Mit Bier und Humor gegen Rassismus

Simon Pearce ist "allein unter Schwarzen". Bei den Wochen gegen Rassismus hat er sich mit Jungautorin Aylin Rauh über Rassismus unterhalten. Wie wäre es mit einer großen Portion Empathie?

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Interview von Aylin Rauh, April 3, 2019

Man nehme eine ordentliche Handvoll politisches Engagement, lösche es mit einem großzügigen Humpen Bier ab und lasse das Gemisch auf einer Bühne köcheln. Das Ergebnis: Der geniale Humor von Kabarettist und Schauspieler Simon Pearce und eine engagierte Diskussionsrunde heizte das PilsPub 14/1 ordentlich auf. Die Hütte war voll. Auch ich hatte als Servicekraft hinter der Bar einiges zu tun. Trotzdem haben Simon und ich am Rande der Veranstaltung Zeit gefunden, uns in einem Interview über sein Programm und seine Erfahrungen mit Rassismus zu unterhalten.

Hallertau.de: Simon, Dein Programm heißt „Allein unter Schwarzen“ und bezieht sich auf die politische Gesinnung Deiner Mitmenschen. Fühlst Du Dich tatsächlich mit Rassismus konfrontiert und spielt das Thema in deinem Alltag eine große Rolle?

Simon Pearce: Man kann Rassismus und auch mein Programm nicht nur auf die Hautfarbe beziehen. Ich möchte mich nicht als „das Opfer“ präsentieren. Heutzutage erlebt man ja Rassismus in jeglichen Formen. Man sollte wissen, was ernst zu nehmen ist und was nicht. Darum geht es in meinem Programm: Es ist gut, über solche Geschichten zu sprechen.

Dabei hinterfragen viele ihr Handeln nicht und sehen es nicht als rassistisch an. Was würdest Du solchen Menschen gerne mal sagen?

Eigentlich bringt es nichts, etwas zu ihnen zu sagen. Gerade weil viele meinen, es sei nicht rassistisch ist, was sie von sich geben. Man muss mit ihnen auf Augenhöhe bleiben und Rassismus nicht immer suchen. Noch dazu macht der Ton die Musik.

Kann man gegen so einen Alltagsrassismus etwas tun?

Reden! Mein Umgang ist Humor, einfach mit Witzen entgegenkommen. Trotz allem sollten keine Beleidigungen im Spiel stehen. Meistens fehlt Empathie.

Denkst Du, durch Deine Kleinkunst etwas bewegen zu können?

Ich will die Leute nicht nur zum Lachen bringen, sondern auch zum Nachdenken anregen.

Gibt es Unterschiede zwischen Rassismus auf dem Land und in der Stadt?

Das ist auch wieder ein Vorurteil. Auf dem Land ist einiges traditioneller und die Bewohner wurden mit dem Thema noch nicht wirklich konfrontiert. Zum Beispiel in Hamburg herrscht mehr Kontakt zu Farbigen, deshalb sind sie viel offener. Natürlich gibt es auch ein paar Ausnahmen, aber am Ende des Tages ist jeder Mensch ein Mensch.

In den letzten Jahren war die Asylwelle ein präsentes Thema in den Medien. Hast du auch einige Folgen zu spüren bekommen?

An sich nicht direkt, aber der Ton wurde mir gegenüber von einigen Menschen etwas rauer. Was man auch beachten muss ist, dass durch diese politische Thematik eine neue rechte Mitte entstanden ist.

Abschließende Frage: Wenn Du für einen Tag Gott wärst, was würdest Du gegen Rassismus tun?

Ich würde für mehr Empathie unter den Menschen sorgen.

Aylin Rauh

Jungautorin Aylin studiert Journalistik an der Makromedia in München und untersucht unter anderem das aktuelle Frauenbild.