Micro Adventure #1: The 6-to-9 Ride

Seit 2012 gibt es den Begriff "Micro Adventure" und die Hallertau ist wie geschaffen dafür! Hier findet ihr unsere Umsetzung davon aus dem Juli: ein Kombo-Abenteuer von Wolnzach ins Feilenmoos und zurück, bestehend aus 40km Radeln, Wasserspaß, Frühstück - und das alles vor der Arbeit.

Michael Urban
Anzeige, Foto-Reportage von Michael Urban, Oktober 20, 2020

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Die Idee vom ruhmreichen Morgen

Wenn euch das Thema „Micro Adventures“ interessiert und wie es zu unserer Umsetzung davon kam, scrollt gerne erst einmal runter. Wenn ihr gleich an der Umsetzung unserer ersten verrückten Idee interessiert seid, dann lest hier weiter. Konkret auf die erste Abenteueridee sind Dominik Kappelmeier und ich durch Dominiks Freund Johannes gekommen. Der hat überlegt, eine ihrer Radtouren einfach mal in aller Herrgottsfrüh zu machen. „Da sieht eh alles cooler aus… und man hätte vor der Arbeit schon etwas geleistet“, erinnert sich Dominik an die Entstehung der Idee zur Mission „Morning Glory“/“Ruhmreicher Morgen“ oder des „6-to-9-Ride“, wie wir sie später nennen würden.

Ziel war es, um 06:00 Uhr von Wolnzach aus zu einem Weiher ins Feilenmoos zu radeln, ins kühle Nass zu hüpfen, sich einen Kaffee zu gönnen und um 09:00 Uhr bereit für die Arbeit zu sein. Home-Office macht’s möglich(er). Die Idee von der „Fahrt in den ruhmreichen Morgen“ klingt mächtig episch, aber hauptsächlich brauchten wir einfach ein Motto, einen Schlachtruf, der uns motiviert, um 05:15 Uhr aufzustehen, rund 40 Kilometer zu radeln und danach noch acht Stunden Arbeit durchzuziehen. Die anschließende Müdigkeit und das potentielle Unverständnis unserer Arbeitskollegen nahmen wir in Kauf, denn vielleicht würde es uns gelingen, den einen oder anderen zum Schmunzeln zu bringen und zu inspirieren, selber aktiv zu werden. Los geht’s – oder „Full force!“, wie Dominik sagen würde.

The 6-to-9 Ride Video

Route

Dominik entschloss sich für eine Route, die jedes Rad mitmacht, egal ob Gravel Bike, Mountain Bike oder Rennrad. Außerdem wollte er auf der Rückfahrt etwas anderes sehen, also kehrten wir über eine westliche Route zurück. Die Strecke verläuft insgesamt recht flach, was ungewöhnlich für die Hallertau ist. Uns war’s recht.

Dauer: 1 h 55 min
Höhenmeter: 134 hm
Länge: 35 km

Abenteuerzeit!

Unser Ziel ist der Gosseltshauser Maibaum. Es ist Donnerstag, der 23.7., die Uhr zeigt 05:45 Uhr und es ist ganz schön frisch am Bike. Dominik hatte recht. Aber gut, zu spät für andere Klamotten, beim Radeln wird es einem schon warm, oder? Gottseidank sehe ich Dominik schon am Maibaum stehen, der noch den Schatten der Dämmerung trägt. Die Hoffnung steigt, dass auch meine anderen Verbündeten bald auftauchen.

