Mission Mittelmeer (Teil 2)

Es folgt Teil 2 mit der Auflösung, für welche Mittelmeermission die Schwarzhuber Muse vom Militär angeheuert wurde.

Reportage von Maximilian Schwarzhuber, November 17, 2018
Bilder: Maximilian Schwarzhuber

In Teil 1 sind wir, die Schwarzhuber Muse bestehend aus Ludwig, Georg und mir, Maximilian Schwarzhuber, an einem Militärhafen im Mittelmeer angekommen. Ihr habt einen kleinen Einblick bekommen, was das Reisen als Musikant so mit sich bringt, und wie wir an Bord der Fregatte Bayern geführt wurden. In Teil 2 gibt es nun die Auflösung, warum das Militär uns in südliche Gefilde bestellt hat.

Die Fregatte Bayern

An Bord. Um das Eindringen von toxischen Gasen bei einem Angriff an Bord zu verhindern, steht das Innere eines Kriegsschiffes immer unter einem leichten Überdruck. Den Druckabfall spüren wir in unseren Ohren, als wir aus dem Bauch des Schiffes wieder hinaus auf das sonnengeflutete Deck treten. Uns bietet sich eine beeindruckende Kulisse: Fast die gesamte Besatzung der beiden Fregatten „Bayern“ und „Lübeck“ hat sich auf dem Schiffsdeck eingefunden. Etwa 400, in einheitlichem Braun gekleidete Matrosen. Wozu das große Aufgebot? Heute findet die festliche Verabschiedungsfeier der „Fregatte Bayern“ statt. Nach fast sechs Monaten im NATO-Ägäis-Einsatz wird sie nun von der „Fregatte Lübeck“ abgelöst. Und das sollen wir würdig begleiten.

Daten zur Fregatte Bayern (F 217)
• Länge: 138,85 m
• Breite: 16,70 m
• Tiefgang: 6,20 m
• Einsatzverdrängung: 4.500 t
• Antriebsart: 2 Gasturbinen mit je 19.000 kW, 2 Antriebsdieselmotoren mit je 3.820 kW
• Stapellauf: 1994

La dolce vita

Einen Tag zuvor, im Hotel. Das absolute Gegenteil zu den klaustrophobisch anmutenden Unterbringungen an Bord der Fregatte fanden wir in der Unterkunft vor, die uns Musikern zuteil wurde. Ein idyllisch gelegenes Fünf-Sterne-Hotel mit geräumigen Apartments, direkt am Meer gelegen. Privatsphäre im Überfluss. Morgens Sonnen, danach zur Abkühlung in den Salzwasserpool und mittags zum Entspannen einen Cocktail an der Strandbar – Energie für die Auftritte tanken. Zusammenfassend kann ich sagen: Nicht das schlechteste Hotel, das wir bisher hatten. Auch in Anbetracht unseres üppigen Abendessens bin ich ganz froh, dass uns hier keiner der Matrosen von der Fregatte sehen kann.

„Auf Kreta fahren die wie die Verrückten. Ganz normal, dass auf einer einspurigen Straße zwei Autos nebeneinander fahren. Bei uns undenkbar.“

Wiggerl Schwarzhuber

Time to say Goodbye

Erklärtes Motto der Feier: Der Name (Fregatte „Bayern“) ist Programm. Dafür konnte es nur eine Lösung geben: Eine junge Gruppe frecher Musikanten aus Bayern. Für den Kapitän kam da die „Schwarzhuber Muse“ aus Wolnzach gerade recht. Somit sitzen wir nun an Deck einer deutschen Fregatte und machen bei bester Stimmung bayerische Volksmusik vor dem typisch, kargen Bergpanorama Kretas. Dort befinden wir uns nämlich. Und nicht nur unsere Musik kommt richtig gut. Nein, auch das extra für das Fest importierte Bier erfreut sich größter Beliebtheit.

Als wir dann noch zu erklären beginnen, dass der Hopfen für das Bier aus unserer Heimat, der Hallertau, dem größten zusammenhängenden Hopfen-Anbaugebiet der Welt kommt, kennt die Begeisterung der Matrosen kein Halten mehr. Spätestens jetzt ist der Damm gebrochen und wir können uns vor lauter Fragen kaum noch retten. So unterhalten wir uns, musizieren und feiern mit den Matrosen, bis sich auch die letzten Sonnenstrahlen über dem Meer verabschiedet haben.

„Bevor wir die Fregatte Bayern betraten, dachte deren Besatzung aufgrund unseres Dialekts am Telefon, dass wir eine alte Rentnerband sind. Wir konnten sie dann doch vom Gegenteil überzeugen.“

Wiggerl Schwarzhuber

Party im Schiff

Wenn ihr glaubt, dass das Fest damit zu Ende war, dann habt ihr noch nie Matrosen beim Feiern gesehen. In den Gemeinschaftsräumen der Besatzungsmitglieder, tief im Bauch der Fregatte, geht die Party erst richtig los. Eine ideale Gelegenheit, unsere Entertainment-Qualitäten selbst bei Discokugel und Schwarzlicht unter Beweis zu stellen. Lieder wie „Auf der Vogelwiese“ oder der „Zillertaler Hochzeitsmarsch“ kommen selbst tief in der Nacht auf einer deutschen Fregatte noch unschlagbar gut an. Viel zu schnell vergeht die Zeit und nach einer unvergesslichen Nacht kehren wir früh morgens wieder in unser Hotel zurück. Durchaus froh darüber, nicht in einer Drei-Quadratmeter Koje auf dem Schiff schlafen zu müssen.

Time that we said Goodbye

Während wir am nächsten Tag bereits nach wenigen Stunden wieder zu Hause in Deutschland ankommen, muss sich die Besatzung der „Fregatte Bayern“ noch elf Tage gedulden. So lange dauert nämlich deren Heimreise in den Heimathafen nach Wilhelmshaven und in den Urlaub. Ob es die Reise nach Kreta wert war? Auf jeden Fall! So viel kulturellen Austausch durften selbst wir erfahrene Musikanten nur selten erleben. Und was wir wieder einmal von einer Reise mitnehmen durften: unsere bayerische Kultur ist und bleibt ein absoluter Exportschlager, selbst unter Discokugel und Schwarzlicht und auf See.