und allen weiteren deiner Vorhaben.

 

Julia wird demnächst auch noch für das Münchener Modehaus Max Dietl nähen. Mit Ausblick auf die bayerische Staatsoper schneidert sie dann Haut Couture und High End Fashion – Hallertauer Charme trifft auf Münchener Flair.

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