Das tun sie dann auch. Laura trifft ein, mit einem 100-Watt-Lächeln im Gesicht, das um die Uhrzeit fast schon eine Provokation ist. Andererseits kann ich mich der guten Stimmung nur anschließen. Obwohl ich aufgrund der Vorbereitungen und der schwülen Nacht nur vier durchwachsene Stunden Schlaf intus habe, fühle ich mich überraschend fit. Ich bin gespannt, wann mich die Müdigkeit einholt. Die Filmcrew, das sind Lukas und Theresa sowie Mathias, findet sich auch bald ein und wir legen nach ein paar „Wir-machen-das-jetzt-also-wirklich!?“-Momenten los (oder wie Mathias in bestem Kameramannjargon liebevoll sagen würde: „Ok, ready to f***?“). Es gilt, den Drehplan möglichst straff durchzuziehen, denn das Abenteuer will nicht nur erlebt, sondern auch eingefangen werden. Ein paar Minuten nach Drehbeginn kommt noch etwas überraschend Caro dazu. Aber hey, wer ein E-Bike hat, kann sich das ja erlauben, oder? Aufholen und Gas geben leichtgemacht. „Kein Stress, ich habe Asthmaspray dabei“, sagt Laura und wir wissen gar nicht, ob sie es ernst meint oder einen Witz macht.

Nach ein paar Minuten haben wir uns eingegroovet und machen ein bisschen Strecke. Vor Königsfeld streifen ein paar Rehe durch die Hopfengärten. Ein wahrhaftig erhabener, bayerischer Bamby-Moment… und WOOOM! überholt uns ein Auto, verscheucht die Rehe und hinterlässt einen enttäuschten und eingestaubten Dominik samt Kamera im Anschlag. Schade. „Wären wir halt nicht im Berufsverkehr gefahren“, meint Caro trocken. Immerhin ist uns der Wettergott wohlgesonnen, denn die Sonne taucht langsam aus den Wolken auf und wir radeln einem zauberhaften Sonnenaufgang entgegen, der die Hopfengärten in goldenem Licht erstrahlen lässt. Classic. Hallertau. Der Small Talk und ein wenig Blödsinn am Rande sorgen für die ersten lustigen Situationen und Outtakes. Im Ilmtal steigt der Nebel empor. Die Vögel begrüßen uns an den Waldrändern mit fröhlichem Gezwitscher. Die Luftfeuchtigkeit und der Fahrtwind machen frisch. Doch irgendwie episch.

Unser Plan, das meiste Material auf der Hinfahrt zu schießen, geht auf (schließlich müssen ein paar von uns ja wirklich direkt danach in die Arbeit). Lukas Aufnahmen aus einer perfekten Russenhocke sei Dank. Wir kommen am Weiher an und stellen fest, dass „Easy Teasy“ aka Mathias den Kaffee liegen hat lassen… War wohl doch zu früh für ihn, die Gaudi. Coolerweise kann Mathias postwendend seine Vergesslichkeit wiedergutmachen und von einem einsamen Camper am Parkplatz Kaffee und heißes Wasser ergattern, so dass die etwas Verfroneren unter uns nach ein paar Experimenten und Abkühlungen im Weiher eine warme Belohnung in Aussicht haben. Dazu noch ein paar Heidelbeeren von der Plantage am Fuchsbau, der nur ein Meter hinter uns liegt, und schon sieht die Welt ein Stückchen besser aus. Der Frühstücks-Chillout-Faktor setzt ein und die Zeit hält ein wenig inne. Es ist keiner außer uns am Weiher, die Sonne macht angenehm warm und steht nun schon deutlich höher am Himmel. Das Wasser ist erfrischend, aber nicht wirklich kalt. Es ist klar und voller kleiner Fische. Am Vortag haben wir hier beim Testlauf noch ein gut 1,50 Meter langes Exemplar bestaunen dürfen, das Dominik kurzzeitig Bedenken bereitete.

