„Mich motivieren zufriedene Menschen“

Michael Urban
Interview von Michael Urban, April 24, 2020

Teile diesen Artikel mit deinen Freunden!

Seit 29.3. steht fest: Albert Gürtner wird der neue Landrat für den Landkreis Pfaffenhofen. Der Kandidat der Freien Wähler steht vor einem großen Umbruch. Fast 36 Jahre war er bei der Firma Hipp tätig, war zuletzt für die Koordination der Kapazitäts- und Produktionsplanung der europäischen Produktionsstandorte verantwortlich. Da fiele ihm der nur 700 Meter lange Umzug vom Rathaus ins Landratsamt schon leichter, sinniert Gürtner. Schließlich lässt er auch seinen Posten als Zweiter Pfaffenhofener Bürgermeister hinter sich. Zudem muss der 59-Jährige sein neues Amt mitten in der Corona-Zeit übernehmen, eine außergewöhnliche, neuartige Herausforderung, die gemeistert werden will. Seit Anfang April ist Gürtner deswegen – parallel zu seiner Arbeit bei Hipp – bereits jeden Tag ein paar Stunden im Landratsamt, um sich einzuarbeiten. Wir haben Albert Gürtner ins Interview genommen, bevor es nächste Woche am 1.5. offiziell mit seiner Amtsperiode los geht.

hallertau.de: Noch einmal Glückwunsch zur gewonnen Wahl, Herr Gürtner! Unsere Redaktion sitzt hier im Landkreis, da wollten wir mal nachfragen, wie es unseren neuem Landrat kurz vor dem Startschuss geht. Wie fühlen Sie sich? Was ist seit der Kommunalwahl alles passiert?

Albert Gürtner: Ich fühle mich gut. Nach dem anstrengenden und zeitintensiven Wahlkampf war es ein sehr schönes Gefühl, in der Stichwahl zu gewinnen. Ich arbeite mich gerade im Landratsamt ein, führe viele Gespräche. Zusätzlich gibt es bereits einige Termine, zum Beispiel im Corona-Krisenstab, damit ab Mai ein reibungsloser Übergang gewährleistet ist. An meinem Arbeitsplatz bei der Firma Hipp bin ich intensiv damit beschäftigt, ein geregeltes Umfeld zu hinterlassen und Aufgabenbereiche zu verteilen, bis ein Nachfolger installiert ist.

Das verspricht einen fliegenden Start. Auf der Politbühne sind Sie allerdings kein Neuling. Was waren Ihre ersten politischen Gehversuche und was Ihre bisher schwierigste Aufgabe?

Politisch aktiv bin ich seit 2001, 2002 bin ich dann auch gleich in den Stadtrat gewählt worden. Die schwierigste politische Aufgabe war damals die Organisation der Landesgartenschau in Pfaffenhofen. Es waren viele begleitende Investitionen notwendig, wie zum Beispiel die Auslagerung des Bauhofs oder die Verlegung und der Neubau des Sportgeländes. Diese organisatorischen Aufgaben haben die Mitarbeiter der Stadtverwaltung und uns Politiker stark gefordert. Das Ergebnis war dann für alle der Lohn für die große Mühe im Vorfeld: eine großartige Gartenschau mit vielen zufriedenen Besuchern bei sehr schönem Wetter.

Wenn Sie schon seit fast 20 Jahren politisch aktiv sind, dann muss Ihnen das auch Spaß machen. Was motiviert Sie, Jahr für Jahr in diesem Feld aktiv zu sein?

Ich war ja schon vor meiner Zeit in der Politik ehrenamtlich tätig. Davon viele Jahre in der Pfarrei Pfaffenhofen in verschiedenen Aufgaben, aber auch als Kampfrichter und Fußballjugendtrainer und auch über fast drei Jahrzehnte hinweg als erster und zweiter Vorstand im MTV Pfaffenhofen, der über 3.000 Mitglieder zählt. Dieser Spaß am Ehrenamt hat sich in der Politik fortgesetzt, mit dem Unterschied dass man hier mehr bewegen und sich für alle Menschen in Pfaffenhofen einsetzen kann. Mich motivieren zufriedene Menschen. Glückliche Kinder und zufriedene Eltern in einem neuen Kindergarten, begeisterte Zuschauer nach einem Open-Air am Hauptplatz oder der Bürger, dem man in einer Verwaltungsangelegenheit helfen konnte. In der Politik gibt es viele kleine und große „Glücksmomente“.

