Kein gutes Jahr für die Hopfenpflanzer

Die Zahlen zur Hopfenernteschätzung stimmen wenig euphorisch. Die Verbände forderten verbesserte Rahmenbedingungen.

Lisa Schwarzmüller
Bericht von Lisa Schwarzmüller, August 30, 2018

Dr. Johann Pichlmaier, Präsident des Verbandes deutscher Hopfenpflanzer, präsentierte bei der diesjährigen Hopfenrundfahrt in Wolnzach ernüchternde Zahlen zur diesjährigen Hopfenernteschätzung. 34.500 Tonnen des Grünen Goldes werden 2018 voraussichtlich in den Gärten der Hallertauer Pflanzer geerntet werden können – das sind acht Prozent weniger als eine normale Durchschnittsernte. Sowohl Pichlmaier als auch Peter Hintermeier, Vorsitzender des Deutschen Hopfenwirtschaftsverbandes, richteten daher deutliche Worte an die Politik und den anwesenden Staatsminister Florian Herrmann (CSU).

Vielversprechender Start, schwaches Finish

Vor allem das Wetter hatte den Pflanzern in den vergangenen Monaten die Sorgenfalten auf die Stirn getrieben – dabei begann das Jahr vielversprechend. Viel Sonne und ausreichend Niederschlag hatten die Reben schon früh im Jahr die Drähte hinaufklettern lassen. Noch Mitte Juni war man positiv gestimmt. Danach folgte die Trockenheit. Der Befall mit Mehltau, Verticillium-Welke und der Spinnmilbe taten ihr Übriges. „Das zurückliegende Vegetationsjahr hat uns wieder deutlich vor Augen geführt: Hopfen findet draußen statt“, erklärte auch Herrmann vor den versammelten Pflanzern und Verbandsvertretern. Was also tun, wenn das Wetter weiterhin verrückt spielt?

Auch in anderen deutschen Anbaugebieten wie Elbe-Saale, Tettnang oder Spalt haben die extremen Wetterlagen des vergangenen Jahres ihren Tribut gefordert. Das mittelfränkische Spalt rechnet sogar mit einer um 15 Prozent unter dem Durchschnitt liegenden Ernte. Einen Grund für schlechte Stimmung sah Pichlmaier trotz allem nicht: „Solange immer wieder auch bessere Erntejahre kommen, können wir damit umgehen.“ Eine Aussage, der ein großes WENN folgte.

Deutliche Forderungen an den Staat

„Wir wissen, dass die Politik nicht unsere Marktprobleme lösen kann. Das müssen wir zusammen mit den Vermarktern und der Brauwirtschaft selbst erledigen. Wir brauchen aber sehr wohl politische Unterstützung bei den Rahmenbedingungen“, erklärte Hopfenpflanzerpräsident Pichlmaier weiter, und stieß damit in ein ähnliches Horn wie Peter Hintermeier, Vorsitzender des Deutschen Hopfenwirtschaftsverbandes. „Die Wettbewerbskraft eines Hopfenanbaulandes ist umso größer, je vollständiger es die Wertschöpfungskette […] abbildet. Deswegen unterstreichen wir die Erwartungen des Verbands deutscher Hopfenpflanzer […] an die Politik“, erklärte er.  Mit einer Bewässerungsfläche von 20 Prozent hinke man anderen Anbauländern hinterher. Speziell in extrem heißen und niederschlagsarmen Jahren stehe die Liefersicherheit auf dem Spiel. „Der Zugang zu oberflächennahem Wasser und Uferfiltrat für die Bewässerung muss erleichtert werden“, verdeutlichte Pichlmaier.

Positive Signale aus München beim Thema steuerfreie Rücklagen

Auch die steuerliche Situation der Pflanzer müsse sich verbessern, insbesondere da witterungsbedingte Risiken aufgrund des Klimawandels immer größer würden. „Es wäre der Allgemeinheit sehr wohl vermittelbar, dass man es der Landwirtschaft allgemein und damit auch uns im Hopfenbau erlaubt, in guten Jahren steuerfreie Rücklagen zu bilden, um sie in schlechten Jahren zu verwenden“, so Pichlmaier.

Staatskanzleileiter Florian Herrmann, der die erkrankte Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber vertrat, sicherte den Pflanzern Kooperationsbereitschaft zu. „Nächste Woche beim Schwerpunktkabinett Landwirtschaft könnte es in eine wohlwollende Richtung für die steuerfreien Rücklagen gehen“, so Herrmann. Allgemein plädierte er in seiner Rede für eine faktenbasierte und ideologiefreie Auseinandersetzung mit den Themen Bewässerung und Pflanzenschutz.