Genreperatur – Eine ungerechtfertigte Verteufelung

Teds Kolumne von Eduard Kastner, Dezember 5, 2018

Wie eine Bombe schlug die Meldung ein, dass der chinesische Wissenschaftler He Jiankui neugeborene Zwillinge so genmanipuliert hat, dass sie keine HIV-Infektion bekommen können. Gleich wurde von einem „gottgleichen Eingriff“ gesprochen oder von der Erzeugung von Design-Babys, die dem Mensch nicht zusteht. Gerade die Kirchen empörten sich. Die ganze Diskussion über genveränderte Pflanzen schlug voll durch. Alle westlichen Ethik-Kommissionen verurteilten He Jiankui. Es ging wieder einmal um die Ausübung der Deutungshoheit.

Deshalb ist es nötig, hinter diese Kulissen zu blicken. Der Chinese gab an, die Genmanipulation mit der Genschere CRISPR-Cas9 ausgeführt zu haben. Hierzu muss gesagt werden, dass auf diesem Gebiet ein großer Wettstreit um die Genmanipulation zwischen den USA und China tobt. CRISPR-Cas9 wurde an der Pennsylvania Universität entwickelt und vom New Yorker Board Institut patentiert. Seinerzeit wurde es schnell als große Heilwaffe euphorisch gefeiert. Das Board Institut stellte CRISPR-Cas9 allen Forschern der Welt für 67 Dollar pro Set zur Verfügung, damit die Studien die Wirksamkeit belegen, ohne selbst dafür Geld aufwenden zu müssen.

Dabei offenbarte sich schnell, das CRISPR-Cas9 am Menschen nicht verlässlich arbeitet. Bei fehlbehandelten Stammzellen kann es zu Krebs führen. Die Euphorie war schnell verflogen. Wie so oft in der Medizin will man die Praxis nicht wahrhaben, weil es doch theoretisch anders sein müsste. Auf der anderen Seite steht die Pharmaindustrie. Sie will an lebenslangen Behandlungen verdienen und nicht an einem einzigen Eingriff, der den Patienten heilt. So kann sehr wohl angenommen werden, dass an der Verteufelung der Genmanipulation am Menschen die Pharma-Großkonzerne gut mitmischten. Die kategorische Ablehnung der Genmanipulation am Menschen in der öffentlichen Diskussion lässt diese Vermutung zu.

Deshalb ist es unerlässlich, ins Detail zu gehen. In Südchina schlugen mit CRISPR-Cas9 durchgeführte Manipulationen offensichtlich auch fehl. Es kam deshalb zu Abgängen. Damit bestätigt sich, dass CRISPR-Cas9 unzuverlässig arbeitet, zumindest im gegenwärtigen Verfahren. In den USA stehen Studien an, die aber die Kontrollinstanzen noch nicht völlig durchlaufen haben. Bei einer wurden 250 Mio. Dollar angesetzt; ein Zeichen dafür, wie das Kapital in diese Technik investiert. Aber mit Dollarzeichen in den Augen wurden noch nie neue medizinische Einsichten geschaffen. Die Technik müsste im Humanbereich fundamental verbessert werden. Dann genügten sehr geringe Beträge.

Was in der öffentlichen Diskussion unterging: Die Genmanipulation wurde vorgenommen, damit die Zwillinge vom infizierten Vater kein HIV übertragen bekommen. Es geht also um die Heilung von einer tödlichen Krankheit. Nicht von ungefähr wurden sofort Meldungen gebracht, dass neue Medikamente dies zu 99 % auch schaffen können, ja, dass keine Ansteckungsgefahr von HIV ausgehe, wenn diese teure Pille täglich genommen wird. Pharmaindustrie, zweiter Beweis. Es gibt Tausende schwerer Krankheiten, die durch einen genetischen Defekt verursacht werden. Meist treten sie deshalb schon im Kindheitsalter auf. Hier gebietet die christliche Ethik die Hilfe. Mit einer verlässlichen Genschere wären alle diese Krankheiten heilbar. Der Patient bräuchte danach keine Behandlungen mehr. Die Ethik kann dies nicht untersagen. Sie käme sonst der Euthanasie nahe.

Es ist also absolut unglücklich, wenn Genmanipulationen kategorisch abgelehnt werden. Das Wissen um die Gene ist so stark gewachsen, dass jede dieser seltenen Krankheiten genetisch identifiziert ist. Eine Behandlung mit mRNAs, in Nanotransportern in die Zellen gebracht, steht bei Mukoviszidose an. Hier wird ebenso eine Heilung erreicht, allerdings mit ständiger Behandlung bis zum Lebensende. Bei SP-B sterben z.B. alle Säuglinge im ersten Jahr. Mit der mRNA-Behandlung werden sie ein fast normales Leben führen, also 80 Jahre alt werden können. Gegen dieses Vorgehen könnten höchstens die Kostenträger sein. Die Ethik steht auf der Seite des Lebens. Mit der funktionierenden Genschere bliebe es bei einem Eingriff kurz nach der Geburt.