Klischeefreie Berufsorientierung

Am bundesweiten „Girls and Boys Day“ sammeln Schüler individuelle Erfahrungen zugunsten einer klischeefreien Berufsorientierung. Auch die Kommunalverwaltung in Mainburg ist fester Bestandteil des Aktionstages. Ein Interview mit Geschäftsleiter Karl Raster über den Arbeitgeber Rathaus.

Interview von Simone Huber, April 1, 2019

Was soll ich nach der Schule bloß machen? Mit dieser Frage sieht man sich schon während der Schulzeit konfrontiert. Während die Einen ausschwärmen, suchen sich die Anderen in ihrer Heimat Arbeit. Zum Beispiel im Rathaus. Ob Umzug, Heirat oder Hausbau – der öffentliche Dienst ist zentrale Anlaufstelle für sämtliche Belange. Quasi ein „krisensicherer“ Beruf.

Hallertau.de: Guten Tag, Herr Raster. In welche Berufe schnuppern Schülerinnen und Schüler am „Girls and Boys Day“ besonders gern hinein?

Karl Raster: In der Vergangenheit war das sehr wechselhaft. In diesem Jahr haben überraschend viele Jungs Interesse an sozialen Berufen wie dem Erzieher ist. Auch auf Messen ist ein großes Interesse an sozialen Berufen sichtbar. Auch die Politik hat den Handlungsbedarf hier erkannt.

Welche Berufe werden derzeit von Stadtseite aus am meisten gesucht?

Da steht an erster Stelle natürlich der Verwaltungsfachwirt bzw. auch Beamtenstellen. Nicht nur in Mainburg, sondern generell im öffentlichen Dienst haben wir das Problem, dass die einstellungsstarken Jahrgänge nach und nach in Rente gehen. Danach haben die öffentlichen Verwaltungen – da muss man sich den Vorwurf leider gefallen lassen – die Ausbildung ein wenig schleifen lassen.

Thema Fachkräftemangel: Ist der in Mainburg auch zu spüren?

Den Fachkräftemangel merken wir vor allem bei den öffentlichen Verwaltungsstellen par excellence zu spüren. Klassische „Mangelberufe“ sind nach wie vor der Erzieher/in und Kinderpfleger/in. Der Gesetzgeber hat hier mit den beitragsfreien Kindertageseinrichtungen (Kindergärten bekommen 100 Euro Zuschuss, dadurch haben die Eltern keine Kosten mehr). Dann werden sich die Buchungszeiten und die Nachfrage nach Plätzen drastisch erhöhen. Da braucht es mehr Personal. Deshalb werden die Pflegeberufe ein klassischer „Mangelberuf“ bleiben.

Gilt das auch für ortsansässige „Global Player“ wie die Firma HAIX oder die Firma WOLF?

Ja. Das örtliche Gewerbe steht im Wettbewerb mit Großunternehmen in der Umgebung. BMW steht quasi vor der Haustüre. Wir sind situiert in einer wirtschaftsstarken Region, da herrscht ein Kräftemessen zwischen den Unternehmen. Trotz Engpässen ist mir aber ein akuter Mangel speziell in Mainburg nicht bekannt.

In welchem Berufsbereich sehen Sie die meisten Zukunftschancen?

Sichere Berufe sind vor allem die Verwaltungsberufe im öffentlichen Dienst. Berufsbedingte Kündigungen bleiben hier in der Regel aus. Wenn es beispielsweise wirtschaftlicher schlechter läuft, stellen wir keine Leute aus. Grundsätzlich hat auch die Stadt Mainburg vielen Sparten Ausbildungsbedarf. Wir informieren gerne über freie Stellen und freuen uns immer über Bewerber.

Was kann man im öffentlichen Dienst zum Beispiel alles machen?

Entscheidet man sich für eine Ausbildung in der Kommunal- bzw. Stadtverwaltung, hat man später viele Einsatzmöglichkeiten. Ein Verwaltungsfachwirt durchläuft alle Stationen im Rathaus, das heißt Bauverwaltung, Finanzverwaltung, Bürgerbüro, Buchhaltung. Nahezu jedes Interesse lässt sich hier mit einer Aufgabe abdecken. Der öffentliche Dienst bietet im Grunde eine große Bandbreite an Einsatzmöglichkeiten.