Bald jedoch packen wir wieder zusammen und treten in getrennten Gruppen die Rückfahrt an. Mathias und ich drehen noch ein paar Sachen nach und entdecken die Freizeitanlage Heideweiher und eine mächtige Eiche an einer Kapelle auf dem Weg nach Au am Aign. Stationen, die wir uns beim nächsten Mal genauer anschauen sollten. Ohne Dreharbeiten ist eine Rückkehr um 09:00 Uhr möglich, wir sind um circa 10:30 Uhr wieder am Ausgangspunkt. Das ist sicherlich auch Dominiks Radel- und Gang-schalt-Strategie zu verdanken: „Kleines Blatt? Nein, danke!“

Jetzt ist es Zeit, den Weg in die Arbeit anzutreten. Was für ein Auftakt! Gefühlt haben wir schon einen ganzen Tag an Sport, Naturerlebnissen und Spaß vor unserer Haustüre hinter uns. Es war die Mühe definitiv wert. Und es war gar nicht so schwer, dem Morgen eine ordentliche Portion Ruhm abzuringen, wie sich hernach in unserer Chat-Gruppe herausstellt. Es hat allen getaugt. Der Müdigkeit bin ich auch davongeradelt. Allerdings nur bis zur Dusche am frühen Abend.

Packliste

– Rad
– Radel-Montur: Helm, Radelhose, ggfs. Handschuhe und leichte Jacke
– Socken, leichte Schuhe
– Badezeug
– Kappe
– Rucksack mit Getränk, Tasse, Snack
– ggfs. Mückenspray und Sonnenschutz

Über Micro Adventures

Ein Micro Adventure ist kurz, einfach, regional und günstig – und trotzdem ist es aufregend, herausfordernd, erfrischend und lohnend. Kleine Abenteuer machen einfach Spaß. Ihr könnt alleine rausgehen oder mit Freunden. Ihr braucht wenig Outdoor-Erfahrung, aber einen Sinn für eure Umwelt.

Die Grenzen sind alleine eure Kreativität und euer Mut, denn eines steht fest: Es gilt, die Komfortzone unserer immer urbaneren, überladenen und von Bildschirmen dominierten Welt zu verlassen. Einfach rausgehen, einen machbaren Ausflug in die Wildnis, die Stadt, die Einfachheit und ins große Freie wagen.

Viele meiner eigenen Erlebnisse sehe jetzt in einem neuen Licht. Den nächsten Baum hinaufklettern. 14 Tage am Grünen Band Fernwandern. Meinen Bruder an Weihnachten zu einer Fackelwanderung mitnehmen. Bike & Hike zu einer Almhütte. Mit Freunden eine Runde Wikingerschach oder Capture the Flag im Wald spielen. Von Zuhause aus einfach in jede Himmelsrichtung 35-Kilometer-Schleifen gehen. Ein Parcours-Workshop an einer alten Münchener S-Bahn-Station. All diese Erfahrungen sind noch sehr lebendig in meinem Kopf. Und genau für Erlebnisse dieser Art hat sich seit 2012 vor allem über den Profi-Abenteurer Alastair Humphreys der Begriff und die Bewegung #microadventure etabliert. Schön, ein Wort für diesen Lebensstil zu haben und sich (zumindest im eigenen bescheidenen Rahmen) als Abenteurer begreifen zu können.

Außerdem gibt es noch jede Menge anderer Abenteurer da draußen! Einige darf ich zu meinem Freundeskreis zählen, was eine wahre Bereicherung ist. Andere fand ich zum Beispiel in Jetzendorf, als ich mit LOWA zusammensaß, um Ideen für Outdoor-Formate in der Hallertau zu besprechen. Logischerweise bin ich ziemlich euphorisiert, dass ich das Thema „Micro Adventures“ mit so einen großen Partner wie LOWA ausprobieren und entwickeln darf.

„These posts should be all you need to get off the sofa, out the front door, and up a hill for the night.“

Alastair Humphreys, Abenteurer


Gemeinsam auf Abenteuer

Gemeinsam mit unserem Ausrüster LOWA haben wir beschlossen, die Hallertau in Form unseres ersten offiziellen Mikro-Abenteuers zu erkunden. Eine wunderbare Idee und ein kreatives Format, unser verwinkeltes Hügelland zu zeigen, zu genießen und ihm das ein oder andere Geheimnis zu entlocken. Dabei hatten wir nicht nur gutes Schuhwerk, sondern auch eine sehr freie Hand – danke für das Vertrauen, LOWA! It was a blast!

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