Das heißt, Sie haben schon auf vielfältige Weise gemeinnützig für unsere Gesellschaft gearbeitet. Wie kam es dazu? Welche Personen, Ideale oder Momente haben Sie dahingehend geprägt?

Für die Motivation im Ehrenamt und damit für die Politik waren zwei Menschen verantwortlich. Die erste war mein Lehrer in der zweiten Klasse. Er hat mich nicht nur zum Sport selbst (Leichtathletik) hingeführt, sondern durch seine freundschaftliche und vorbildliche Betreuung von uns Kindern und Jugendlichen auch zum Ehrenamt. Die zweite war der Kaplan in Pfaffenhofen – er hat es durch seine motivierende und lebensfrohe Art geschafft, dass ich mich auch im kirchlichen Bereich stark engagiert habe. Daraus ist dann im Laufe der Jahre das Engagement in der Politik entstanden.

Schwenken wir mal vom sozialen Aspekt auf den wirtschaftlichen um. Sie sind Diplom-Wirtschaftsingenieur und haben seit 1984 in der Lebensmittelindustrie gearbeitet. Welche Ihrer beruflichen Erfahrungen können Sie mit in die Politik nehmen?

In einer Firma sind gute Organisation und effektive Zusammenarbeit wichtig. Man merkt, dass man sich Erfolg erarbeiten muss – nicht alleine, es geht nur gemeinsam. Dazu braucht man zufriedene und motivierte Mitarbeiter, ein gutes Konzept und ein Ziel, zu dem man hin will. Diese Erfahrung hilft auch in der Politik ungemein. Zusammen mit meinen Erfahrungen und Kenntnissen aus dem Ehrenamt ist das eine gute Mischung, um auch in der Politik erfolgreich zu sein.

Nach über drei Jahrzehnten bei Hipp waren Sie dort eine feste Größe, jetzt muss dort jemand Ihre Arbeit übernehmen. Was gibt es dazu für Ideen und was werden Sie am meisten vermissen?

Mein Aufgabenbereich wird zunächst auf mehrere Mitarbeiter aufgeteilt, bis ein Nachfolger verfügbar ist. Das geht so kurzfristig nicht anders. Am meisten werde ich die lieben Kolleginnen und Kollegen vermissen. Es war dort wie in einer großen Familie, in der man zusammengehalten und einander geholfen hat. Nicht nur hier in Pfaffenhofen, sondern auch zusammen in allen europäischen Standorten. Wir haben das „The Spirit of HIPP“ genannt.

Und was sagt der „Spirit of Gürtner“? Wo zieht es den hin? Haben Sie einen Lebenstraum, den Sie sich noch erfüllen wollen? Würden Sie Ihn mit uns teilen?

Der nächste Lebenstraum startet gerade. Ich will in den nächsten sechs oder vielleicht sogar 12 Jahren für die Menschen im Landkreis da sein. Damit wir zunächst die gesundheitlichen Risiken in den nächsten Monaten gemeinsam meistern können. Dass wir zusammenhalten und uns gegenseitig unterstützen, damit ein intaktes und wirkungsvolles Gesundheitssystem uns gut durch diese schwierige Zeit bringt. Damit wir dann auch gemeinsam unsere Wirtschaft wieder zum Laufen bringen, unsere Betriebe, Geschäfte und Lokale vor Ort unterstützen. Dann können wir uns wieder darum kümmern, dass die Menschen gerne hier leben und stolz auf den Landkreis Pfaffenhofen sind, weil er ihnen im wirtschaftlichen, sozialen und gesellschaftlichen Umfeld alles bietet, was sie brauchen.

Gesprochen wie ein wahrer Spiritus Rector. Reisen wir im Geiste doch gleich ein paar Jahre in die Zukunft: Was sollen die Leute nach Ihrer Amtszeit über den Landrat Albert Gürtner sagen?

„Schade, dass er aufhört.“

(Das Interview wurde bezüglich Lesbarkeit und Verständlichkeit redigiert)

Teile diesen Artikel mit deinen Freunden!